Stadt Kempen: Kinderbetreuung: Stadt plant wieder um

Stadt Kempen: Kinderbetreuung: Stadt plant wieder um

Die geplante Einrichtung einer Großtagespflege in der ehemaligen Johannes-Hubertus-Schule in St. Hubert ist vom Tisch. Sie ist zu aufwendig und zu teuer. Nun plant das Kempener Jugendamt eine Pavillon-Lösung.

Der Ausbau der Kinderbetreuung in der Stadt Kempen stellt die Verwaltung auch nach Monaten der Überlegungen und Planungen noch vor große Probleme. Wie der zuständige Beigeordnete Michael Klee auf Anfrage der Rheinischen Post bestätigte, wird es die vom Jugendamt vorgeschlagene Großtagespflege in Räumen der ehemaligen Johannes-Hubertus-Schule am Hohenzollernplatz in St. Hubert nun doch nicht geben. Die Herrichtung der Klassenräume mit Einrichtung von Küchen, Wickel- und Ruheräumen ist aus Sicht der Stadt zu aufwendig und zu teuer.

Jugendamt und Bauverwaltung hatten in den vergangenen Monaten in mehreren Runden zusammengesessen und geprüft, ob die leer stehenden Schulräume für die Kinderbetreuung genutzt werden könnten. Zunächst war geplant, dort einen provisorischen Kindergarten einzurichten. Dort sollten dann angesichts der zum neuen Kindergartenjahr, das am 1. August beginnt, benötigten zusätzlichen Betreuungsplätze auch Kinder aus Kempen einen Platz bekommen. Die betroffenen Eltern fanden diesen Plan überhaupt nicht gut, lehnten ihn mit Hinweis auf die wohnortnahe Kinderbetreuung ab.

Das Jugendamt plante um, wollte statt einer provisorischen Kita ebenfalls nur vorübergehend eine Betreuung für Kinder in einer so genannten Großtagespflege für insgesamt 18 Kinder unter drei Jahren einrichten. Aber auch dieses Vorhaben ist angesichts der Kosten nun vom Tisch. "Wir prüfen derzeit, ob eine Großtagespflege mit zwei Gruppen für jeweils neun Kinder in Pavillons möglich ist", so Dezernent Klee.

Ein Grundstück für solche Pavillons hat die Stadt bereits gefunden. Es ist der provisorische Parkplatz neben der städtischen Kindertagesstätte "Bärenstark" an der Bendenstraße in St. Hubert. Dazu will die Stadt Pavillons anmieten, hat sich bereits an entsprechende Anbieter solcher Fertigbaumodule gewandt, um Angebote einzuholen. Ein Unternehmen, so Klee, habe signalisiert, kurzfristig solche Bauteile liefern und montieren zu können. Noch steht nicht genau fest, wie viele Module benötigt werden und was sie zur Miete kosten. Neben Räumen für die Betreuung der Kinder werden solche für Küche und Sanitäranlagen benötigt. Das Kempener Jugendamt habe sich bei benachbarten Jugendämter und dem Landesjugendamt umgehört. Dort war die provisorische Pavillon-Lösung empfohlen worden.

  • Die Stadt Kempen sucht nach wie
    Kinderbetreuung : Pavillon für Großtagespflege vom Tisch

Die Politik hat diesem neuen Plan zwar noch nicht zugestimmt, aber Dezernent Klee rechnet nicht mit Gegenwind, weil es unter dem Zeitdruck keine andere Lösung gibt. Der zuständige Jugendhilfeausschuss tagt erst am 19. Juni. Bis dahin soll dem Gremium ein entsprechender Beschlussvorschlag vorliegen.

Dezernent Michael Klee ist zuversichtlich, dass die Stadt die Kinderbetreuung in Tagesstätten und bei Tageseltern zum 1. August sicherstellen kann. Der Ausbau in der Kita Spatzennest in Kamperlings läuft ebenso wie das Verfahren zur Nutzungsänderung von Räumen in der Grundschule Tönisberg, die zur Kinderbetreuung genutzt werden sollen.

Gleichwohl ist dem Dezernenten klar, dass es für die Kinderbetreuung eine mittel- bis langfristig ausgelegtes Gesamtkonzept geben muss. Damit soll sich das Jugendamt ab August beschäftigen. Eine Rolle dabei spielt auch das geplante Neubaugebiet im Kempener Westen. "Wir brauchen eine höhere Planungssicherheit, zumal die Quoten in der Betreuung von Kindern unter drei Jahren künftig steigen werden." Derzeit liegt die U-3-Betreuungsquote bei 50 Prozent. Klee rechnet damit, dass sie bald schon bei 60 oder 70 Prozent liegen wird.

Genügend Betreuungsplätze einzurichten, ist für die Stadt Kempen - wie für fast alle Kommunen im Lande auch - nur ein Problem. Schwierig ist es ebenfalls, das notwendige Personal zu finden. Der Arbeitsmarkt der Erzieher und Erzieherinnen ist wie leer gefegt. Alle Kommunen buhlen mit besonderen Angeboten um Fachkräfte. Dezernent Klee hofft, dass Kempen die notwendigen Mitarbeiter findet.

(RP)