Kunstausstellung am Niersufer zwischen Oedt und Mülhausen

Grefrath: Spezielle Kunsthäppchen an der Niers

Eine Kunstausstellung der besonderen Art bot sich den Besuchern am Niersufer zwischen Oedt und Mülhausen. Dort hatten Kunstsschaffende aus der Region zur ersten Gemeinschaftsschau unter freiem Himmel eingeladen.

Die Einladung zu den „Kunsthäppchen am Niederrhein“ beschreibt ein Kunstevent, das man so in den 1968er-Jahren gern als „Happening“ bezeichnete. Kunstinteressierte sind an das Niersufer zwischen Oedt und Mülhausen eingeladen, man soll Picknick mitbringen, es liegen Decken aus, es gibt Musik zum Thema Kunst. Verbale Interaktionen über die unter Sonnensegeln präsentierten Kunstobjekte sind durchaus erwünscht. Auf Initiative der Gruppe „Vokus Vorst“ beteiligen sich die mit ihr befreundeten Gruppen „Facette“ aus Tönisvorst und die „Bunte Gans“ aus Oedt

Aufgestellt sind 14 verschiedene Stände mit Kunstwerken in unterschiedlichen Techniken, Farben, Formen und Materialien. In den Gesprächen mit den Kunstschaffenden erfährt man viel über die Entstehungsgeschichten der Werke. Die großformatigen Landschaftsbilder von Rolf Effmert verbinden sich harmonisch mit der natürlichen Umgebung. Einer der Stände ist bestückt mit Bildern und Plastiken von Beate Begovic, Mitglied von „Vokus Vorst“, einer Keramik-Designerin, die neben Bildern auch keramische Plastiken ausstellt. Es sind überwiegend Künstlerinnen, die ihre „Kunsthäppchen“ darbieten. Unter den wenigen männlichen Künstlern stellt Manfred Küsters, der Gründer der „Facette“, seine Objekte aus. Seine Werke bestehen aus Bildern, Acryl und Quarzsand. Für die „Niershäppchen“ hat er seine Fotos zur Verfügung gestellt, die Gartenobjekte fokussieren, in denen seine Liebe zum Detail deutlich erkennbar wird.

Auch Karen und Udo Kneer stellten am Niersufer aus. Foto: Alfred Knorr

Beeindruckend sind die großen aus Restmetall gefertigten Plastiken/Stahlkunst von Siegfried Dämkes aus Kempen St. Peter, die in ihrer Monumentalität das Niersufer dominieren, während mehrere Paddelausflügler aus einer anderen Perspektive direkt von der Mitte der Niers das Geschehene auf sich wirken lassen. Tote Fische mit ihren eisernen Gräten, ein monumentaler Metallstuhl vor der pittoresken Kulisse des Oedter Wasserturms. Direkt nebenan imponiert das großformatige Fotoplakat des Oedter Wasserturms, das von Siegfried Füsers künstlerisch/farblich verformt wurde. Auch liebevoll gestaltete Kleinkunstwerke, aus Resten und Holzabfällen, zu Holzkollagen und Betonketten verarbeitet, finden sich zwischen den teils großformatigen Objekten. Man trifft Nachbarn, Freunde und auch Grefraths Bürgermeister Manfred Lommetz, der sich persönlich für diese Ausstellung stark gemacht hat.

Zwischendurch hört man Trommeln, die den Besuchern zwischen den verschiedenen Kunstobjekten noch ein musikalisches „Zusatzhäppchen“ bieten. Auf den ausgebreiteten Decken sitzen einige Familien, die es sich, wie von den Künstlern beabsichtigt, am Niersufer gemütlich gemacht haben.

Beate Begovic zeigte Keramikobjekte und Skulpturen. Foto: Alfred Knorr
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Erika Jörgenshaus aus Kaarst und Ulrike Wiesemann aus Tönisvorst sind die einzigen Künstlerinnen, deren bunte, lebendige Malereien gegenständlich sind. Ihre Bilder wirken aus dem Leben gegriffen, spiegeln die Atmosphäre und Persönlichkeit der dargestellten Figuren mit großer Lebendigkeit sehr fröhlich wider. Es ist Basis und Anliegen ihrer Arbeit, die Verbindung von Mensch und Natur zu erfassen. Das Künstlerehepaar Udo und Karen Kneer, ebenfalls von „Vokus Vorst“, beeindruckt sehr. Er nutzt als gelernter Betonbaumeister seine Kenntnisse über Beton und fasst in dieses Material andere Materialien ein, häufig Holz, erreicht damit, den starren Betonplastiken einen lebendigen Ausdruck zu verleihen. Seine Frau, Karen Kneer, nutzt das Material Resin, das ihren Objekten zunächst den Eindruck von bearbeiteter Keramik vermittelt.

Morena Hommel vertritt mit einigen anderen Künstlerinnen und Künstlern die Gruppe „Bunte Gans“ Oedt. Sie steht vor allen Dingen auch für die Kulturscheune Mülhausen. Es beeindrucken bei ihr die Masken, die etwas Düsteres, Archaisches ausstrahlen. Das sei so gewollt, erklärt Morena Hommel. Bei der Kunst ginge es oft zurück zu unseren archaischen Wurzeln, die tief in das Innere der eigenen Persönlichkeit führten.

Für einige der Künstler und Künstlerinnen war die Beschäftigung mit Kunst oft Hilfe und Unterstützung bei beruflicher Überbeanspruchung, Burn Out und beruflichem Frust. „Was steckt wirklich in mir“ – diese spannende Frage an das eigene Innere stellt Morena Hommel. Sie lädt alle Interessierten, die sich mit ihren inneren Ressourcen beschäftigen möchten, ein, in ihrer Kulturscheune in Mülhausen dieser Frage nachzuspüren. Alle Gruppen sind offen für neue Mitglieder, informieren gern über Ausstellungen und freuen sich über Interessenten, die ihre Kunstwerke in den Ausstellungen würdigen, an den angebotene Kunstseminaren teilnehmen, Malreisen begleiten.

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