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Kempen, Willich, Tönisvorst, Grefrath: Einzelhandel öffnet nach Corona

Reaktionen des Einzelhandels : Der Einzelhandel ist erleichtert, dass es am Montag weitergeht

Die wirtschaftlichen Folgen der Zwangspause sind erst in einigen Wochen greifbar. Im Eisstadion fallen Großveranstaltungen aus.

Der Kempener Werbering ist sehr erleichtert, dass ab Montag alle Händler in der Kempener Innenstadt wieder ihre Geschäfte können. Wirklich alle: Kein Ladenlokal ist größer als 800 Quadratmeter. Auch das neue Textilgeschäft Kaenders an der Ecke Judenstraße/Kirchplatz kann wie geplant den Betrieb aufnehmen, wenn auch ohne offizielle Eröffnungsfeier. Rainer Hamm, Geschäftsführer des Werberings, hält die Entscheidung vom Mittwoch für eine gute Lösung. Jetzt müssten die Geschäfte sich darauf vorbereiten, die Auflagen zu beachten. Abstandsmarkierungen müssen her, es darf nur eine bestimmte Zahl von Kunden ins Geschäft.

Während der Schließungsphase seien die Geschäftsinhaber sehr kreativ gewesen. Viele haben einen Lieferservice angeboten und ihre Schaufenster öfter umdekoriert, um Neuerungen zu zeigen. Es seien auch neue Webshops entstanden, da wurden Berührungsängste und Hemmschwellen abgebaut. Es sei eine Art Weckruf in Sachen Digitalisierung gewesen, sagt Hamm. Welche Konsequenzen die Zwangspause hat, ist noch nicht abzusehen. Hamm hat die Sorge, dass einige Geschäfte dadurch wirtschaftlich überfordert seien. Pleiten wollte er nicht ausschließen. Trotzdem seien alle froh, dass es weitergeht: „Die Nerven lagen blank, viele hatten keine Luft mehr.“

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Melanie Barth-Langenecker, Vorsitzende von „St. Tönis erleben“, ist ebenso erleichter über die Entscheidung. Manche Geschäfte hätten ihr gegenüber aber bereits Sonderöffnungszeiten angekündigt, weil es Probleme mit der Kinderbetreuung gebe. Die Kindergärten bleiben weiter geschlossen, das führe mancherorts bei Inhabern und Personal zu Engpässen. Die erzwungene Pause habe bei manchen Geschäftsleuten zu existenziellen Krisen geführt, die genauen Folgen seien erst in einigen Wochen greifbar.

Auch in Willich werden am Montag wohl fast alle Geschäfte wieder öffnen können, denn die meisten Ladenlokale seien kleiner als 800 Quadratmeter, sagt Gregor Nachtwey, Technischer Beigeordneter und Leiter des Corona-Krisenstabs. Bei größeren Geschäften könne es sein, dass einzelne Funktionsbereiche abterennt werden, so dass auch diese öffnen können. So positiv das sei, so sehr müsse man allerdings auch aufpassen, den Bürgern durch die Ladenöffnungen nicht allzu viel „Normalität“ vorzugaukeln. Die Einhaltung von Hygienestandards sei nach wie vor immens wichtig.

Nachtwey rechnet in den kommenden Tagen mit zahlreichen Nachfragen der Einzelhändler bei der Stadt, die wissen wollen, welche Maßnahmen sie ergreifen müssen. Welche das genau seien, sei allerdings immer vom Einzelfall, von der Branche und den baulichen Gegebenheiten abhängig, sagt Nachtwey. Muss die Zahl der Kunden im Ladenlokal begrenzt werden? Werden Masken verteilt? Soll ein Spuckschutz auf der Ladentheke installiert werden? Sind Abstandsmarkierungen auf dem Boden sinnvoll? Möglichkeiten gibt es viele, die Verunsicherung der Einzelhändler ist wegen der täglich neuen Informationen und Bestimmungen groß. Die hohen Bußgelder zeigten Wirkung, sagt Nachtwey, viele Geschäftsinhaber wollten sich daher lieber vorher bei der Stadt absichern. Dabei setze man in Willich verstärkt auf Aufklärung und auf Ansprache statt auf zu schnelle Bedstrafung. „Das klappt auch ganz gut, auch wenn es in Willich natürlich auch Ordnungswidrigkeitenverfahren gibt. Unbelehrbare gibt es schließlich überall.“

Um zu überprüfen, ob die Bürger sich an die Kontaktbeschränkungen und die Einzelhändler sich an die Hygieneauflagen halten, hat der Kommunale Ordungsdienst der Stadt Willich die Zahl seiner Mitarbeiter in der Corona-Krise laut Nachtwey um 20 Personen aufgestockt. „Wir haben keinen unserer städtischen Mitarbeiter dazu zwangsverpflichtet, sondern setzen auf Freiwilligkeit. Zudem gab es intensive Schulungen, nach denen die Mitarbeiter auch zu dem Schluss hätten kommen dürfen, dass die Arbeit im Ordungsdienst doch nichts für sie ist.“ Insgesamt sei die Aufstockung des Ordnunsdienstes aber sehr gut angelaufen.

Negative Begleiterscheinungen hat die Entscheidung für den EisSport & EventPark in Grefrath. In der eisfreien Saison hat bisher keine Veranstaltung stattgefunden, dabei bleibt es: Weder die American Car- & Bikeshow noch das Konzert von Brings, beides für den August vorgesehen, gehen wohl über die Bühne, da es sich um Großveranstaltungen handelt. Man suche, so Geschäftsführer Bernd Schoenmackers, nach kurzfristigen Ausweichterminen. Besonders schmerze ihn, dass der Bundesköniginnentag Ende Mai nicht stattfinden könne: „Das ist eine einmalige Sache, die kann man nicht nachholen.“