Krankenstandsreport der AOK

Kreis Viersen : Psychische Krankheiten nehmen zu

Die AOK legte am Mittwoch ihren Krankenstandsreport für das vergangene Jahr vor. Im Kreis Viersen plagen sich immer mehr Menschen mit depressiven Episoden. Die Krankheitsdauer ist hier meist lang.

Im Vergleich zu 2017 ist der Krankenstand bei den knapp 34.000 AOK-Versicherten im Kreis Viersen leicht gestiegen. Das gaben am Mittwoch Regionaldirektor Heinz Frohn und Gregor Mertens vom Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung, einer hundertprozentigen AOK-Tochter, bekannt. Das gilt für Arbeitnehmer, die bis zu sechs Wochen krankgeschrieben sind, und für Langzeitkranke, die auch darüber hinaus nicht arbeitsfähig sind. Der Krankenstand in der Region ist höher als im übrigen Rheinland. Als Gründe nannte Mertens den höheren Altersdurchschnitt der Bevölkerung und die Tatsache, dass die Arbeitnehmer in Großstädten jünger sind und oft in den Bereichen Dienstleistungen und IT beschäftigt sind.

Über das gesamte Rheinland gesehen, haben sich vor allem in der Pflege, bei den Ver- und Entsorgungsberufen, in der Finanz- und Versicherungsbranche sowie bei Erziehern und Lehrern die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen merklich erhöht. „Depressive Episoden und Belastungsstörungen sorgten im vergangenen Jahr dafür, dass die Fehltage deutlich mehr wurden. Gründe sind neben privaten Ursachen die gestiegenen Ansprüche am Arbeitsplatz. Im digitalisierten Zeitalter mit ständiger Erreichbarkeit entwickeln sich ein erhöhter Druck und eine allgemeine Überbelastung aufgrund von körperlich und psychisch belastenden Tätigkeiten“, sagt Mertens. Regelmäßige Glücksmomente, die bei der Arbeit selbstverständlich sein sollten, werden immer seltener. Stimmen die Arbeitsplatzgestaltung, die Organisation (etwa flexible Arbeitszeiten), die interne Kommunikation und die sozialen Beziehungen nicht, steigert das nicht wirklich die Identifikation mit dem Arbeitgeber. „Das kann in letzter Konsequenz zu inneren Kündigungen führen.“

Der Trend geht aber dahin, dass immer mehr Betriebe im Kreis Viersen die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter für sich entdecken. Mertens betont, dass das vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung immer wichtiger werde. Werde die Belegschaft älter, müsse man besonders auf die Mitarbeiter achten. In Betrieben, die mehr als 50 AOK-Versicherte in ihren Reihen haben, bietet die Gesundheitskasse ihre Unterstützung an. Sie macht beispielsweise detaillierte anonyme Auswertungen. Nähere Auskünfte zu diesem Service gibt es bei Gregor Mertens, Telefon 0221 27180115.

Regionaldirektor Frohn wies darauf hin, welch immense Bedeutung der Bereich Pflege habe, und diese Bedeutung werde noch wachsen. Nicht umsonst sind es Mitarbeiter aus diesem Bereich, die mit am häufigsten krank sind. Die Belastung, physisch und psychisch, sei über Gebühr hoch. Auf der einen Seite mangele es an ausreichenden finanziellen Mitteln, auf der anderen an geeignetem Fachpersonal. Rein sachlich habe in den Heimen ein Umdenken eingesetzt. Wer vor zehn Jahren von Prävention redete, sei unter dem Motto „Die sind doch versorgt“ für verrückt erklärt worden. Heute habe man den Wert gezielter Vorbeugung längst erkannt. Aus finanziellen Gründen jedoch lasse sich vieles nicht verwirklichen, daran müsse die Politik arbeiten.

Bei den Fällen, wegen denen Mitarbeiter nicht arbeitsfähig sind, liegen Erkrankungen der Atemwege wie auch in den Vorjahren ganz vorne. Es folgen die Bereiche Muskel / Skelett und Verdauung. Auf dem vierten Rang findet man die psychischen Erkrankungen. Dass die meist langwierig sind, zeigt ein Blick auf die Falldauer. Die liegt hier bei knapp über 30 Tagen, aus keinem anderen Grund fehlen Arbeitnehmer so lange. Es folgen Arbeitsunfälle (26 Tage) und Herz/Kreislauf- Erkrankungen (20 Tage). Wer mit Erkrankungen der Atemwege ausfällt, tut das auf der anderen Seite in der Regel nur eine gute Woche.

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