Serie Was Macht Eigentlich?: Mister Sozialpolitik wird 80 Jahre alt

Serie Was Macht Eigentlich?: Mister Sozialpolitik wird 80 Jahre alt

30 Jahre führte er die CDU. 22 Jahre lang war er Bundestagsabgeordneter. Noch immer topfit und mit klarer eigener Meinung verfolgt Julius Louven das politische Geschehen. Auch als Pensionär liest er den Parteifreunden zuweilen gern die Leviten.

Der Mann wird 80 Jahre alt, ist aber noch immer topfit: Er fährt jährlich noch bis zu 7000 Kilometer mit dem Fahrrad, spielt seit mehr als 40 Jahren Tennis im Tennisverein "Casino" in Kempen und geht wie eh und je zum Ski laufen. Die Rede ist von einem Spitzenpolitiker früherer Tage: Julius Louven aus St. Hubert, feiert am heutigen Montag, 18. Februar, einen runden Geburtstag. Er wird 80 Jahre alt.

Man sieht es Julius Louven nicht an, dass er acht Jahrzehnte "auf dem Buckel" hat. Er hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert, auch wenn er eine schwere Krankheit zu überstehen hatte. Vor allem mit Radfahren hält er sich fit, unternimmt Mehr-Tages-Touren, zuletzt noch mit seinem Sohn Jochen im Emsland. Im Kreisgebiet radelt er öfter auch mit seinem Freund, dem früheren Landrat des Kreises Viersen und Sparkassendirektor Peter Van Vlodrop aus Süchteln.

Lange Jahre hatte Louven ein zweites Standbein neben seinem Haus in St. Hubert: Er hatte sein Herz an Berlin verloren und besaß eine Wohnung am Prenzlauer Berg in der Bundeshauptstadt. Die hat er inzwischen wieder aufgegeben. Sein Hauptwohnsitz war ohnehin immer St. Hubert. Dort ist er auch geboren.

Julius Louven — für Ecken und Kanten und eine klar artikulierte eigene Meinung bekannt, nicht immer zur Freude seiner Mitkonkurrenten aus anderen Parteien oder seiner eigenen Parteifreunde — legte eine beispiellose politische Karriere hin. Der gelernte Konditormeister, der erst den elterlichen Betrieb in St. Hubert und später viele Jahre mit Ehefrau Anneliese die "Bergschänke" auf dem Hülser Berg in Krefeld führte, wurde Berufspolitiker. Er führte seine Partei, die CDU, nacheinander 30 Jahre lang: zuerst im Ortsverein St. Hubert, dann im Stadtverband Kempen und schließlich im Kreisverband. Drei Jahrzehnte lang von 1964 bis 1994 war er auch Mitglied des Kreistages, wurde dafür mit der Ehrenplakette des Kreises Viersen geehrt.

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Louven begann seine politische Karriere als Ratsherr in St. Hubert: von 1965 bis 1970 saß er im Gemeindeparlament. Von 1975 bis 1980 gehörte er als Landtagsabgeordneter dem Parlament von Nordrhein-Westfalen an und wurde dann von den Wählern zum Bundestagsabgeordneten gewählt. Er blieb es 22 Jahre — von 1980 bis 2002. Louven brachte es bis zum Sozialpolitischen Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, nachdem er viele Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft "Soziales" im Bundestag war.

Das alles ist lange her, seine Verdienste sind im Kreis Viersen aber bis heute unvergessen. Sie wurden mit den Bundesverdienstkreuzen am Bande und 1.Klasse gewürdigt. Noch immer nimmt Louven lebhaft Anteil am politischen Geschehen im Kreisgebiet, besucht die Mitgliederversammlungen und politischen Termine, hat aber seit Jahren kein Amt mehr inne. Im neuen Heimatbuch des Kreis hat er erstmals einen Beitrag aus eigener Feder veröffentlicht: Er hat das Schicksal des St. Huberter Möbelhändlers Hans Dahlmann in bewegender Weise beschrieben, ein sehr typisches Kriegs- und Nachkriegsschicksal, das nach einem persönlichen Auf und Ab am Ende zu einer erfolgreichern Firmengründung führte.

Louvens besonderes Hobby ist das Lesen. Aktuell widmet er sich zwei politischen Büchern: dem Buch von Peer Steinbrück "Unterm Strich" und dem Buch "Die Patin" der Professorin Gertrud Höhler, die darin beschreibt, "wie Angela Merkel Deutschland umbaut". So lautet der Untertitel dieses kritischen Buches. Beide Bücher seien sehr bemerkenswert, betont Julius Louven.

(jka)
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