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Kempener Landwirte befürchten Verlust wertvoller Flächen durch Bauprojekte

Flächennutzung in Kempen : Landwirte in Sorge um wertvolle Böden

Kempener Landwirte schlagen Alarm. Wertvolle Ackerflächen gehen durch Bauprojekte verloren. Konkret geht es um das geplante Wohnquartier im Kempener Westen und die große Solarthermie-Anlage am Krefelder Weg.

Wohnen ist wichtig, und erneuerbare Energie zu nutzen, das hat eine hohe Bedeutung. Aber es ist auch notwendig, Lebensmittel zu produzieren und das in ausreichender Menge und Qualität. Kempener Landwirte befürchten derzeit ein Ungleichgewicht bei der Bewertung dieser beiden Aspekte. Sie sind in Sorge, dass aufgrund der aktuellen Planungen in Kempen die Nahrungsmittel, die vor Ort von ihnen für die Bevölkerung angebaut werden, keinen hohen Stellenwert mehr haben.

Anders können es sich Vertreter der hiesigen Bauernschaft nicht erklären, dass der Flächenverbrauch in Kempen immer weiter zunimmt. „Wobei es sich bei diesen Flächen nicht um irgendwelche Grundstücke, sondern um bestes Ackerland handelt“, sagt Landwirt Heinz-Wilhelm Tölkes. Die Ackerflächen rund um Kempen gehören mit zu den besten in ganz Deutschland. „Und auch in Europa sind Flächen dieser Qualität nicht leicht zu finden“, meint Tölkes. Von unschätzbarem Vorteil sei, dass auch in Trockenjahren wie 2018 und 2019 durch eine entsprechende Beregnung der Ackerfflächen Ertragssicherheit gegeben sei. Trotz erschwerter klimatischer Bedingungen sei der Anbau von Obst und Gemüse dort weiterhin möglich. Diese Voraussetzung bringen die wenigsten Böden mit sich. Tölkes: „Die Böden der Kempener Platte haben eine hervorragende Zusammensetzung. Sie sind steinfrei, wasserdurchlässig und schnelltragfähig. Sie sind gut für den Kartoffelanbau und haben genau die richtige Struktur, um darauf Gemüse aller Art und Erdbeeren anbauen zu können.“

Einen Solarpark betreibt der Energieversorger ENNI im Mühlenfeld in Neukirchen-Vluyn. Auch damit soll die Energiewende vorangebracht werden. Foto: Norbert Prümen

Nicht nur Ackerland, sondern auch Wasser wird in den kommenden Jahren einen hohen Stellenwert bekommen. „Sollten wir uns nicht heute schon einmal fragen, ob wir nicht Vorreiter in Sachen vernünftiger Umgang mit Ackerflächen sein wollen? Unsere Kinder und Enkelkinder werden es uns danken“, sagt Landwirt Stefan Küppers. Er weist darauf hin, dass die Kempener Landwirte vielfach auf gepachteten Flächen arbeiten. Wenn deren Besitzer ihr Land verkaufen, haben sie keine Chance für weiteren Anbau.

Die Corona-Krise führt allen im Moment zusätzlich vor Augen, wie wichtig die regionale Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist. Durch immer mehr Verlust von Ackerflächen werde dies aber immer schwieriger, so die Kempener Bauern. In der Vergangenheit konnte der Flächenrückgang über höhere Erträge auf den verbleibenden Äckern ausgeglichen werden. „Doch diese Spirale kann nicht unendlich nach oben geschraubt werden, zumal neue Gesetzgebungen dem einen Riegel vorschieben wollen“, so Tölkes. Für die Zukunft sei zu erwarten, dass durch den Wegfall vieler ertragssteigernder Produktionsmittel dieser Ausgleich nicht mehr möglich sein werde. So werde die erzeugte Menge durch den Flächenentzug sinken.

Was weniger produzierte Lebensmittel bedeuten, das liegt auf der Hand. Das, was vorhanden ist, wird entsprechend mehr kosten, weil es nicht mehr in ausreichenden Mengen vorliegt. Ein fataler Schritt. Dazu kommt: Der Einsatz einiger ertragssteigernder Produktionsmittel wird den Landwirten vorgeworfen und ihnen als unökologisch angekreidet.

Die Kempener Landwirte, mit denen die Redaktion sprach, betonen in diesem Zusammenhang, dass sie nicht gegen das Wachstum der Stadt Kempen sind. Sie sprechen sich auch auf der ganzen Linie für erneuerbare Energien aus. Ihr Wunsch dabei: Alternativen zu dem aktuellen Flächenverbrauch von bestem Ackerland zu suchen. Innerstädtische Baulücken sollten zunächst erschlossen werden. Es sollte geprüft werden, wo durch den Abriss von Altbauten mehr und der Zeit angepasster Wohnraum entstehen kann, anstatt das Kempener Stadtgebiet immer mehr nach außen auf bestes Ackerland auszudehnen.

Immerhin sind es bislang 30 Hek­tar, die für das Neubaugebiet im Kempener Westen vorgesehen sind, Tendenz steigend. Bei der am Krefelder Weg – zwischen Kempener Außenring und Gut Heimendahl – von den Kempener Stadtwerken geplanten 13 Hektar großen Solarthermie-Anlage fragen sich die Landwirte, warum nicht für diese sinnvolle Nutzung von Sonnenenergie die Dachflächen in den Kempener Gewerbegebieten genutzt werden.

„Es gibt dort Firmen, die haben Dachflächen von mehreren Hektar Größe. Und was ist mit dem Lärmschutzwall rund um Kempen?“, fragt Landwirt Stefan Küppers. Er verweist auf die Stadt Crailsheim in Baden-Württemberg, die Lärmschutzwälle für Solarthermie-Anlagen genutzt hat. Andernorts würden ehemalige Auskiesungsflächen mit solchen Anlagen bestückt. Alternativen, die in Kempen auch gegeben wären, aber nicht in Betracht gezogen würden. Die Landwirte haben das Gefühl, dass sie mit ihrer Arbeit auf Dauer den Kürzeren ziehen werden.

Die Bauernschaft spricht von einer maßlosen Verschwendung von bestem Ackerland. „Wir sollten nicht vergessen, was die Landwirtschaft in Kempen für die Bevölkerung tut. Sie stellt eine regionale Nahrungsmittelversorgung sicher“, betont Johannes Dörkes, Vorsitzender der Kempener Ortsbauernschaft.

Kommentar: Es ist noch nichts entschieden