Klaus-Peter Hufer erhält den Thomas-Preis des Lions-Clubs Kempen

Kempen: Für Toleranz und Offenheit

Klaus-Peter Hufer bekam den Thomas-Preis des Kempener Lions-Clubs verliehen. Überreicht hat den Preis Martin Kamp, der den Preis 20111 bekam.

Nach sieben Jahren ist es wieder soweit: Der Wissenschaftler, Buchautor und Referent Professor Klaus-Peter Hufer (69) ist neuer Träger des Thomas-Preises des Lions Club Kempen. Im Rokokosaal überreichte ihm Martin Kamp, amtierender Präsident der Lions, eine Urkunde und den mit der Auszeichnung verbundenen Förderpreis in Höhe von 3000 Euro. Er selbst war es, der 2011 zuletzt den Thomas-Preis für seine Tadschikistanhilfe entgegengenommen hatte. „We serve“ - „wir dienen“ ist der internationale Leitspruch der Lions. „Das sind 1,5 Millionen Menschen weltweit, die versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen“, so umschreibt es Kamp.

Das soll auf die Preisträger des in unregelmäßigen Abständen seit 1994 verliehenen Kempener Preises natürlich in besonderer Weise zutreffen. Hufer gehöre zu denen, die sich selbstlos und ohne persönliche Vorteile für Toleranz und Offenheit in der Gesellschaft einsetzen, betonte Kamp. „Es ist kein politischer, sondern ein gesellschaftlicher Preis“, sagte er. Hufers langjähriger Weggefährte, der ehemalige Viersener Archivar Paul-Günter Schulte, ehrte Hufer als „einen würdigen Preisträger“, der durch sein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen den Namen der Stadt Kempen weithin bekannt gemacht habe. „Die Stammtische werden weniger“, so Schulte, aber was Hufer meine, das sei das „gestanzte Vorurteil“.

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Hufer, ein gebürtiger Hesse, der seit Jahrzehnten in der Kempener Altstadt lebt, arbeitete von 1976 bis 2014 als Fachbereichsleiter bei der Volkhochschule des Kreises Viersen. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit der politischen Erwachsenenbildung. Ein besonderes Anliegen ist ihm die politische Bildung gegen Rechtsextremismus. Über 300 Publikationen stammen aus seiner Feder. Derzeit ist er Dozent an der Fakultät für Bildungswissenschaften an der Universität Duisburg und ein viel gefragter Referent im gesamten deutschsprachigen Raum. Hufer erzählte, er sei, als er von der geplanten Preisverleihung erfuhr, zunächst einmal „schockiert“ gewesen, habe sich dann aber auch „sehr geehrt“ gefühlt.

Seine Rede galt dem Thema „Demokratie braucht Bildung“. Nur 4,4 Prozent aller Menschen weltweit lebten in einer Demokratie, so Hufer: „Wir leben in einer privilegierten Situation.“ Doch Demokratie sei immer gefährdet, sie sei auch „anstrengend“. Man müsse sie aushalten und erlernen. Als eine Grundvoraussetzung dafür sieht Hufer die Bildung ihrer Mitglieder an. Bildung sei nicht mit Erziehung gleichzusetzen, betonte er. „Das Lernziel ist es, Zusammenhänge herzustellen“, so sein Credo. Gerade das werde aber in einer Welt der Informationsüberflutung immer schwieriger. Die virtuelle Welt führe zu einer Verengung der Sichtweisen in intellektuellen Filterblasen: „Wir bekommen das präsentiert, was wir eh schon zu glauben wissen“, so Hufer. „Wir sind in einem Riesenlabyrinth, einer Multioptionsgesellschaft“, so seine Diagnose. Mit dem Ergebnis, dass sachliche Argumente immer mehr an Gewichtung verlieren, man neuerdings schon von einem „postfaktischen Zeitalter“ spreche, in dem zunehmend krude Verschwörungstheorien Fuß fassen könnten. Er selbst hat vor rund 20 Jahren, als er erstmals sein „Argumentationstraining gegen Stammtischparolen“ in Viersen vorstellte, nicht geahnt, welche Aktualität und Brisanz dieses Thema heute erlangen würden. Die Liste seiner Vortragsorte ist ellenlang und gibt einen Eindruck von der Dringlichkeit des Themas. Gesellschaftliche Gruppierungen aller Couleur, in ganz Deutschland, auch in Österreich und der Schweiz, fragen Hufer als Referenten an, der mittlerweile bereits zwei Mitstreiter benötigt. „Man muss dagegen halten“, so seine eindrückliche Mahnung. Den Thomas-Preis, der als Förderpreis ausgelobt ist, gab er dann auch gleich weiter, an seinen „Freund und Seelsorger beim nächtlichen Pizza-Essen“, den Berufsschulpfarrer Roland Kühne, der das Geld für sein Hilfsprojekt in Haiti verwenden wird.

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