Lothar Josten, Leiter der Liebfrauenschule in Mülhausen, geht in Ruhestand

Lothar Josten geht nach 20 Jahren in den Ruhestand : Liebfrauenschule: Eine Ära geht zu Ende

Schulleiter Lothar Josten verabschiedet sich nach 20 Jahren in den Ruhestand. Er findet viele lobende Worte für das Kollegium.

Vor 20 Jahren, im August 1999, trat Lothar Josten seinen Dienst als Leiter der Mülhausener Liebfrauenschule an. Nun hat er bald seinen letzten Schultag, am 10. Juli wird der 66-Jährige feierlich verabschiedet, zum 1. August scheidet er offiziell aus dem Schuldienst aus.
Wie sieht Lothar Josten rückblickend seine Rolle als Schulleiter? „Ich habe diese Verantwortung immer sehr ernst genommen“, sagt Josten. In einer solchen Position sei das persönliche Vorbild wichtig, das präge die Atmosphäre an der Schule. Besonders Eltern und Kinder, die Probleme haben, hätten stets besondere Unterstützung bekommen. Für solche Fälle hat die Liebfrauenschule Beratungslehrer, die eine besondere Ausbildung haben.
Wie ist der Stand der Schule im Juni 2018? „Die Schule ist gut aufgestellt“, sagt Lothar Josten. „Ich würde jetzt gerne zehn Jahre jünger sein. Die Entwicklung wird spannend und positiv.“ Der Noch-Schulleiter hofft, dass die Liebfrauenschule ihr Angebot noch erweitern kann. Als Beispiele nannte er Elternkurse, etwa für die Benutzung von Smartphones.
Wie hat sich die Schule im Laufe der Jahre verändert? Wie in so vielen anderen Bereichen fällt auch hier sofort das Wort Digitalisierung. Als er anfing, erinnert sich Josten, habe es im Sekretariat eine einzige Schreibmaschine mit elektronischer Korrektur gegeben. „Heute finden sich in fast allen Unterrichtsräumen interaktive Medien.“ Durch den schnellen Internetanschluss hat man inzwischen deutlich bessere Möglichkeiten, Tablets in den Unterricht einzubauen.
Wie ist die Schule mit der digitalen Flut zurechtgekommen? Die Digitalisierung kam mit viel Dynamik, erinnert er sich. Viele Kollegen hätten Fortbildungen gemacht und seien schnell ebenfalls digital unterwegs gewesen. Personell sei die Schule gut aufgestellt, viele Lehrer seien jung. „Sie sind mit den neuen Medien aufgewachsen und kommen entsprechend gut damit klar.“ Es sei jedoch nicht selbstverständlich, dass man Tablet & Co. dann auch in den Unterricht einbaue. Gerade das sei aber wichtig. Auf diese Weise könne man die Schüler besser aktivieren und fördern. Ganz wichtig aber sei: „Die neuen Medien können niemals einen Lehrer ersetzen.“
Haben die Kinder und Jugendlichen sich verändert? Auch hier ist sofort das Thema Digitalisierung auf dem Tisch. „Die neuen Medien haben den Alltag und auch das Familienleben vollkommen verändert“, sagt Josten. Wenn er mit künftigen Fünftklässlern Gespräche führe, sei es vollkommen normal, dass die mit einem Smartphone unterwegs sind. Die Liebfrauenschule verfügt über Medienscouts, die in der fünften und sechsten Klasse dabei mitwirken, verlässliche Regeln für die Nutzung von Smartphones in der Schule zu vermitteln. Das Thema setzt sich dann im Informatikunterricht bis zum Abitur fort. Viele Lehrer haben sich fortgebildet und haben nun die Genehmigung, Informatikunterricht zu geben. „Studierte Informatiker finden leider nur selten den Weg in die Schule“, bedauert Josten. Auch in anderer Hinsicht hätten die Jugendlichen sich verändert, etwa beim politischen Engagement. Bestens abzulesen an der momentanen Debatte über den Klimaschutz. „Die Jugenlichen sind politisch wach“, sagt Josten. „Das ist wichtig und wertvoll.“
Wie sieht Lothar Josten rückblickend den Wechsel der Trägerschaft? Als er seine Tätigkeit in Mülhausen begann, war für Lothar Josten schon klar, dass die Schwestern unserer lieben Frau nicht Dauerträger der Liebfrauenschule sein konnten. Klar war aber auch: Mit einer freien Schule kann man kein Geschäft machen. Bistumsschulen bekommen Zuschüsse, die Liebfrauenschule ist jedoch eine Klosterschule. Um so froher ist man, mit der Dernbacher Gruppe Katharina Kasper einen Träger gefunden zu haben, „der im Weltbild zu uns passt“. Er hat das gesamte Gelände übernommen, damit ist der Bestand der Schule gesichert. Es gibt sogar erste vage Überlegungen, den Standort zu stärken, etwa durch den Bau einer Realschule.
Welche Rolle spielen eigentlich die Eltern? „Wir haben engagierte Eltern, die sich um die Erziehung ihrer Kinder kümmern“, betont Josten. Die Liebfrauenschule sei sicherlich keine heile Welt, aber sicher besser aufgestellt als viele andere Schulen. Die Jugendlichen hätten die ganz normalen Probleme beim Erwachsenwerden, die Erwartungen der Umwelt an sie seien hoch. „Die Welt ist plötzlich unübersichtlich. Wir bieten den Heranwachsenden Orientierung und Werteerziehung.“
Hat Lothar Josten sich denn auch einmal richtig geärgert? „Ich versuche immer, positiv zu denken und Lösungen zu finden“, erwidert er. „Ärger ist kein Gefühl, das einen weiterbringt.“ Er sieht den Menschen als positives Wesen, auch wenn es gerade einmal nicht so passt.
Wie sieht er das Verhältnis zu den Kollegen? Da braucht Josten nicht lange zu überlegen. Die rund 80 Lehrer der Liebfrauenschule seien überaus engagiert, sagt ihr Noch-Chef. „Wir sind sehr kollegial aufgestellt. Viele Lehrer übernehmen Zusatzaufgaben und bringen die Bereitschaft mit, sich über Maß des Notwendigen zu engagieren.“ Die erweiterte Schulleitung umfasst bis zu zehn Personen.
Welche Fächer unterrichtet Lothar Josten? Seit einigen Jahren überhaupt keine mehr, weil die Aufgaben eines Schulleiters immer mehr Zeit fordern. Früher unterrichtete er Deutsch, Philosophie und Pädagogik.
Was wird er als besonders schön in Erinnerung behalten? Die Überreichung der Abiturzeugnisse an jeden einzelnen Schüler waren immer ein besonders schönes Erlebnis.

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