Das Positive vorweg: Mehr als 100 Interessierte waren am Samstagabend zu einer Diskussionsveranstaltung mit Kommunalpolitikern in die Kempener Paterskirche gekommen. Es war ein harmonischer Abend ohne verbalen Schlagabtausch zwischen den Parteien. Wer sich für die Kommunalwahl am 14. September aus erster Hand über Kandidaten und Parteiprogramme für die kommenden fünf Jahre informieren wollte, dürfte angesichts der Aussagen der sechs Kommunalpolitiker eher enttäuscht gewesen sein. Es gab keine klaren Perspektiven, die Politiker blieben bei ihren Leitlinien, die sie in der nun endenden Wahlperiode hinlänglich in Ratssitzungen oder Fachausschüssen erklärt hatten.
Sechs Parteienvertreter waren der Einladung von Kunstverein Kempen, Evangelischer Kirchengemeinde Kempen, Kinderschutzbund Kempen und Stadtsportverband Kempen gefolgt. SPD und AfD hatten abgesagt. Die Sozialdemokraten hatten ihr Fernbleiben damit begründet, dass die Einladung mit 14 Tagen Vorlaufzeit als Vorbereitungszeit für sie nicht ausreichend gewesen sei. In der Tat war das Themenspektrum für den Diskussionsabend üppig bemessen. Fünf Themenblöcke, zu denen die Politiker vorab rund 30 Fragen vom Veranstalter gestellt bekommen hatten, sollten abgehandelt werden.
Die beiden Moderatoren Oliver Heuken (Vorstand des Kunstvereins Kempen) und Astrid Siemes-Knoblich (ehemalige Bürgermeisterin aus dem Badischen, die seit einigen Jahren in Kempen lebt) hatten Mühe, ihr selbst gestecktes Ziel zu erreichen, innerhalb von zweieinhalb Stunden alle Themen abzuarbeiten. Beginn des Abends war um 19.30 Uhr, gegen 22 Uhr wurde eine Pause eingelegt. Bis dahin waren schon etliche Zuhörinnen und Zuhörer gegangen.
Und die Politiker auf dem Podium? Willi Stenhorst (CDU), Joachim Straeten (Bündnis 90/Die Grünen), Maximilian Wolters (FDP), Arbi Davood Megerdich (Freie Wähler Kempen), Günter Solecki (ÖDP-BIKK) und Thorsten Dürholt (Die Linke) gaben sich alle Mühe, ihre Parteipositionen zu erläutern. Klare Unterschiede in den Positionen waren kaum erkennbar. Häufig ähnelten sie sich, wenn es beispielsweise um die Situation des Einzelhandels, den Ausbau der Kita- und OGS-Betreuung oder der Schulen sowie die Konsolidierung des in Schieflage geratenen städtischen Haushalts in der Stadt Kempen ging. Auch beim Thema Bahnverkehr erfuhren Interessierte nichts Neues: Kempen hat wenig Einfluss auf Verbesserungen beim Niers-Express (RE 10).
Was bleibt von diesem Abend? Wer sich bislang wenig für die Kommunalpolitik in Kempen interessiert hat, dürfte kaum schlauer geworden sein, was einzelne Parteien für die kommenden fünf Jahre umsetzen wollen. Zu ähnlich blieben die Positionen, zu wenig kontrovers wurde diskutiert. Da sollte man sich besser noch einmal die Wahlprogramme der einzelnen Parteien genauer ansehen.
Den Veranstaltern sei gesagt: Weniger ist manchmal mehr. Diese Binsenweisheit trifft auch auf den Abend in der Kempener Paterskirche zu: Die Veranstaltung war thematisch überfrachtet. Vieles konnte nur angerissen werden und blieb deshalb an der Oberfläche. Und dennoch: Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit gegeben zu haben, sich über Positionen von Parteien bei einer solchen Gesprächsrunde informieren zu können, ist aller Ehren wert.