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Stadt Kempen: Luthers Texte und ihre Strahlkraft

Stadt Kempen : Luthers Texte und ihre Strahlkraft

Der pensionierte Pfarrer Horst Eckel stellte in der evangelischen Thomaskirche in Kempen den großen Reformator in Gedichten und als Dichter vor.

Zwar ist das Festjahr zum Reformationsjubiläum seit einigen Tagen beendet, aber vor zwei Tagen hätte Martin Luther Geburtstag gehabt. Anlass genug für eine Lesung mit Gedichten zu seinem Werk sowie Texten von Luther selbst am Sonntagabend in der evangelischen Thomaskirche. Der pensionierte Pfarrer Horst Eckel hatte dazu eine interessante Auswahl zusammen gestellt.

Luther habe polarisiert, so Eckel zu Beginn. Dies werde auch immer wieder in der Poesie deutlich. Richtig, durch alle Texte zog sich zum einen die Bewunderung vieler Dichter für Luthers tiefen Glauben in Christus, zum anderen für die Sprachgewandtheit des Reformators, der mit klaren Worten die Inhalte der Bibel auch für das einfache Volk verständlich machen konnte. Dies hob im vergangenen Jahrhundert Wilhelm Horkel hervor genauso wie dies schon Hans Sachs im 16. Jahrhundert getan hatte. Johann Gottfried Herder war das Nationalbewusstsein des Dichters Luther wichtig, während Johann Wolfgang von Goethe mehr die mahnenden Worte schätzte. Gottfried Benn nahm das Luther zugeschriebene Zitat vom Apfelbaum, den er noch pflanzen würde, wenn am nächsten Tage die Welt unterginge zum Anlass sich mit dem Mut des Menschen auch angesichts des Untergangs auseinander zu setzen. Eva Zeller ist es zu verdanken, dass in der Lesung auch bewundernde Worte für Katharina von Bora, der Ehefrau Luthers, zu hören waren.

Aber auch Luther selbst kam zu Wort. Zum Schmunzeln brachten die Zuhörer Redewendungen des Reformators, der ja gerne, wie Eckel zitierte, dem "Volk aufs Maul schaute". Ebenso lockten Fabeln ein Lächeln hervor. In manchen Texten beweist er sich als Liebhaber der Musik. Für ihn ist sie die "Wiederholung des Schöpfungswunders", so Eckel. Er verwies auch auf die wechselvolle Wirkungsgeschichte des Liedes "Ein feste Burg ist unser Gott". Für ihn ein Trostlied bis auf die letzte Strophe, von manchen anderen als Kampflied in Konfessionskriegen missbraucht. Als Letztes trug Eckel einen Text vor, der die Kraft der Musik eindrucksvoll beschreibt. Hervorragend passte zum gesamten Programm die Orgelmusik von Johann Sebastian Bach. Es war sehr schön, dass sich Kantorin Stefanie Hollinger nur für einen Komponisten entschieden hatte. Mit der Fuge h-moll fand der Abend den richtigen Abschluss.

(sr)