Stadt Kempen: Mit links

Stadt Kempen: Mit links

Wenn Marie, Anna, Joris, Janik und Phillipp zum Stift greifen, dann machen die Vorschulkinder das mit der linken Hand. Wie das richtig geht, lernen sie derzeit in einem Linkshänder-Kursus beim Kinderschutzbund Kempen.

"Immer daran denken, das Heft schön schräg legen, dann geht es viel besser", erinnert Barbara Herchenhan und rückt das sehr gerade liegende Schreibvorbereitungsheft von Joris in Schräglage. Der Fünfjährige lächelt, merkt er doch selber direkt, dass es nun viel einfacher ist, die bogenförmigen Punkte, die sich in einer langen Linie über eine Heftseite ziehen, zu verbinden. Voller Konzentration fährt er den Buntstift von Punkt zu Punkt, um eine schöne Verbindung herzustellen.

Schreibfit machen

An dem niedrigen Kindertisch in der Küche des Kinderschutzbundes Kempen sind Joris, Marie (4), Janik (5 Jahre), Phillipp (6 Jahre) und Anna (5 Jahre) damit beschäftigt, ihre linke Hand schreibfit zu machen. Alle fünf Kinder sind Linkshänder. "Mit links schreiben will genau so gelernt werden, wie mit rechts schreiben. Nur ist es so, dass viele Linkshänder nicht die korrekte Anleitung dazu bekommen, weil Eltern, die vielleicht Rechtshänder sind, gar nicht wissen, wie es geht", sagt Herchenhan.

Sie ist Linkshänderberaterin und gibt seit Jahren Linkshänderkurse für Kinder im Vorschulalter beim Kempener Kinderschutzbund. War früher eine Umerziehung von Linkshändern üblich, so gehört dies längst der Vergangenheit an. "Es gibt zahlreiche Umschulungsfolgen. Dazu gehören unter anderem Gedächtnisprobleme oder Lese- und Rechtschreibprobleme", sagt die Fachfrau. Heute lernen linkshändige Kinder, wie sie korrekt mit der linken Hand schreiben.

Die Umerziehung am eigenen Leib hat Sabine Klantenberger, die Mutter von Marie, allerdings noch zu spüren bekommen. "Auch ich bin Linkshänderin und habe früher immer zu hören bekommen, das macht man nicht. Dann wurde mir der Stift aus der linken Hand genommen und in die rechte Hand gedrückt. Furchtbar", erinnert sie sich. Als Klantenberger merkte, dass ihre Tochter ebenfalls Linkshänderin ist, war für sie sofort klar, dass sie es auch bleibt und dabei Unterstützung erfahren soll. "Da kam dieses Angebot wie gerufen", freut sich die junge Frau.

Richtiges Handwerkszeug

"Bei uns in der Familie sind alle Rechtshänder und so kann keiner Anna, die Linkshänderin ist, wirklich helfen. Hier lernt sie es und kann ohne falsche Haltung unbesorgt links schreiben", erzählt Petra Schäfer. Für die Mutter bedeutete das auch, Scheren, Füller, Bleistiftanspitzer, kurzum die ganze Palette für Linkshänder, zu kaufen. "Das ist wichtig", betont Herchenhan, denn nur mit dem richtigen Handwerkszeug kann der Linkshänder auch korrekt arbeiten.

(RP)