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Mietspiegel für Kempen: Die Mieten steigen moderat

Kempen : Die Mieten steigen moderat

Preiswerter Wohnraum in Kempen ist knapp. In Tönisvorst ist das Mietniveau höher.

In der Stadt Kempen sind die Mieten in den vergangenen zwei Jahren moderat gestiegen. Das geht aus dem Mietspiegel hervor, den die Stadt Kempen mit dem Verein der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer sowie dem Mieterverband vorgelegt hat. Die Mietmittelwerte liegen zwischen 4,80 Euro (Wohnungsalter vor 1948) gestaffelt bis zu 8 Euro für eine neue Wohnung ab Baujahr 2016.

Im Vergleich zum Mietspiegel 2017 hat sich bei den neueren Häusern ab 2009 im Mietmittelwert nichts verändert. Bei den älteren Wohnungen sind die Mietmittelwerte meist um zehn Cent gestiegen. Beim oberen Wert der angegebenen Spanne ist fast durchgängig eine Zehn-Cent-Erhöhung zu verzeichnen.

Der moderate Anstieg liegt in Kempen durchaus auf hohem Niveau. Bisher lag die Thomasstadt, in der Wohnungen sehr begehrt sind, in Sachen Mieten im Kreis Viersen immer weit oben. Die Gemeinde Grefrath liegt mit Mittelwerten von 4,15 Euro (vor 1948) bis 6,15 Euro (ab 2016) in allen Kategorien deutlich darunter. In der Stadt Willich liegen die Mieten in den meisten Altersklassen – besonders für neuere Wohnungen ab 1993 – ebenfalls unter den Kempener Werten. In Willich liegen die Mittelwerte zwischen 4,35 Euro (vor 1948) und 7,65 Euro (ab 2016).

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Einen krassen Sprung gab es in Tönisvorst. Dort sind die neuen Wohnungen ab Baujahr 2009 deutlich teurer geworden. Im Vergleich zu 2017 gab es einen Anstieg des Mittelwerts von 7,45 auf 8 Euro (Wohnungsalter 2009 bis 2015) bzw. von 7,75 auf 8,70 Euro (ab 2016). Damit liegt Tönisvorst in fast allen Altersklassen – bis auf 1993 bis 2000 und 2001 bis 2008 – über den Kempener Preisen. Der Mieterverband hat diesen Werten, an denen sich Vermieter bei der Suche nach einer angemessenen Miethöhe orientieren können, nicht zugestimmt. So ein Anstieg sei nicht zu begründen. Darin seien wohl Neuvermietungen berücksichtigt worden.

Michael Heß, Geschäftsführer der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund Krefeld und Niederrhein, sieht indes keinen Grund die Zahlen zu bezweifeln. Sie seien auf Grundlage einer breiten Datenbasis entstanden. Tönisvorst sei auch ein attraktiver Wohnstandort – besonders für junge Familien. „Sie wohnen nah an der Großstadt, aber doch ländlich“, sagt Heß.

Zurzeit ist es in vielen Kommunen politischer Wille, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. In Kempen wird seit Jahren über dieses Thema diskutiert, ohne dass sich Entscheidendes verändert hätte. Im Neubaugebiet An der Kreuzkapelle entstehen neben Eigenheimen auch Mietwohnungen. Sie sind auch für das Baugebiet „Auf dem Zanger“ in St. Hubert geplant. Für das neue Stadtquartier im Kempener Westen sollen Mietwohnungen im großen Stil gebaut werden. Hier soll die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft für den Kreis Viersen (GWG) mit ins Boot genommen werden. Bis zu 200 Wohneinheiten sind hier denkbar.

Für Geringverdiener sei es heute ein großes Problem, eine bezahlbare Wohnung zu finden, sagt Kai-Uwe Springer, Vorsitzender des Mieterverbands Niederrhein. „Das gilt besonders für Hartz-IV-Empfänger und Menschen in der Grundsicherung, weil ihre Miete gedeckelt ist“, so Springer. Die politischen Initiativen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, seien zwar zu begrüßen, aber nicht ausreichend. „In den Jahren zwischen 1990 und 2013 hat sich im öffentlich geförderten Wohnungsbau fast gar nichts getan“, so Springer. Heute würden die niedrigen Zinsen dazu führen, dass Investoren lieber in frei finanzierte Wohnungen investieren, weil sich damit höhere Mieten erzielen lassen. Hier müssten Wohnungsbaugesellschaften eingreifen, wie es zum Beispiel in Krefeld passiert.

Dass Wohnraum geschaffen werden soll, begrüßt auch Michael Heß. Dass dies zu niedrigeren Mieten führen wird, bezweifelt er aber. „Neu gebaute Wohnungen sind teuer“, sagt Heß. Bauvorgaben zu Energieeffizienz, Sicherheit oder auch Barrierefreiheit seien zwar in der Sache sinnvoll, würden aber zwangsläufig zu höheren Baukosten führen. Daher sei man im Land bereits dabei, die Vorgaben auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen. Kommunen könnten etwas beitragen, indem sie möglichst günstig Bauland anbieten und Baugenehmigungsverfahren beschleunigen.