Kempener Drehorgelfest: Abschluss in Propsteikirche

Kempener Drehorgelfest : Drehorgeln in der Kirche: Publikum restlos begeistert

Einen animierenden Abschluss des Kempener Drehorgelfestes gab es in der Propsteikirche mit einem Dialog von Dreh- und Kirchenorgel.

Das Drehorgelfest, das am vergangenen Samstag bei Sonnenschein  in der Kempener Altstadt stattfand, hatte seinen festlichen Abschluss in der bestens besuchten Propsteikirche. Kantor Christian Gössel hatte sich hier über das Kirchenverbot für Drehorgeln hinweggesetzt und gleich 20 teils wunderschöne Instrumente samt ihrer oft bunt und fantasievoll gekleideten Spieler beiderlei Geschlechts ins Gotteshaus eingeladen. Da gab es zunächst eine Menge zu entdecken – am schönsten war wohl die Drehorgel in der Form eines sich beim Spielen drehenden Kinderkarussells. Dabei bewegten sich die Pferdchen und deren kleine Reiter auf und ab, die Glühbirnchen  wechselten ständig die Farbe. Auf dem Instrument prangte ein emailliertes Schild: „Josef, begnadeter Drehorgelspieler“.

„Wir kommen alle in den Himmel“ stimmte das erste der „verbotenen“ Instrumente an, und Christian Gössel, der sich auch hier als  großartiger Improvisator erwies, antwortete nach jeder der zahlreichen Wiederholungen des Karnevalsschlagers mit fantasievollen Improvisationen auf der großen Emporenorgel. Erstaunlich, dass die Stimmung zwischen Dreh- und Pfeifenorgel sich meist reibungsfrei ergänzte.

„Highland Cathedral“, Bach-Gounods „Ave Maria“(leider harmonisch ziemlich verzerrt), „Zirkus Renz“, „Loreley“ und die unvermeidliche „Berliner Luft”, die das Publikum bereits zum Klatschen animierte – von unterschiedlichen Dreh-Instrumenten, manchmal sogar mit integriertem Schlagwerk vorgetragen –, inspirierte Gössel zu  Improvisationen im französischen Stil (nicht ohne humoristische Anklänge), wobei die reiche Farbpalette der Albiez-Orgel ihm sehr entgegenkam.

Zum Schluss, so hatte es der Kantor versprochen, würden „so viele Pfeifen gleichzeitig, wie wohl bisher noch nie“ in der Kirche erklingen. Tatsächlich spielten alle versammelten Instrumente zur gleichen Zeit, was zu einem ohrenbetäubenden Klangwirrwarr führte, der das Publikum sehr amüsierte.

Die Zuhörer waren restlos  begeistert von dieser völlig andersartigen Präsentation und freuten sich, dass nach dem Konzert eine ganze Reihe der Drehorgelspieler – nun wieder einzeln – bereitwillig Zugaben spielten.

Wer sich für die Technik der seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts bei Straßenmusikanten und Gauklern beliebten Instrumente interessierte, hatte die Möglichkeit, in der „Burse“ (gegenüber der Kirche) Näheres über die durchaus hörenswerten Drehorgeln zu erfahren.