Marcus Beyer wechselt als Technischer Beigeordneter nach Krefeld - was das für Kempen bedeutet

Marcus Beyer wechselt von Kempen nach Krefeld : Arbeit ohne Baudezernent wird schwierig

Am kommenden Dienstag, 9. Juli, wird der Stadtrat unter anderem die weiteren Schritte für die Sanierung der Kempener Schulen einleiten. Die werden allerdings ohne Technischen Beigeordneten nicht so leicht umzusetzen sein.

Der Wechsel des bisherigen Technischen Beigeordneten Marcus Beyer nach Krefeld stellt die Stadt Kempen bei weiteren Planungsvorhaben und Sanierungsprojekten vor große Schwierigkeiten: Denn ohne den Sachverstand eines Diplom-Ingenieurs oder Architekten in der Spitze der Stadtverwaltung lassen sich diese Pläne nicht so leicht umsetzen. Vor allem die immer wieder hinausgezögerte Sanierung der Schulen (Stichwort „Schulcampus Kempen“) dürfte in den kommenden Monaten kaum vorankommen, wenn nicht alsbald ein Nachfolger für Beyer gefunden wird.

Der Weggang Beyers, der in den bislang 14 Monaten in Kempen bereits mehrfach zu erkennen gegeben hat, dass er der richtige Mann für schwierige Themen ist, reißt eine Lücke, die nicht leicht zu füllen sein wird. Der 45 Jahre alte Diplom-Ingenieur hatte mit seiner ruhigen Art und seinem unverschränkten Blick auf die Problemlagen in seinem Bau- und Planungsdezernat bereits viel bewegt. Anders als sein Amtsvorgänger Stephan Kahl hat Beyer realistische Einschätzungen fürs Machbare abgegeben.

Das wäre nun vor allem in Sachen Schulsanierung unbedingt erforderlich. Bürgermeister Volker Rübo hat den Ausbau der Gesamt­schule und die Modernisierung der beiden Kempener Gymnasien zwar zur Chefsache erklärt. Aber ohne technischen Sachverstand ist Jurist Rübo überfordert. Nicht nur deshalb, aber auch gerade deswegen ist Rübos Aussage, dass Beyers Weggang ein „unglaublicher Verlust“ ist, nur gut nachvollziehbar. Bei den beiden verbleibenden Beigeordneten-Kollegen Michael Klee und Jörg Geulmann – beide ebenfalls keine Ingenieure – wird Rübo nicht auf technisch-fachliche Hilfe hoffen können.

Der Stadtrat wird in seiner nächsten Sitzung am kommenden Dienstag, 9. Juli, auch über die weiteren Schritte zur Modernisierung der weiterführenden Schulen entscheiden. Zunächst muss dringend eine Interimslösung für die ab dem Schuljahr 2020/2021 beginnende Oberstufe der Gesamtschule her. Diese soll längerfristig funktionieren, weil während der Modernisierung der einzelnen Schulgebäude diese jeweils leer gezogen werden müssen. Sie können nicht im laufenden Betrieb umgebaut werden. Möglichst schnell muss Klarheit darüber erzielt werden, inwieweit der Gebäudekomplex der zum Schuljahresende auslaufenden Martin-Schule modernisiert und für die Oberstufe der Gesamtschule nutzbar gemacht werden kann.

Im Herbst soll es Runden der Politik, Schulvertretungen und externen Planungsbüros zur Erarbeitung eines Raumkonzeptes für die weiterführenden Schulen geben. Auch dabei wäre der Sachverstand eines Technikers in der Verwaltungsspitze sehr hilfreich. Marcus Beyer wird an diesem Konzept nur noch bedingt, möglicherweise überhaupt nicht mehr mitwirken können. Bürgermeister und Stadtrat können das Thema aber nicht verschieben, bis ein neuer Technischer Beigeordneter gefunden ist. Inzwischen ist die Erwartungshaltung bei den betroffenen Schulen und bei den Eltern dermaßen hoch, dass der Druck im bevorstehenden Kommunalwahlkampf noch zusätzlich wachsen wird.

Wenig hilfreich ist dabei auch, dass Schuldezernent Michael Klee um eine weitere Amtszeit im Kempener Rathaus bangen muss, weil CDU, FDP und Linke bereits angekündigt haben, ihn im Frühjahr 2020 nicht wiederwählen zu wollen. Schließlich ist auch die Rolle des Bürgermeisters in der Angelegenheit keine einfache. Volker Rübo wird im Herbst 2020 nicht mehr bei der Bürgermeisterwahl antreten. Er muss aber mit der Schulsanierung ein Projekt vorantreiben, dessen Realisierung viele Jahre benötigt und das er nicht selbst begleiten kann.

Ob Kempen schnell einen Nachfolger für Marcus Beyer als Technischen Beigeordneten finden wird, ist fraglich. Der Markt für kommunales Spitzenpersonal mit entsprechender Berufserfahrung ist dünn. Das zeigte sich schon bei der Suche eines Nachfolgers für Stephan Kahl, bei der schließlich Marcus Beyer gefunden und vom Stadtrat gewählt wurde.

Die Stelle des neuen Technischen Beigeordneten soll in jedem Fall schnell ausgeschrieben werden. Bereits am kommenden Dienstag soll in der Kempener Ratssitzung die Stellenausschreibung auf den Weg gebracht werden.

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