Stadt Kempen: Kempener Realschüler mit sozialer Ader

Stadt Kempen : Kempener Realschüler mit sozialer Ader

Stolze 5200 Euro kamen beim diesjährigen Sozialen Tag der Kempener Realschule zusammen. In den Genuss des Geldes kamen gestern der Kinderschutzbund, die Kempener Tafel und der Förderverein der Kinderkrebsklinik Düsseldorf.

Alljährlich machen sich alle Achtklässler der Erich Kästner Realschule auf, um für einen Tag das Berufsleben zu erkunden. Der Lohn, den sie dabei für sechs bis acht Stunden bekommen, geht an jeweils drei gemeinnützige Organisationen. Bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes haben die Schüler freie Wahl: Sie können im elterlichen Betrieb arbeiten, im Handwerk, im Einzelhandel oder in der Landwirtschaft. Philip Wobben, Lehrer an der Realschule und einer der Organisatoren des Sozialen Tags, lobte gestern die Schüler für ihr Engagement: "Ihr setzt euch für Kinder ein, denen es nicht so gut geht." Sozialarbeiterin Mira Dugal-Klahre wies die Teilnehmer darauf hin, wie wichtig der gestrige Termin sowohl für sie als auch für die Empfänger der Spenden sei: "Es ist schon ein besonderer Tag, wenn man mitten in der Unterrichtszeit in der Bücherei sitzt."

Seit sechs Jahren gibt es den Sozialen Tag an der Realschule. Schirmherr ist seitdem der Bürgermeister, zunächst Karl Hensel, jetzt Volker Rübo. Für ihn sei es eine großartige Idee, Geld für andere zu verdienen. Es gebe viel Elend auch der Welt, "auch in Deutschland und auch hier bei uns". Er appellierte an die Schüler, die Erfahrungen, die sie beim Sozialen Tag gemacht haben, mit ins Leben zu nehmen, und zitierte Thomas, den Namensgeber und größten Sohn der Stadt: "Lindert die Not der Welt!"

Das haben sich auch die drei Organisationen, die gestern in den Genuss des Geldes kamen, auf ihre Fahnen geschrieben. 1560 Euro des Erlöses gingen an die Kempener Tafel. Verwendet wird es laut dem Vorsitzenden Bruno Wrede für ein Sozialprojekt, das bedürftige Familien unterstützt, und Geburtstagpakete, damit Kinder aus ärmlichen Verhältnissen wenigstens ein bisschen feiern können. 1040 Euro bekommt der Kempener Kinderschutzbund. Als Verwendungszeck nannte Karin Dames unter anderem die Ausbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiter am Kinder- und Jugendtelefon, dessen Existenz weiterhin sehr notwendig sei: "Viele haben keinen Ansprechpartner, mit dem sie reden können." 2600 Euro gehen an den Förderverein der Kinderkrebsklinik Düsseldorf. Bestimmt ist das Geld nach Auskunft von Frank Fleßer für eine Segelfreizeit im kommenden Jahr. Mit von der Partie sind Kinder, die in der Nachbehandlung sind, und Geschwisterkinder.

Die jetzigen Neuntklässler nahmen mit Freude zur Kenntnis, wie effektiv das Geld verwendet wird, für das sie gearbeitet haben. Sie erinnern sich gern an den Sozialen Tag zurück. Tobias beispielsweise hat bei der Baumschule Höfkes gejobbt und dabei die Erfahrung gemacht, wie wichtig die Arbeit im Team ist. Als Landschaftgärtner, das weiß er jetzt, muss man bei jedem Wetter draußen ran. Trotzdem ist er begeistert und erwägt zurzeit, sich für eine Lehrstelle bei Höfkes zu bewerben. Eric hat für einen Tag Arbeit in der Landbäckerei Oomen in Wachtendonk gefunden. Er hat Einblick in verschiedene Bereiche bekommen und unter anderem Pralinen hergestellt. Die Wahl war kein Zufall, denn auch zu Hause backt Eric gern. Er kann sich durchaus vorstellen, das in diesem Schuljahr anstehende Praktikum bei Oomen zu machen. Eine Lehre dort komme indes nicht in Frage: "Die bilden nicht zum Konditor aus." Und genau das ist Erics Berufswunsch.

(RP)
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