Konzert in Kempens „Haltestelle“: Joscho Stephan Trio

Konzert in Kempens „Haltestelle“ : Auf den Spuren von Django Reinhardt

Das „Joscho Stephan Trio“ aus Mönchengladbach gastierte in der „Haltestelle“ und bot modernen Gypsy Swing mit einem herausragenden Jazzgitarristen.

Seine Solotechnik ist herausragend, sein Gespür für feine Nuancen ebenso, vor allem aber treibt er seine Kollegen im „Joscho Stephan Trio“ zu einem atemberaubenden Tempo an. Seit seiner Jugend ist der legendäre Gypsy-Gitarrist Django Reinhardt sein Idol, dem er auf seine ganz eigene, sehr kreative Weise nachfolgt: Joscho Stephan, international renommierter Jazzgitarrist aus Mönchengladbach, trat jetzt in der „Haltestelle“ in Kempen mit seinem Trio auf, dem neben dem Sologitarristen dessen Vater Günter Stephan an der Rhythmusgitarre und Stefan Berger am Bass angehören. Ein „Joscho Stephan Trio“ in anderer Besetzung gibt es bereits seit fast zwanzig Jahren, die drei musizieren seit fünf Jahren zusammen, sind längst wunderbar aufeinander eingespielt. So wurde der Jazzabend zu einem Genuss für die erfreulich zahlreichen Jazzfans.

Seit dem sechsten Lebensjahr spielt Joscho Stephan Gitarre, erlernte  das Instrument zuerst bei seinem Vater, später erhielt er Unterricht an der klassischen Gitarre und gewann schon in der Jugend zahlreiche Preise, unter anderem erste Preise im Landeswettbewerb „Jugend musiziert“. Das alles ist lange her, zeigte aber schon damals seine Extraklasse. Er folgt zwar seinem Idol Django Reinhardt nach, bereichert aber die Gypsy-Swing-Musik um moderne eigene Aspekte aus der Klassik, aber auch aus Rock, Country und Latin Jazz.

Joscho Stephan hatte als Musiker vom Niederrhein in Kempen zwar ein Heimspiel, er ist aber seit Jahren auch international sehr gefragt, tritt regelmäßig bei bedeutenden Jazzfestivals im In-und Ausland auf und gibt auch Workshops, um seine Erfahrung weiterzugeben. Mit seiner launigen Moderation überbrückt er nicht nur die notwendigen Pausen nach seinen fingerfertigen Einsätzen, sondern bereitet dem Publikum zusätzlich zu seiner perfekten musikalischen Performance auch damit noch viel Freude. Joscho Stephan komponiert selbst, spielt deshalb gerne auch eigene Stücke wie eingangs das „Createur Immobilier“, später eine Hommage an sein Idol mit der „Ballade pour Django“, „Papillon“ oder der „Linea Blanca“, wofür auch immer die „weiße Linie“ denn steht.

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Daneben kommen Ohrwürmer von Django Reinhardt wie der „Minor Blues“ oder ganz am Ende der legendäre „Minor Swing“ zu Gehör. Mit „Seul Ce Soir“ des Franzosen Paul Durand beweist das Joscho Stephan Trio, dass es auch getragene, bluesige Stücke kann.

Ansonsten aber rast der musikalische D-Zug ungebremst durch die „Haltestelle“: Irrwitzig flinke Finger und eine akkurate Spielweise verbindet Joscho Stephan zu einer modernen Version des Gypsy Swing, wie sie auch heute noch Jung und Alt gleichermaßen gefallen kann. Mit dem Jazzstandard „Sweet Georgia Brown“ ging es in die Pause, absolut rockig und tempogeladen endete dieser Konzertabend mit dem Jimi Hendrix-Hit von William Roberts „Hey Joe“.

Neben dem hervorragenden Gitarrensolisten Joscho Stephan begeisterte Stefan Berger mit seinen Soli am Bass und Vater Günter Stephan hält mit seiner Rhythmusgitarre den kleinen, aber feinen Laden still und bescheiden zusammen, wie es seine Art ist.

Viel Beifall für ein Jazztrio, das auf jeden Fall wieder in die Haltestelle kommen darf.

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