Lesung im Lise-Meitner-Gymnasium

Lise-Meitner-Gymnasium : Weltenbummlerin liest in Anrath

Fernsehmoderatorin Tamina Kallert las im Lise-Meitner-Gymnasium aus ihrem Buch „Mit kleinem Gepäck“.  Ihr Auftritt war sympathisch, lebhaft und authentisch. Eingeladen hatte die Stadtbücherei Willich.

Wenn Tamina Kallert beim Reisebericht besonders aufgekratzt wirkt, könnte sie gerade zuvor in einem heftigen Disput verwickelt gewesen sein. Das wissen nun die Besucher ihrer ausverkauften Lesung im Lise-Meitner-Gymnasium. Hier stellte die Fernsehmoderatorin ihr Buch „Mit kleinem Gepäck“ vor.

Es erzählt Geschichten vom Reisen, die sich hinter den Kulissen abspielen und so in der Sendung „Wunderschön“ nicht zu sehen sind.  Kallert ist die geborene Erzählerin, und so wandte sie sich zunächst den Besuchern zu – in ihren Worten temperamentvoll übersprudelnd und bereit, auch Persönliches preiszugeben. Ihr gehe es immer auch um die Begegnung mit Menschen, versicherte die Mutter zweier Kinder. Das Bekenntnis wirkte absolut authentisch, zumal sich beim Signieren trotz großer Nachfrage in der Pause und im Anschluss an die Lesung immer wieder kleine Gespräche zwischen Autorin und Buchinteressierten zu entspinnen schienen.

Die Besucher erlebten die Autorin so, wie sie die Journalistin von Fernsehauftritten kennen: ansteckend optimistisch und quirlig. „Sonst bin ich mit viel Tamtam, vielen Kollegen und vielen Koffern unterwegs. Der Titel ´Kleines Gepäck` ist nicht ganz wörtlich zu verstehen. Er steht auch für eine Haltung“, so Kallert. Sie betonte, gerne Anrather Luft geschnappt zu haben und die Nacht am Niederrhein verbringen zu wollen. Auf Anfrage stellte sie erfreut fest, dass beinahe alle Besucher mit der Sendung „Wunderschön“ vertraut sind. Im Plauderton erinnerte Kallert an das in Kalifornien genossene Knoblaucheis mit Schokolade, das scheußlich geschmeckt habe.  Bologna empfahl sie als Stadt, wo immer gut gegessen und getrunken werde. Im kommenden Monat gehe es nach Paris, doch nun sei erst einmal  Anrath an der Reihe. Sie verriet, dass sie für das Buch rückblickend Erlebnisse rekapituliert und gesammelt hatte. Die Lesung eröffnete sie schließlich mit dem „Schlüsselerlebnis“ der ersten „Wunderschön“-Reise, die als Prolog in ihr Buch eingeflossen ist. Die Zuhörer erfuhren, dass die Filmaufnahme für die 20 Sekunden währende Einstellung einer Kutschfahrt am Strand des winterlichen Sylts erst im fünften Durchgang Gnade fand. Zuvor hätten ein Polder sowie ein Lastwagen im Hintergrund gestört und schließlich die Redakteurin einen anderen Blick auf Meer und Düne gewünscht. Inzwischen seien vor Kälte ihre Zehen erstarrt und die Nase rot verfärbt gewesen.

Ebenso las die Weltenbummlerin von der Begegnung mit einer weisen Frau in den Armutsvierteln von Südafrika. Die Szene sei im Film nicht berücksichtigt worden, ihr aber immer noch eindringlich präsent. Die Reisejournalistin verriet, dass sich die Dreharbeiten zur Sendung „Wunderschön“ im Laufe der Jahre weg vom relativ engen Konzept zu mehr Improvisationsspielraum entwickelt haben. Wiederholt betonte die Autorin, dankbar zu sein, die Welt bereisen, Neues zu entdecken und die unterschiedlichsten Menschen kennenlernen zu können.

Sie erzählte aber auch von der Sehnsucht nach ihren Kindern während der Reisen und der großen Unterstützung durch die Familie. Kallert bekannte, einen „Traumjob“ zu haben, der mitunter auch ein Kraftakt sei. Die Autorin machte ihren Zuhörern Mut, sich auf den Weg zu machen und bereit zu sein, über Reisen Perspektivwechsel wahrzunehmen. Mehrfach betonte sie, dass der Blick auf die Welt immer auch geprägt ist von der eigenen Haltung. Als Mantra für den Umgang mit gemeinschaftlich zu tragenden Entscheidungen nannte Kallert die Worte „Loslassen, entspannen, einverstanden sein“.

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