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Mobiler Corona-Test: Großer Andrang in Kempen

Drive-In-Zentrum in Kempen : Großer Andrang bei mobilem Corona-Test

In Kempen hat ein Untersuchungszentrum eröffnet, bei dem Menschen mit Corona-Verdacht im Auto vorfahren können. Unser Autor hat sich das angeschaut - mit Abstand.

Im ersten Auto, das am Dienstagnachmittag durch den Drive-in-Schalter für Corona-Tests in Kempen fährt, sitzen ein Mann und eine Frau. Die Frau auf dem Beifahrersitz putzt sich vorher noch einmal kurz die Nase mit einem Papiertaschentuch. Dann lässt der Fahrer die Fensterscheibe runter. Am ersten Schalter geben sie die Überweisung ihres Hausarztes ab, ohne die sie nicht getestet werden würden. Am zweiten Schalter wartet bereits Arzt Arndt Berson auf das Auto. Er trägt weiße Schutzkleidung und Schutzmaske. Die beiden bleiben im Auto sitzen, während Berson bei ihnen einen Abstrich in Mund und Nase macht. „Die Ergebnisse werden ihrem Hausarzt zugeschickt“, erklärt er ihnen.

Der Andrang beim ersten mobilen Corona-Untersuchungszentrum im Kreis Viersen ist groß am Dienstag. „Es haben sich mehr als 200 Leute angemeldet, die eine Bescheinigung von ihrem Arzt erhalten haben“, sagt die Gesundheitsdezernentin des Kreises, Katarina Esser. Landesweit gibt es bislang wenige solcher oder ähnlicher Einrichtungen – unter anderem noch in Münster, Oberhausen und Duisburg. Dabei sprechen sich führende Virologen deutlich für solche „Drive-in-Tests“ aus, weil man auf diese Weise kaum Kontakt zu anderen hat – anders als etwa in den Wartezimmern der Hausarztpraxen. Und tatsächlich funktionieren die Einrichtungen, wie man es von den Schaltern der Schnellrestaurants kennt: Man fährt ran, bleibt im Auto sitzen, gibt einen Schein ab (in dem Fall nur keinen Geldschein), bekommt einen Abstrich und fährt wieder. In unserem Liveblog halten wir Sie über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden.

 „Der logistische Aufwand, der dahinter steckt, ist aber enorm“, sagt Esser. Der Kreis Viersen habe rund zehn Tage benötigt, um die mobile Station an den Start zu bekommen. „Man muss unter anderem einen geeigneten Standort finden, Hilfskräfte und Ärzte organisieren“, sagt auch Rainer Höckels, Kreisbrandmeister und Amtsleiter für den Bevölkerungsschutz. Den Container, in dem unter anderem alle notwendigen Utensilien gelagert werden, hat ein örtlicher Unternehmer aus Willich zur Verfügung gestellt. „Alle ziehen hier an einem Strang. Malteser, Deutsches Rotes Kreuz, Feuerwehr, Ärzte, Polizei, Ordnungsamt und Privatleute helfen mit“, sagt Esser. Die mobile Coronatest-Station steht am Mittwoch in Viersen und am Donnerstag in Nettetal. Am Freitag soll sie wieder in Kempen aufgebaut werden. „Allein die Standortverlagerung ist aufwendig“, so Esser.

Der Andrang ist am Dienstagmittag so enorm, dass bereits eine Stunde vor Eröffnung die Autos Schlange stehen. Damit haben selbst die Verantwortlichen nicht gerechnet. „Das ist wirklich schon sehr sehr viel“, sagt Arzt Arndt Berson. „Und es zeigt, wie hoch der Bedarf ist.“

Auch Fußgänger können sich hier testen lassen. Dafür gibt es eine eigene Warteschlange. Die Mitarbeiter der mobilen Einrichtung sind bemüht, möglichst keinen Kontakt zu den Wartenden zu haben, die nur rund zehn Meter von ihnen entfernt stehen. „Halt, hier bitte nicht entlang“, ruft Berson zwei jungen Frauen zu, die mitten durch die Station gehen wollen, um den Weg abzukürzen. Eine Frau mit Kind fragt, ob man einen Termin mit Uhrzeit bekommen könnte. Nein, lautet die Antwort. Der Parkplatz sei schließlich kein Wartezimmer, erklärt man ihr.

Die Verantwortlichen betonen immer wieder, dass man nicht unangemeldet zur mobilen Station kommen kann. „Wir schicken alle weg, die keine Bescheinigung von ihrem Arzt haben“, sagt Berson. Außerdem würden die Unangemeldeten den Ablauf stören. Um eine solche Bescheinigung zu bekommen, muss man aber nicht extra in die Arztpraxis. Man bekommt sie unter anderem per Mail zugeschickt.

Vor Ansteckungen haben die Mediziner, die die Abstriche machen, keine Angst. „Das ist hier für uns viel besser als in der Praxis. Außerdem sind wir es schon gewohnt, in Schutzkleiding zu arbeiten“, so Berson. „Sorge bereitet uns viel mehr, dass uns bald die Schutzkleidung ausgeht.“ Auf das Testergebnis müssen Betroffene im Kreis Viersen derzeit nicht lange warten. „Das geht innerhalb eines Tages“, sagt Berson.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Kreis Viersen hat jetzt ein mobiles Zentrum für Corona-Tests