Kindergärten im Kreis Viersen

Kindergärten im Ostkreis: Wirbel um beitragsfreies zweites Jahr

Thema Kindergärten: Die Kommunen im Westkreis hätten sich seitens der Landesregierung mehr Klarheit gewünscht. „Kein großer Wurf“ heißt es beispielsweise aus dem Kempener Rathaus.

NRW-Familienminister Joachim Stamp ist sich mit seiner Landesregierung einig: Ab dem Kita-Jahr 2020/21 soll auch das vorletzte Jahr vor der Einschulung beitragsfrei sein; allein dafür will das Land zusätzlich 210 Millionen Euro aufbringen. Außerdem soll durch weitere Zuschüsse die Kinderbetreuung qualitativ und personell verbessert werden. Was halten die Kommunen davon? Die Rheinische Post hat nachgefragt.

    Gewünscht werden mehr Details. Zum Beispiel, ob tatsächlich das Land die durch die zweite beitragsfreie Jahr entstehenden Einnahmeausfälle aufgrund der dadurch entfallenden Elternbeiträge auch tatsächlich in voller Höhe erstattet werden. Für Michael Klee, Dezernent der Stadt Kempen, sei  die Absicht der Landesregierung nicht der „große Wurf“. Klee weist auf die bisher total unterschiedlichsten Beitrags-Staffelungen in den Kommunen hin, hätte sich erst einmal eine Vereinheitlichung dieser Beiträge gewünscht. Auch sei immer noch immer noch nicht der Fachkräftemangel in den Kitas gelöst. So würden einer anerkannten Studie zufolge bundesweit bis zum Jahr 2030 nahezu 200.000 Fachkräfte in Kindergärten und Grundschulen fehlen.

    Klee geht wie die Beigeordnete der Stadt Willich, Brigitte Schwerdtfeger, nicht davon aus, dass durch das zweite beitragsfreie Jahr die Nachfrage nach Kita-Plätzen viel größer werde. Zumal in Kempen, so Klee, bei den älteren Kindern schon jetzt eine Versorgungsquote von fast 100 Prozent erreicht sei. Es könne aber sein, dass dann einige Eltern einen höheren Betreuungsbedarf als bislang anmelden könnten. Das schließt Schwerdtfeger nicht aus.

    Klee als auch die Willicher Beigeorndnete hoffen, dass das Land auch wirklich die Einnahmeausfälle kompensiert. Bislang würden vom Land nur Pauschalen gewährt, die schon jetzt nicht vollständig kostendeckend seien. Schwerdtfeger nennt ein Beispiel: „Die Elternbeiträge sind in diesem Jahr bei uns in Willich mit 2,25 Millionen Euro kalkuliert. Wenn das Land so wie im letzten Jahr nur eine Pauschale erstattet, rechnen wir schon jetzt mit einer Minder-Einnahme von rund 200.000 Euro.“ Klee vermutet ebenfalls, dass das Land wohl nicht die gesamten wegfallenden Elternbeiträge erstatte. Schon beim ersten beitragsfreien Kita-Jahr 2017/18 seien nur 80 bis 90 Prozent der dadurch ausgefallenen Elternbeiträge vom Land überwiesen worden. Das Land zahlt dafür rund 300.000 Euro. Hinzu kamen für die neun städtischen Kitas rund 1,5 Millionen Euro an Elternbeiträgen. Dagegen würden rund 5,9 Millionen Euro an Personalkosten jährlich geleistet, an Sach- und Raumkosten kämen jeweils rund 650.000 Euro dazu.

  • Schwalmtal : OGS-Elternbeiträge werden erhöht
  • Radevormwald : Mehr Geld vom Land für das Jugendamt
  • Viersen : Westkreis-Trio ruft zum Stadtradeln auf

   Für Tönisvorst und für die Gemeinde Grefath, die kein eigenes Jugendamt haben, erledigt der Kreis diese Aufgaben. Der Kommentar von Grefraths Sozialamtsleiter Volkmar Josten: „Es bleibt abzuwarten, ob das Land das auch alles tatsächlich so umsetzt und dies nicht durch andere Kürzungen, so beispielsweise durch geringere Trägeranteile bei den kommunalen Einrichtungen, wieder kompensiert..“ Die gesamten Elternbeiträge, die 2017 in Grefrath vereinnahmt und an den Kreis weitergeleitet wurden, lagen, so Josten, bei 406.000 Euro. Der Leiter des Grefrather Sozialamtes glaubt ebenfalls nicht, dass sich durch eine weitere Beitragsfreiheit das Nachfrageverhalten ändere.

    Lars Schaath, Fachbereichsleiter in Tönisvorst, hofft, dass es durch die beabsichtigte Änderung nicht zu einer finanziellen Mehrbelastung der Kommunen komme. Schaath: „Das zweite beitragsfreie Jahr ist ein guter Ansatz, wenn dann parallel  weitere Nachbesserungen so aus personeller Sicht erfolgen.“  An höheren Nachfragen der Eltern glaubt Schaath ebenfalls nicht, zumal derzeit die Versorgungsquote bei nahezu hundert Prozent läge.

    Für den Kreis Viersen begrüßt Familien-Dezernent Ingo Schabrich die weitergehende Beitragsentlastung der Eltern/-teile ausdrücklich. Die Familienfreundlichkeit bleibe auch für den Kreis ein wichtiges Anliegen. Aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit hat der Dezernent aber so seine Zweifel, ob nicht doch ein Teil der Kosten beim Kreis hängen bleibe. Zu einer eventuellen größeren Nachfrage meint Schabrich: „Diese kann sich nicht vergrößern, da wir im Bereich des Kreisjugendamtes bei den betroffenen dann vierjährigen Kinder ohnehin eine Quote von 100 Prozent haben.“

Mehr von RP ONLINE