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Gemeinde Grefrath: Mit dem Rad quer durch die Dolomiten

Gemeinde Grefrath : Mit dem Rad quer durch die Dolomiten

Es war eine echte Herausforderung für das Quintett um den Oedter Peter Klöcker. In sieben Etappen ging es mit dem Mountainbike über die Alpen. Am Ende sprachen die Teilnehmer von einer Tortur, aber es hat auch Spaß gemacht.

Danach wollte es Peter Klöcker etwas ruhiger angehen lassen. Der 52-jährige Oedter, Lehrer am Erkelenzer Berufskolleg, wollte die letzten Urlaubstage gemeinsam mit seiner Ehefrau Anita genießen, die zuvor in den Alpen eine fünftägige Klettertour gemacht hatte. "Ich hatte zunächst Probleme, die kleinsten Wanderungen bergauf durchzustehen", sagte Klöcker. Die Strapazen steckten nicht nur ihm noch gehörig in den Knochen: Gemeinsam mit vier Freunden hatte er mit seinem Mountainbike eine Sieben-Etappen-Tour in den Dolomiten gemacht. Dabei erlebte das Quintett allerlei unliebsame Überraschungen.

"Ich bin raus, das tue ich mir nicht mehr an", sprach Wilfried Loch beim RP-Gespräch von einer Grenzerfahrung. Er hatte dies allerdings schon bei einer damals organisierten Alpen-Überquerung vor einigen Jahren gesagt, sich dabei an so manche schmale und steinige Wege hinauf zu den Gipfeln erinnert. Diesmal sollte es vor allem bei der zweiten Etappe im Ahrntal noch schlimmer kommen. "Teilweise waren die Wege nicht befahrbar, wir mussten am zweiten Tag bergauf fast drei Stunden lang die Räder schieben oder tragen", erzählte Klöcker. Dabei hatte die Gruppe alles bestens vorbereitet, sich auch spezielles Kartenmaterial beschafft, in denen die Routen auch für Bikes als sehr geeignet deklariert waren. Hinzu kam zu Beginn der Nebel, Eis und Schnee. "Es war eine Tortur", erzählte Loch. Von den sieben Etappen habe man an zwei Tagen sehr schlechte Witterungsverhältnisse erwischt.

Außerdem waren Robert Heinz (Erkelenz), der Krefelder Jochen Ziemes und der wie Klöcker und Loch ebenfalls aus Grefrath stammende Bernd Wenzel dabei. Wenzel, der ein Extrem-Sportler und Hobby-Triathlet ist, auch schon an einem Stück 3,8 Kilometer geschwommen, 180 Kilometer mit dem Rad und die Marathon-Strecke gelaufen ist, fand indes die Tour ziemlich gut und er sagte: "Bis auf die zweite Teilstrecke hat es Riesenspaß gemacht, ich möchte auch mal mit dem Rennrad einige Alpen-Pässe hochfahren." Insgesamt legten die Fünf an sieben Etappentagen 438 Kilometer zurück, bewältigen zu Fuß aber meist im Sattel ihrer Spezialräder über 12 000 Höhenmeter. Die drei Grefrather sind sich einig: Es sei zwar sehr anstrengend gewesen, aber man wurde durch die Natur und die Aussicht auf den Gipfeln entschädigt, so unter anderem am Rosengarten-Gebirge. Und durch die Gastfreundschaft der zumeist italienischen Wirtshaus- oder Pizzeria-Betreiber. Loch: "Egal, ob wir mit durchgeschwitzten und dreckigen Trikots ankamen, wir wurden stets zuvorkommend bewirtet."

"Die Hütte am Ende des zweiten Tages hat unser Leben gerettet", sagte etwas überspitzt Klöcker. Nach den stundenlangen Schiebe- und Trage-Strapazen durch Eis, Schnee und Matsch hatte es dort für die unterkühlten Fahrer auf den Krimmler Tauern einen Kachelofen und direkt einen heißen Tee und eine heiße Suppe gegeben. Der leere Akku wurde so ein wenig aufgeladen.

Auf einigen anderen Etappen begegneten die Fünf vielen anderen Touristen, die zu Fuß unterwegs waren. "Es hat sogar Beifall gegeben, als wir dort geschlossen auftraten. Einige andere haben nur den Kopf geschüttelt", daran konnte sich Klöcker noch erinnern.

Kleinere Pannen und Blessuren gab es natürlich auch. So hatte unter anderem Jochen Ziemes, der mit seinen 59 Jahren der älteste Teilnehmer war, einen Schaden am Schaltwerk seines Rades. Er musste vom Hotel "Patissenhof" in Tiers mit dem Taxi einen Abstecher zu einer Werkstatt in Bozen machen, um später wieder seine Kumpels an einer anderen Anhöhe wiederzutreffen.

Am Ende der sechsten, etwa 60 Kilometer langen Etappe, von Tiers bis Val Campelle, wurde das falsche Quartier angefahren. "Wir waren platt und froh, dass wir den nächsten Berg, worauf eigentlich unsere Hütte stand, nicht mehr anfahren brauchten und dort noch fünf Betten frei waren", sagte Klöcker.

Am Tag der fünften Tour wurde Bernd Wenzel 50 Jahre alt. Es gab am Abend nur eine kurze Feier, weil ja noch zwei Etappen anstanden. Zu einem Nachtreffen wird es wahrscheinlich in einigen Wochen kommen. "Wir machen dann einen italienischen Abend", meinte Peter Klöcker.

(wsc)