Lichtspielhaus in Kempen Kinobetreiber fürchtet um Existenz

Kempen · Die Zeit des Lockdowns hat Kinobetreiber finanziell hart getroffen. Frank Janssen, Chef der Kempener Lichtspiele, ist froh, nun wieder öffnen zu dürfen. Allerdings sieht er die Durststrecke damit noch nicht überstanden.

Frank Janssen ist froh, dass er sein Kino in Kempen wieder öffnen darf.

Frank Janssen ist froh, dass er sein Kino in Kempen wieder öffnen darf.

Foto: Wolfgang Kaiser (woka)

Am Donnerstag, 16. Juli, öffnen die Kempener Lichtspiele endlich wieder ihre Türen. Nach der Corona-bedingten Schließung können Besucher nun wieder Filme auf großer Leinwand im Kino am Buttermarkt genießen. „Wir sind froh, dass wir wieder aufmachen können“, sagt Kinochef Frank Janssen. Die Zeit des Lockdowns hat Kinobetreiber finanziell hart getroffen.

Nach der dreimonatigen Schließung und einer absehbar schwierigen Anlaufphase der Wiedereröffnungen müssten die bundesweit 1734 Kinos insgesamt 186 Millionen Euro Kosten stemmen, um den Betrieb überhaupt wieder aufnehmen zu können, informiert der Hauptverband Deutscher Filmtheater.

Janssen hat während des Lockdowns improvisiert und das Autokino in Willich organisiert. Das habe Spaß gemacht, berichtet er: „Die Leute haben sich unheimlich gefreut. Wir waren froh, dass wir so ein kleines bisschen Normalität bringen konnten. Dazu hatten wir ein super Wetter.“ Er habe aber auch feststellen müssen, dass er mit dem Angebot auf dem Schützenplatz, auf den maximal 100 Autos passten, nicht viel verdienen konnte.

Einige Hilfen gab es für Kinobesitzer. Anfang Juni brachte die Bundesregierung das Konjunkturprogramm „Neustart Kultur“ mit einem Volumen von einer Milliarde Euro auf den Weg. Ziel der Maßnahmen ist es, das durch die Corona-Pandemie lahmgelegte kulturelle Leben wieder anzukurbeln. Der Filmbereich wird mit 120 Millionen Euro unterstützt. Zugute kommen die Mittel vor allem Kinos.

Im kleinen Rahmen gab es zudem Solidaritätsaktionen, bei denen beispielsweise Besucher aufgerufen wurden, Kinogutscheine zu kaufen. „So was hilft natürlich“, sagt Janssen. Doch diese Unterstützung sei schnell aufgezehrt gewesen, weitere Kosten hätte er aus den Rücklagen decken müssen. Umso wichtiger sei es, dass das Kino-Geschäft nun wieder gut durchstarte. Das Lichtspiele-Team hat die Lockdown-Zeit genutzt, um kleine Renovierungen vorzunehmen und zum Beispiel einige Wände streichen zu lassen. Die Säle sind nun sauber und erstrahlen in neuem Glanz für den Neustart.

Besonders viel verspricht sich Janssen von den Kinderfilmen. Der Trickfilm „Meine Freundin Conni“ sowie die Animationsfilme „Scooby“ und „Paw Patrol“ sollen junges Publikum in die Kinosäle locken. Kinder seien froh, dass sie wieder ins Kino gehen können, habe Janssen festgestellt, der unter anderem sein Comet Cine Center in Mönchengladbach bereits wieder geöffnet hat.

Doch die Abendvorstellungen, das merken zurzeit Kinobetreiber im ganzen Land, laufen noch verhalten. So sei es für die vier Kino-Säle in Kempen zwar nicht sehr schwer gewesen, ein Programm zusammenzustellen. Viele neue publikumswirksame Filme würden allerdings auf dem Markt fehlen, berichtet Janssen. Denn einige Filmstarts wurden um mehrere Monate verschoben; etwa für die deutsche Komödie „Contra“ von Sönke Wortmann mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle, den Disney-Film „Mulan“ und Christopher Nolans Actionthriller „Tenet“.

Die Studios wollen ihre Filme zurückhalten, bis wieder Normalität in den Kinosälen angekommen ist – sie fürchten hohe Einbußen bei den Einspielergebnissen. Janssen geht davon aus, dass einige Filme wie „Mulan“ überhaupt nicht mehr ins Kino kommen, sondern gleich über Streaming-Dienste angeboten werden.

Für die Kinos ist die anhaltende Durststrecke ein großes Problem. Janssen schätzt, dass diese noch bis Oktober anhalten werde. „Wenn da nicht bald etwas passiert, werden 50 Prozent der Kinos Ende des Jahres Geschichte sein“, vermutet der Kinobetreiber. Ein Kulturgut werde so kaputt gemacht.

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