Mathematik-Ausstellung in der Kempener Gesamtschule

Mathematik-Ausstellung: Einfach mal in einer Seifenblase stehen

Bis zum 27. Januar ist in der Gesamtschule Kempen die Ausstellung „Mathematik zum Anfassen“ zu sehen. Anhand von 25 Exponaten kann jeder Besucher Mathematik mal anders erleben. Experimentieren, Tüfteln und Spielen ist erwünscht.

Die große Holzplatte, auf der die 16 Bundesländer mit ihren Umrissen und den jeweiligen Hauptstädten, markiert in Form von kleinen, festmontierten roten Holzkegeln, zu sehen sind, versetzt Kunal und Niklas ins Knobeln. Laut dem Aufgabenschild mit dem Titel „Deutschlandtour“, das an der Platte befestigt ist, sollen die Hauptstädte auf dem kürzesten Weg verbunden werden, wobei es in Hessen losgeht. Allerdings ist hier nicht Wiesbaden der Startpunkt, sondern Gießen. An der markierten Stadt befindet sich eine rund vier Meter lange Schnur und die gilt es entsprechend um die roten Kegel der anderen Städte zu führen. Doch so oft die beiden Zehntklässler der Erich Kästner Realschule die Tour auch ändern, die vorgegebene Schnur reicht nicht aus, um alle Städte zu verbinden. „Überlegt euch Verbindungen zwischen einzelnen Städten, messt die Schnur ab, legt neu und schaut, ob es kürzer ist“, rät ihnen Mathe- und Physiklehrer Peter Segbers. Die beiden Schüler, inzwischen unterstützt von Klassenkameradin Isabell, machen sich erneut ans Werk und siehe da, auf einmal geht die Tour auf. „Das war kniffelig, hat aber riesigen Spaß gemacht. Da erlebt man Mathematik mal ganz anders“, meint Kunal, der zusammen mit Niklas das nächste Experiment ansteuert.

Das Bauen von dreidimensionalen Körpern ist ihre neue Station. Insgesamt 25 Stationen sind in der Aula der Kempener Gesamtschule aufgebaut, die zum Experimentieren, Tüfteln und Spielen einladen. Die Ausstellung „Mathematik zum Anfassen“ vom „Mathematikum“ aus Gießen wird erstmals in Kempen gezeigt. „Ich kannte die Ausstellung von meiner früheren Schule und hatte angeregt, sie zur Gesamtschule zu holen, um sie von hier aus nicht nur unseren Schülern, sondern allen Schulen und auch Familien zugänglich zu machen“, sagt Segbers.

Die Ausstellung kann seit Montag für zwei Wochen in Kempen besucht werden. Ohne Eintrittsgeld ist dies allerdings nicht möglich, da die Ausstellung vom „Mathematikum“ nicht kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. In der Aula sind derweil nicht nur die Zehntklässler der Realschule, sondern auch eine fünfte Klasse der Gesamtschule mit den Experimenten beschäftigt. Amelie und Lucy gehen der Frage nach, wo es am schnellsten runtergeht. Flitzen die Kugeln auf der gebogenen oder der steilen Wegstrecke schneller ins Ziel? Die Fünftklässlerinnen bringen die Kugeln in Startposition und erleben, dass die gebogene Strecke die schnellere ist.

Aber es gibt noch ein weiteres Experiment. Die Kugeln sollen auf den beiden gebogenen Strecken an unterschiedlichen Stellen gestartet werden, und man soll raten, welche schneller ins Ziel kommt. Denis setzt auf die Kugel, die die kürzere Strecke vor sich hat. Nico auf die mit dem längeren Weg, denn „sie kriegt ja viel mehr Schwung als die andere“, meint der Fünftklässler. Das Resultat erstaunt: Beide Kugeln laufen zeitgleich ein. Sportlich geht es ein paar Meter weiter zu. Zuza hat auf den Startknopf vor dem PC-Bildschirm mit dem Titel „Ich bin eine Funktion“ gedrückt. Auf dem Bildschirm erscheint eine weiße Kurve in einem Diagramm. Genau diese Kurve gilt es, selbst exakt nachzugehen. Dazu bewegt sich die Fünftklässlerin auf einer roten Matte, entlang einer Linie mit den Zahlen von null bis vier. Ein gelber Punkt auf dem Computer markiert ihren Startpunkt, wobei sich Zuza an der senkrechten Diagrammlinie orientiert. Sie bewegt sich entsprechend zwischen den Zahlen auf der roten Matte und stellt damit ihre Kurve her. Das mathematische Gegenstück im Unterricht wäre das Weg-Zeit-Diagramm, ein Thema in der achten Klasse.

Die Fünftklässler Hannah, Connor und Louis tüfteln derweil am „Penrose Puzzle“, während eine Schülergruppe der Realschule mit „Lights on“ beschäftigt ist. Was einfach aussieht, entpuppt sich als trickreich. Es gilt, sieben Lampen einzuschalten, so dass sie alle gleichzeitig leuchten. Allerdings ändert sich der Zustand der Nachbarlampen rechts und links bei jedem Druck von an auf aus oder umgekehrt.

Eine magische Anziehungskraft übt das große Gestell aus, in dessen Mitte sich eine oder mehrere Personen stellen und mit einer Vorrichtung eine gigantische Seifenblase um sich herum entstehen lassen können. „Die Oberfläche sucht sich immer das geringste Volumen aus, und daher wird die Person im Inneren der Blase regelrecht von ihr eingekesselt, bevor diese durch die selbst ausgelöste Berührung zerplatzt“, erklärt Lehrer Segbers.

Mit Würfeln und einem Computer, der Zahlen in Takte verwandelt, Musik zu komponieren, Codes zu knacken oder so genannte Fermi-Aufgaben zu lösen, das sind weitere Stationen der Ausstellung, die auch den Laien, der nicht so viel von Mathematik versteht, beeindruckt.

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