Mit der Solarthermie-Technik will der Kempener Versorger die Energiewende im Fernwärmenetz schaffen.

Kempen : Stadtwerke setzen auf die Kraft der Sonne

Mit der Solarthermie-Technik will der Versorger die Energiewende im Fernwärmenetz schaffen. Im Neubaugebiet „Auf dem Zanger/An der Mühle“ in St. Hubert entsteht ein neues Heizkraftwerk, bei dem auch die Sonnenenergie genutzt werden kann. Für Kempen ist eine zwölf Hektar große Anlage geplant.

Was in anderen Ländern seit Jahren gut funktioniert, soll auch für Kempen genutzt werden. „Wir wollen Sonne ernten, um die Energie zu nutzen“, sagt Norbert Sandmann, neben Siegfried Ferling Geschäftsführer der Stadtwerke Kempen. Sonnenenergie ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende, die das Kempener Versorgungsunternehmen in den kommenden Jahren einleiten will. Das Stichwort dabei heißt Solarthermie. Mit einem speziellen Verfahren, das beispielsweise in Dänemark seit rund 30 Jahren praktiziert wird, wollen die Stadtwerke einen Teil der für die Fernwärmeversorgung notwendigen Energie gewinnen.

Bislang wird die Fernwärme, mit der die Stadtwerke etwa 60 Prozent der Haushalte beliefert, über das System der Kraft-Wärme-Kopplung produziert. Energieträger ist Erdgas, das verstromt wird. Von fossilen Energieträgern müssen sich die Versorgungsunternehmen aber in kommenden Jahren trennen. Nicht nur der Kohle-Ausstieg ist beschlossene Sache, auch Erdgas wird auf lange Sicht nicht mehr für die Energieversorgung in Frage kommen.

Die neue Energiezentrale für das Neubaugebiet „Auf dem Zanger/An der Mühle“ ist im Rohbau bereits weit gediehen. Foto: Norbert Prümen

Die Stadtwerke Kempen haben im vergangenen Jahr ein neues Projekt gestartet, das nun im Neubaugebiet „Auf dem Zanger/An der Mühle“ in St. Hubert in eine Pilotphase geht. Neben dem „Pielenhof“ am Rande des Baugebiets wird ein eigenes Heizkraftwerk gebaut. Der Rohbau ist weit gediehen. Von hier aus sollen die mehr als 100 Wohneinheiten in Ein- und Mehrfamilienhäusern mit Fernwärme und Strom versorgt werden. In dem kleinen Kraftwerk wird Strom und Warmwasser produziert. Für die Energieerzeugung sorgen unter anderem eine Wärmepumpe mit 17 Erdsonden, Photovoltaik-Module auf dem Dach des Gebäudes und ein etwa 200 Quadratmeter großes Testfeld mit einer Solaranlage. Solarpaneele werden außerhalb des Gebäudes so platziert, dass sie möglich viel Sonne aufnehmen können. Alle Wärmeerzeuger speisen einen in dem Gebäude untergebrachten Wärmespeicher, der bis zu 50 Kubikmeter Wasser aufnehmen kann.

Das System haben die Stadtwerke gemeinsam mit der Hochschule Düsseldorf entwickelt. Projektleiter Rüdiger Leibauer arbeitete im Vorfeld eng mit der Arbeitsgruppe von Prof. Mario Adam vom Zentrum für Innovative Energiesysteme der Hochschule zusammen. Das Vorhaben wird mit rund 1,2 Millionen Euro aus einem speziellen Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.

Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Ferling ist von der Effizienz der neuen Anlage für das St. Huberter Baugebiet überzeugt. Foto: Prümen, Norbert

Das System soll sich auch durch hohe Flexibilität auszeichnen. Der Wärmespeicher beispielsweise dient dazu, in Spitzenzeiten und bei schlechtem Wetter eine Reserve zu haben. Ein intelligentes, computergesteuertes Regelsystem sorgt dafür, dass jederzeit der passende Wärmeerzeuger eingeschaltet wird. Dafür werden die Geräte vernetzt. Je nach Strompreis können verschiedene Systeme Wärme produzieren. Die Anlage erkennt automatisch Zeiten hohen und niedrigen Wärmeverbrauchs in den Häusern der Kunden und sich änderndes Nutzerverhalten.

Das Solarthermie-Feld im St. Huberter Baugebiet ist nur ein Baustein des Tests. Doch die Solarthermie soll künftig viel stärker für die Energiegewinnung genutzt werden. Die Stadtwerke Kempen planen seit Längerem die Anlage eines größeren Feldes mit Solarmodulen. Vorgesehen ist, ein etwa zwölf Hektar großes Areal zu pachten und mit entsprechenden Paneelen zu bestücken. Zwölf Hektar entsprechen etwa der Größe von 16 Fußballfeldern. Die Anlage könnte am Krefelder Weg entstehen. Ziel ist es, über den Betrieb der Solaranlage bis zu 30 Prozent der benötigten Fernwärme für die Kempener Haushalte zu decken.

Die Stadtwerke wollen in die neue Anlage viel Geld investieren. Genaue Zahlen wollen sie zurzeit nicht nennen. Ein zweistelliger Millionenbetrag steht im Raum. Derzeit wird das Genehmigungsverfahren für diese Anlage vorbereitet. Das Versorgungsunternehmen verhandelt mit Landwirten über die Pacht der Flächen. Diese sollen nicht mit Beton versiegelt werden. Die Module werden lediglich mit dünnen Rohren ins Erdreich gesteckt. Die Flächen können so weiter als Grünland und damit als Lebensraum für Wildpflanzen und Insekten erhalten bleiben. Schafe sollen das Gras entsprechend kurz halten.

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