Stadt Kempen: Kempener Politik will Zeche besichtigen

Stadt Kempen: Kempener Politik will Zeche besichtigen

Der Denkmalausschuss hat die Stadtverwaltung beauftragt, einen Ortstermin für die Fraktionen zu organisieren. Der Technische Beigeordnete erntete Kritik für seine zögerliche Haltung.

Manche Menschen muss man zum Jagen tragen - so lautet ein altes Sprichwort. Im übertragenen Sinne gilt das auch schon mal für Mitarbeiter einer Stadtverwaltung. Erst auf deutlichen Druck aus allen Fraktionen erklärte sich der Technische Beigeordnete der Stadt Kempen, Stephan Kahl, in der Sitzung des Denkmalausschusses am Montagabend bereit, für die Politiker bei der Ruhrkohle AG (RAG) einen Besichtigungstermin auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage in Tönisberg zu organisieren.

Kahl hatte im Ausschuss, wie zuvor schon im Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz den aktuellen Stand in Sachen mögliche Folgenutzung des früheren Zechenareal auf dem Wartsberg erläutert. Wie bereits mehrfach berichtet, lässt die RAG als Eigentümerin des Geländes derzeit den Markt potenzieller Investoren erkunden. Dazu bietet die RAG Interessenten Besichtigungstermine an, bei denen das Gelände und die Gebäude in Augenschein genommen werden können. Diese Termine finden für mehrere Interessenten gebündelt statt. RAG-Mitarbeiter begleiten die Besucher über das Gelände. Aus Sicherheitsgründen darf dort niemand allein auf Erkundungstour gehen. Am 7. September soll es zum Abschluss der Markterkundung einen Workshop geben, bei dem alle Erkenntnisse und Vorstellungen zur Folgenutzung des Areals erörtert werden sollen. Beteiligt daran sind neben potenziellen Investoren und dem Zechenförderverein sowie dem Naturschutzbund Nabu - sie haben bekanntlich schon Vorstellungen einer naturnahen Nutzung - auch die Kempener Politiker.

Und die wollen vor dem Workshop das Gelände besichtigen. Beigeordneter Kahl erweckte am Montagabend zunächst den Eindruck, für den Besichtigungstermin könnten die Fraktionen ja selbst sorgen. Jeder könne sich direkt an die RAG wenden, meinte der Beigeordnete. Diese Haltung kam bei der Politik gar nicht gut an. Sprecher aller Fraktionen kritisieren Kahl dafür. Die Stadt müsse das für die Politik organisieren, forderte Ausschussvorsitzender Josef Lamozik (CDU). Und die Stadt müsse auch dafür sorgen, dass Förderverein und Nabu Zutritt zum Gelände erhalten, um an ihrer Konzeption arbeiten zu können, forderte CDU-Ratsherr Carsten Höner. Die Stadt sei hier besonders gefordert. Dieser Ansicht schließen sich in Kempen mittlerweile alle politischen Parteien an. Grünen-Fraktionssprecher Joachim Straeten meinte im Ausschuss: "Herrn Kahl fehlt bei diesem Thema offenbar die notwendige Leidenschaft." Auch wenn der so angegriffene Beigeordnete diese Kritik vehement von sich wies und Straeten im persönlichen Gespräch gerne sein Engagement in Sachen Zechengelände erläutern möchte, wird der Vorwurf in internen politischen Zirkeln immer häufiger erhoben. Die Stadtverwaltung sei in der Pflicht. Sie könne den Zechenförderverein und den Nabu bei ihren Bemühungen nicht weiter im Regen stehen lassen, heißt es. Die Diskussion im Denkmalausschuss am Montagabend war insofern ein Beleg für diesen neuen Geist, der auch von der CDU getragen wird.

(RP)