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Stadt Kempen: Mal-Talent mit 68 entdeckt

Stadt Kempen : Mal-Talent mit 68 entdeckt

Vor sechs Jahren noch war das Mal-Talent von Marianne Hetges versteckt. Heute zeigt sie gerne, wie sie mit Pastell, Aquarell- und Ölfarben umgehen kann. Das Haus der Kempenerin hängt voller selbst gemalter Bilder.

Eine schöne Schrift hat Marianne Hetges immer gehabt. Schon in der Schule hatten ihr das die Lehrer bescheinigt. Um ihr Maltalent zu entdecken, musste die Kempenerin aber erst das Rentenalter erreichen.

Das war vor sechs Jahren. Die damals 68-Jährige las einen Aufruf von Günther Hoff in der Zeitung. Der langjährige Leiter der Malschule der Senioreninitiative Kempen im Haus Wiesengrund suchte Menschen, die Malen lernen wollten. Marianne Hetges entschloss sich hinzugehen, um eine Abwechslung zu haben. Damals pflegte sie noch ihre inzwischen gestorbene Mutter.

Pastell - das war ihr Material

Vor der Tür zum Haus Wiesengrund traf sie Erika Pautz, die zu Jahresbeginn die Leitung der Malschule von Günther Hoff übernahm. Und die erinnert sich genau: "Eines Tages haben wir Tiere gemalt mit Pastelkreide. Und wir stellten fest: Das war ihr Material." Dann wendet sich Pautz an Marianne Hetges. "Und da hast du gesagt: Ich habe gar nicht gewusst, dass ich überhaupt malen kann."

Die heute 74-Jährige bedauert, dass sie ihr Maltalent nicht schon früher entdeckt hat. Lange Jahre war die Mutter zweier Töchter berufstätig. In einer Rahmenfabrik arbeitete sie als Vergolderin. Heute vergeht keine Urlaubsreise ohne ihre Malsachen. "Stifte und Farben sind immer dabei", sagt sie. Einige Gastgeber im Urlaub hat sie mit selbst gemalten Bildern beschenkt.

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Wieviele Bilder die Kempenerin bislang gemalt hat, kann sie gar nicht sagen. Allein in ihrem Haus hängen 100 von ihr gemalte Bilder, die Ehemann Willi selber rahmt. Und im Flur in der ersten Etage ist an der Wand ein leerer Bilderrahmen befestigt, in den Marianne Hetges immer wieder neue Bilder einsetzt.

Die Motive sind unterschiedlich. Auffällig ist: Die Kempenerin malt gerne Tiere. Eines wurde erst kürzlich fertig. Im Wohnzimmer an der Wand lehnt das Bild einer Katze. Marianne Hetges nimmt es in die Hand. Mit Pastelkreide gemalt sehe das Fell der Katze viel echter aus, sagt sie. Und dann zeigt sie noch das von ihr gemalte Portrait ihrer Schwiegermutter, das sie nach der Vorlage einer Fotografie malte.

Eine große Sorge hat die Kempenerin: "Hoffentlich passiert nichts an meinen Händen." Nicht mehr malen zu können ist ein Szenario, mit dem sie sich am liebsten gar nicht beschäftigt. Stattdessen treibt sie die Frage um, wo sie ihre Bilder aufbewahren oder aufhängen kann. So viele sind es geworden. "Ich male ja mittlerweile lieber schon etwas kleiner", sagt Marianne Hetges. Nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: "Wegen des Platzes", und lacht.

(RP)