Kempen: "Listen Here" sorgt für überraschenden Jazz-Abend

Kempen : "Listen Here" sorgt für überraschenden Jazz-Abend

Beim Konzert der Band im Weberhaus waren Ludger Damm aus Kempen und Tobias Janssen aus Grefrath mit dabei.

Wenn man eine Band zusammenstellt, die in dieser Formation erstmalig auf der Bühne steht und das Probenvolumen sich in überschaubaren Grenzen hält, kann vieles passieren. Man versteht sich nicht richtig, die Abläufe funktionieren schlecht, man kommt vor lauter Organisation nicht so richtig zum Musizieren. Wenn es gut läuft, kann es dazu kommen, dass sich die Musiker positiv inspirieren, dass da musikalische Welten aufeinandertreffen, die sich bereichern - da ist der Jazz natürlich auch eine ideale Plattform. Die Frage, zu welcher das Konzert im Süchtelner Weberhaus gehörte, wo sich "Listen Here" vorstellten, war nach kurzer Zeit beantwortet. Denn obwohl es so etwas wie einen Findungsprozess gab und die Übergänge anfangs hin und wieder ein wenig knirschten, fanden sich sechs Musiker von Stück zu Stück besser zueinander und begeisterten das Publikum. Das lag an mehreren Faktoren. Zum Einen waren exzellente Einzelkönner am Werk und zum Anderen war Auswahl der Stücke stilistisch interessant und vielfältig im Ausdruck.

Für Heiterkeit sorgten schon die Moderationen des Kempener Saxofonisten Ludger Damm, wenn er die Kollegen aus Hinsbeck, Grefrath oder Viersen ankündigte. Er selbst hatte drei schöne Kompositionen beigesteuert, spanische Anmutungen in "93", swingende Erinnerungen an einen portugiesischen Strand in "Castelejo" oder "Spooky People" im zweiten Set. Der Grefrather Tobias Janssen, großartig an der Gitarre, war ebenfalls als Komponist vertreten. "More Than Just Peanuts" ließ auch rockige Momente zu, während in "Klang der Stille" wunderschöne Arpeggien ins musikalische Gesamtgeschehen einflossen. Auch der Hinsbecker Posaunist Hansjörg Fink hatte zwei Stücke mitgebracht, nach dem "Opener Conca Seaside" konnte auch "Zwischentöne" kurz vor Ende überzeugen. Ansonsten gab es Stücke von Tom Harrell, unter anderem "Listen Here", Ellis Marsalis oder Christian McBride. Die Rhythmusgruppe funktionierte sehr gut mit geschmeidigem Bass (Wolfgang Diekmann), immer adäquatem Schlagzeug (Max Kotzmann) und einem fulminanten Pianisten Adrian Wachowiak, der seine Soli in Richtung Modern Jazz zum Teil furios ausleuchtete. Es gab immer wieder reichlich Zwischenapplaus. Ohne Zugabe wurden "Listen Here" am Ende eines positiv überraschenden und sehr abwechslungsreichen Jazz-Abends nicht vom dankbaren Publikum von der Bühne gelassen.

(RP)
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