Kempens Bürgermeister auf Rundfahrt mit Landwirten

Kempen : Bauern trotz Dürre mit Sommer zufrieden

Die Folgen der monatelangen Trockenheit oder die anstehenden Veränderungen in der Gülle-Verarbeitung – beim jährlichen Besuch des Kempener Bürgermeisters Volker Rübo bei den Landwirten gab es viele Themen.

Es war eine ausführliche Besichtigungsfahrt, die der Kempener Bürgermeister Volker Rübo am Montagnachmittag über die Kempener Platte machte. Im Gespräch mit mehreren Landwirten informierte er sich vor allem darüber, wie sich die Trockenheit der vergangenen Monate für die Landwirte auswirkt. Dabei hatten der Kempener Ortslandwirt Peter Coenen und sein Vertreter Josef Impelmanns eine mit Einschränkungen gute Nachricht: Dank der arbeits- und kostenintensiven Beregnung der Flächen rechnen sie nicht mit deutlich geringeren Ernten bei Kartoffeln und Kohl, allerdings sei der Mais schlechter gewachsen als in den Vorjahren. Für die Landwirte mit Tierhaltung erwartet Coenen trotzdem keine Probleme, weil diese in der Regel einen Futtervorrat für etwa vier Monate haben und somit bis zur nächsten Ernte ausreichend versorgt seien. Kreislandwirt Paul-Christian Küskens rechnet allerdings doch mit Problemen: Es bleibe abzuwarten, welche Nährstoff-Werte der Mais aufzuweisen habe.

Die Beregnung hat zu deutlicher Mehrarbeit (Transport und Wartung der Schläuche und Aggregate von Feld zu Feld) und zu mehr Kosten für die Landwirte geführt. Pro Hektar kostet eine Beregnung mit drei Liter Wasser pro Quadratmeter rund 150 Euro – und die Frequenz der Beregnung war eben deutlich höher: In „normalen“ Jahren wird eine Fläche max. zwei bis drei Mal beregnet, in diesem Jahr waren es schon bis zu sieben Mal, so Coenen. Rübo dankte den Mitbürgern, dass diese unvermeidbare Ungenauigkeiten bei der Einstellung der Beregnung und damit verbundene unerwartete „Duschen“ sowie den Lärm der Diesel-Aggregate klaglos akzeptier hätten. Positiv ist die Situation in den Obstbaum-Plantagen im Kreis: Da die Baum-Kulturen langfristig angelegt sind, sind die technischen Voraussetzungen für eine passgenaue Tröpfchen-Beregnung besser gegeben. Alternativ wurden die Beregnungsanlagen genutzt, die eigentlich im Frühjahr die Blüte vor Frostschäden schützen. Obstbauern wie Frank Mertens (Willich) und Rudolf Steves (St. Tönis) sind mit Zuckergehalt, Größe und Ertragsmenge durchaus zufrieden.

Unterschiede ergaben sich bei der Beantwortung der Frage zur Ausrufung des „Nationalen Notstandes“ durch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Notwendigkeit von Ausgleichszahlungen für Landwirte. Aus Sicht der Kempener Landwirte hielten Coenen umd Impelmanns diese nicht für zwingend notwendig. Küskens sah es differenzierter: Im Kreisgebiet seien nicht alle Landwirte „mit einem blauen Auge“ davon gekommen – bei Möhren und Kartoffeln stimmen in vielen Regionen die Erträge nicht. Kartoffeln und Möhren sind kleiner – das ist schon anerkannt. Die Gemüse-Landwirte rechnen teils mit Ernteausfällen von bis zu 40 Prozent, so etwa Mario Brocker von der Willicher Brocker-Gruppe, die derzeit im Raum Wachtendonk Möhren anbaut und rodet. Für Küskens ist die Ausrufung des Notstandes notwendig, damit diese Landwirte mit den Abnehmern im Lebensmittelhandel besser über Preise und Liefermengen verhandeln können. Außerdem forderte er die Möglichkeit für Landwirte, eine steuerfreie Risiko-Rücklage zu bilden, um solche Krisen besser bewältigen zu können. Auch in der Forschung müsse mehr geschehen – bei der Züchtung der Sorten und bei der Entwicklung effizienterer Beregnungstechniken für eine genaue „Tröpfchen-Beregnung.“ Allerdings, so Coenen ganz klar: „Der natürliche Regen ist durch nichts zu ersetzen.“

Auch das derzeit diskutierte Problem mit der Gülle aus den Niederlanden wurde angesprochen. Grundsätzlich sei Gülle wichtig für die Landwirte, so Coenen – aber Veränderungen seien notwendig: Die deutschen Landwirte müssen ihre Gülle in ein System zur Kontrolle melden und die Landwirte möchten, dass das auch für die Gülle aus den Niederlanden gilt. Er sei „optimistisch“, dass die anstehenden Gespräche diesen Erfolg bringen werden, so Küskens.

Nach der Rundfahrt über die Felder fuhren Kempens Bürgermeister Rübo und die Landwirte noch zur Firma Tendyck, die landwirtschaftliche Maschinen produziert und anbietet.