Kempener Grüne diskutierten mit Interessierten über Nachhaltigkeit

Grüne hatten zur Diskussion eingeladen : Nachhaltigkeit: Den Konsens mit den Bürgern suchen

Die Kempener Grünen diskutierten mit Interessierten in ihrer Geschäftsstelle. Praktische Tipps kamen aus Willich, das bereits auf dem Weg ist.

Wie kann man Kempen nachhaltig gestalten? Zu diesem Thema hatte die Fraktion Bündnis 90/ Grüne in die Räume ihrer Geschäftsstelle eingeladen. Rund 30 sehr interessierte Besucher waren gekommen. Fraktionsvorsitzender Achim Straeten hoffte, dass trotz gegenteiliger Ratsbeschlüsse das Thema mehr in das Bewusstsein von Bürgern, Politik und Verwaltung rücken wird. Auch die Moderatoren, Ratsfrau Ute Straeten und Christoph Dellmans, betonten in ihrer Begrüßung die Wichtigkeit des Themas für die gesamte Stadt.

Zunächst berichtete Carlo Schick vom Netzwerk Nachhaltigkeit NRW (LAG 21) über bereits bestehende Projekte in verschiedenen Kommunen. Das Netzwerk wird vom Land sowie vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. 30 Kommunen beteiligen sich im Moment daran. Es geht um nachhaltige Entwicklung vor Ort und Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele. Die LAG 21 begleitet Kommunen mit Einzelberatungen, Workshops und Vernetzungsveranstaltungen. Ziel ist es, die Umsetzung bis zur von den Vereinten Nationen vorgegebenen Agenda bis 2030 zu erreichen.

Dabei geht es um viele Bereiche des Lebens. Sowohl um soziale Themen als auch um Wirtschaft, Umwelt- oder Arbeitsbedingungen. Da es um so viele unterschiedliche Bereiche geht, versucht die LAG 21 die Kommunen dabei zu unterstützen, möglichst viele Kooperationspartner an einen Tisch zu bringen. Dazu gehört zunächst ein Duo, das sich Gedanken um den Aufbau einer Struktur macht. Dann geht es mit einem größeren Kreis von fünf bis acht Personen aus der Ortsverwaltung an die Bestandsaufnahme der aktuellen Situation. Danach wird gemeinsam eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet. Dies geschieht dann schon in einem größeren Kreis von 15 bis 25 Personen. Bei allen Planungen ist es wichtig, die Bürger für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Sina Kingen von den Grünen aus Willich zeigte diesen Weg an der Entwicklung in ihrer Stadt auf. Die Studentin der Wirtschaftspsychologie erläuterte, wie sich Willich gemeinsam auf den Prozess vorbereitete. Ganz wichtig war, so bestätigte sie Schick, dass von vornherein der Konsens gesucht wurde. Fraktionen und Wirtschaft sowie Vereine aus dem Ort haben von Anfang an gemeinsam Strategien entwickelt. Unterstützt wurden sie dabei vom eigens von der Stadt dafür eingestellten Klimamanager. Bewusst hat man sich in Willich zunächst auf einzelne Punkte konzentriert. So gibt es ein Klimaschutzkonzept für die Stadt. Willich ist eine „Fair-Trade-Town”, das heißt, bei der Ausschreibung von Dienstleistungen wird auf fairen Handel geachtet. In der Stadt wird regelmäßig ein Umweltpreis ausgelobt und damit ein Anreiz geschaffen, sich einzusetzen. Die Eva-Lorenz-Umweltstation bietet vor allem Kindertagesstätten und Schulen vielerlei Informationen rund um den Klimaschutz. Es gibt Förderprogramme für nachhaltiges Bauen. Auch hat man sich mit der schlechten Anbindung durch Nahverkehr beschäftigt. Insgesamt waren es in Willich 15 Maßnahmen, die auf der Prioritätenliste landeten.

Es gab viele Nachfragen aus dem Publikum zu den Vorträgen. Ute Straeten und Christoph Dellmans freuten sich darüber. So wurde der Abend mit einer sehr guten Diskussion beendet. Bedauert wurde, dass die weitere Förderung ähnlicher Projekte zur Zeit noch nicht sicher ist. Denn das Programm laufe demnächst aus, so Schick. So könnte Kempen zwar die Beratung durch die LAG 21 noch für Einzelprojekte nutzen, aber nicht über einen längeren Zeitraum begleitet werden.

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