Konzert zum 40-jährigen Bestehen der Kempener Orgelkonzerte

Kempen : Mailänder Meisterorganist in Kempen

Lorenzo Ghielmi, Titularorganist an der Ahrend-Orgel der Mailänder Basilika San Simpliciano, gastierte zum Jubiläum der Reihe „Kempener Orgelkonzerte“ in der Propsteikirche. Er spielte Werke von Bach, Brahms und Mendelssohn.

Wenn Ute Gremmel-Geuchen, Organistin und Künstlerische Leiterin der Reihe „Kempener Orgelkonzerte“, bei ihren Konzerten im europäischen Ausland nach ihrer Herkunft gefragt wird, dann hört sie immer wieder: „Aus Kempen? Das ist doch der Ort mit den tollen Orgelkonzerten!“

Die gibt es jetzt seit 40 Jahren – genau so lange wie die vorzügliche Albiez-Orgel. Da war es an der Zeit, mit einem besonderen Konzert einmal den Mann zu würdigen, der diese Reihe ins Leben rief und sie mehr als 30 Jahre organisierte. Der Orgelfan Walter Damm, im Zivilberuf heute Ruheständler und seinerzeit Gymnasiallehrer für Altphilologie und Mathematik am Thomaeum, schrieb zweifellos ein bedeutendes Kapitel Kempener Kulturgeschichte. Er holte nach und nach die Elite der europäischen Orgelgrößen nach Kempen. Zu diesen gehört auch Lorenzo Ghielmi, der Titularorganist an der Ahrend-Orgel der Mailänder Basilika San Simpliciano. Dieser Meister des Orgelspiels, der – man höre und staune - das Gesamtorgelwerk von Johann Sebastian Bach eingespielt hat, kam zum Jubiläumskonzert nach Kempen. Wie gern er gekommen war, konnte man ihm beim abschießenden Umtrunk in der Burse leicht ansehen.

Viele Zuhörer waren gekommen; die Bänke des Mittelschiffs der Propsteikirche waren voll gefüllt. Ghielmi hatte ein abwechslungsreiches Programm konzipiert. Werken von Johann Sebastian Bach stellte er Orgelkompositionen von Brahms und Mendelssohn gegenüber. Beide werden der deutschen Romantik zugerechnet, beide verbindet eine tiefe Liebe zu Bach. Ghielmi ließ in seinem klar strukturierten Spiel beides zur Geltung kommen: einerseits, wie sehr Brahms und Mendelssohn in ihren Orgelwerken im Schaffen Bachs verwurzelt sind, andererseits, wie eigenständig sie ihre eigene Handschrift einbringen. Eindrucksvoll erklangen sowohl vier Choralvorspiele aus Johannes Brahms‘ Opus 122 als auch die sechste Orgelsonate von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Großartig waren auch Ghielmis Bach-Interpretationen. Mit einer fabelhaften Präzision, mit Klarheit, Schwung und frischen Tempi beeindruckte die Wiedergabe von Präludium und Fuge a-moll BWV 543. Den Choral „Vater unser im Himmelreich“ spielte er zweimal, jedes Mal ganz anders. In Mendelssohns Sonate erklang er als Ausgangspunkt für Variationen zunächst wie ein traditioneller Choral, bei Bach dagegen ganz geheimnisvoll, wie aus gänzlich anderen, jenseitigen Gefilden.

Nach einem so eindrucksvollen Konzert wollten die begeisterten Zuhörer ihren Gast aus Mailand nicht ohne Zugabe gehen lassen und hörten zum Abschluss noch einmal Bach mit dem Choral „Komm, Gott Schöpfer, heiliger Geist“.

Als Walter Damm sich aus Altersgründen vor einigen Jahren von der Organisation der Orgelkonzerte zurückzog, war die Zukunft der Reihe für eine kurze Zeit unklar. Schon bald wurde aber eine gute Lösung gefunden. Die beiden Orgel-Reihen der Propstei- und der Paterskirche wurden zur Reihe „Kempener Orgelkonzerte“ zusammengefasst. Organisiert wird sie von Ute Gremmel-Geuchen. So gut, wie die neu konzipierte Reihe sich präsentiert, braucht man sich um ihre Qualität künftig keine Sorgen zu machen.

Davon wird man sich auch beim nächsten Orgelkonzert überzeugen können. Das findet am Donnerstag, 13. Juni, um 20 Uhr in der Kempener Paterskirche statt. Dann kommt mit Jean Baptiste Robin einer der vier renommierten Schloss-Organisten aus Versailles.

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