Stadt Kempen: Mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen

Stadt Kempen : Mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen

Bei dem zentralen Ziel künftiger Stadtplanung sind sich die derzeit im Kempener Stadtrat vertretenen Parteien ziemlich einig: Hauptaugenmerk soll auf die Schaffung von günstigen Mietwohnungen gelegt werden.

Die demografische Entwicklung gibt der Politik in Sachen Stadtplanung in Kempen die Richtung vor. Die Thomasstadt kämpft in den nächsten Jahren um Einwohner. Um die Einwohnerzahl von rund 35 000 in etwa halten zu können, müssen Konzepte her, mit denen die Bürger, die bereits heute in der Stadt leben, hier gehalten werden können. Dabei muss die Politik die Voraussetzungen schaffen, damit vermehrt bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum in Kempen gebaut werden kann. Die derzeitige Einwicklung steigender Grundstückspreise und Wohnungsmieten wird von allen Parteien als sehr kritisch betrachtet.

Für die Kempener Christdemokraten ist es wichtig, die Einwohnerzahl auch deshalb entgegen aller Prognosen konstant zu halten, "um unsere gute Infrastruktur dauerhaft zu sichern. Gleichzeitig sind die Bedürfnisse einer sich verändernden und älter werdenden Gesellschaft zu berücksichtigen", erklärt CDU-Fraktionschef Wilfried Bogedain. Die Union legt wert auf eine kurzfristige Erschließung und Vermarktung der letzten Bauabschnitte im Gebiet "An der Kreuzkapelle" an der St. Töniser Straße. Dort will man neben Einfamilienhäuser auch eine kostengünstigere Reihenhaus- oder Geschossbebauung zulassen. Zeitnah sind zudem in allen Ortsteilen weitere Baugebiete auszuweisen.

"Zentrennah wollen wir bevorzugt bezahlbaren und barrierefreien Mietwohnungsbau schaffen, kurzfristig an der Wiesenstraße, am Heyerdrink und entlang der Bahnlinie", so die CDU weiter. In der Altstadt haben sich Neubau- und Sanierungsmaßnahmen der Struktur der Altstadt unterzuordnen. Der Charakter einer denkmalwerten Altstadt dürfe nicht verloren gehen. Bei der Straßen- und Platzgestaltung solle verstärkt auf Barrierefreiheit geachtet werden.

Beim Blick auf die künftige stadtplanerische Entwicklung Kempens liegen den Sozialdemokraten zwei Aspekte besonders am Herzen: zum einen die Wohnungspolitik und zum anderen der Erhalt der Altstadt. "Wir Sozialdemokraten erwarten, dass Wohnen in Kempen auch nach dem Jahr 2020 noch für den normalen Kempener bezahlbar bleibt. Schon jetzt haben Alleinstehende, junge Familien und Rentner große Schwierigkeiten bezahlbarer Wohnraum in Kempen zu finden. Dies darf sich nicht so weiter entwickeln", erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Gareißen. Hier müsse die Politik gegensteuern und die nötigen Rahmenbedingungen schaffen.

"In diesem Zusammenhang müssen wir darauf achten, dass unsere schöne Altstadt ihr Gesicht nicht weiter verliert. Zu viel der alten Bausubstanz ging in den vergangenen Jahrzehnten schon verloren", unterstreicht Gareißen.

Ähnlich schätzen auch die Grünen die Entwicklung ein. "Das Wohnen in Kempen wird immer teurer. Junge Menschen, Ältere, Familien, Alleinerziehende sowie einkommensschwache Bevölkerungsgruppen finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Von daher müssen alle Möglichkeiten der Wohnraumförderung bei der weiteren Stadtentwicklungsplanung (zum Beispiel Festschreibung von bis zu 20 Prozent geförderten Wohnraum bei städtebaulichen Verträgen) berücksichtigt werden", betont Joachim Straeten, Vorsitzender der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Bei der Aufstellung von neuen Bebauungsplänen sind nach Ansicht der Grünen ökologische Standards und nachhaltige Ziele zu berücksichtigen. Das bezieht sich nicht nur auf die Versorgung mit Energie unter Einbeziehung erneuerbarer Quellen, sondern auch auf die strikte Einhaltung von Niedrigenergiestandards, die Begrünung von Dachflächen und die Regenwasserversickerung auf den Flächen.

Der Erhalt des städtebaulichen und kulturellen Erbes Kempens ist den Grünen zudem ein wichtiges Anliegen. Historische Anlagen und Gebäude (etwa das Zechengelände in Tönisberg oder das Haus Peterstraße 20) dürften unter Beachtung des Denkmalschutzes bei Investitionsvorhaben "nicht einfach über Bord geworfen werden", so Straeten. "Um in Kempen dem Denkmalschutz seine Würde zurückzugeben, plädieren wir dafür, Denkmalangelegenheiten künftig in einem neu zu schaffenden Denkmal- und Kulturausschuss zu behandeln und sie den bautechnischen und investorischen Belangen zu entziehen."

Prioritäten bei der Stadtplanung haben für die Kempener FDP die Finanzierbarkeit, die Betrachtung der Folgekosten und der möglichst geringe und intelligente Verbrauch von wertvollen Flächen.

Die historische Altstadt von Kempen muss auch nach Ansicht der Liberalen erhalten werden. Hier ist der mittelalterliche Charakter zu schützen, gleichzeitig müssen aber Renovierungen und in seltenen Fällen auch Neubauten möglich sein. Außerdem: "Die Innenstadt soll nicht nur schöne Fassaden, sondern auch bezahlbaren Wohnraum bieten. Unterstützung erhoffen wir uns da von der neu gegründeten Initiative ,Denk mal an Kempen'. Wir wollen den Bau- und Denkmalausschuss trennen, damit losgelöst von wirtschaftlichen Interessen der Denkmalschutz von Fachleuten beurteilt werden kann", so die Liberalen. Sie sprechen sich außerdem für ein Gesamtkonzept mit Mehrgenerationenspielanlagen für den East-Cambridgeshire-Park für Kinder, Jugendliche und Senioren aus.

Die Ausweisung weiterer Wohngebiete ist auch nach Meinung der Freien Wähler Kempen erforderlich. Sie müssen für alle Gesellschaftsschichten bezahlbar bleiben. Neubauprojekte in der Altstadt haben sich dem dortigen Flair und den baulichen Gegebenheiten unterzuordnen - und zwar ohne Ausnahme. "Die Ortsteile Hagelkreuz, St. Hubert und Tönisberg bedürfen ebenfalls besonderer Konzentration: Hier muss in den nächsten Jahren ein solider Plan zur Stärkung des Einzelhandels und Attraktivierung der Ortskerne entstehen", fordert Udo Kadagies, Fraktionschef der Freien Wähler. Die Überplanung des Königshütte-Sees als Kempener Naherholungsgebiet sei überfällig. Die Nutzung der Kempener Burg dürfe nicht "im stillen Kämmerlein" ausgemacht werden, hier müssten die Bürger mit ihren Ideen und Bedenken eingebunden werden.

Außerdem: Die Bürger müssten dort, wo sie Jahrzehnte gelebt haben, auch alt werden können. Das bedeutet für die Freien Wähler: In allen Stadtteilen soll der Bau seniorengerechter Wohnungen bis hin zum neuen Altenheim gefördert werden.

(RP)
Mehr von RP ONLINE