Die letzten Tage im Leben Jesu Ostergarten öffnet in Kempen

Kempen · In der Kempener Propsteikirche öffnet am Sonntag, 25. Februar, der Ostergarten. Bis Ostermontag können Besucherinnen und Besucher dort den letzten Tagen im Leben Jesu nachspüren und in den Spiegel schauen: Was bedeuten Jubel und Verrat, Tod und Auferstehung für mich?

 Harald Hüller (l.) und Andreas Bodenbenner haben sich um die Organisation des Projekts Ostergarten gekümmert. An der Umsetzung waren viele Freiwillige beteiligt.

Harald Hüller (l.) und Andreas Bodenbenner haben sich um die Organisation des Projekts Ostergarten gekümmert. An der Umsetzung waren viele Freiwillige beteiligt.

Foto: Norbert Prümen

Seit Tagen wird in der Propsteikirche in Kempen gewerkelt. Große Holzgestelle und Traversen wurden miteinander verbunden und mit Tüchern behängt, so dass im Kirchenraum viele kleinere Räume entstanden sind. Aufwendig gestalteten Gruppen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenenen die einzelnen Stationen, die zunächst von den letzten Tagen im Leben Jesu erzählen.

Da ist eingangs eine große Pappmaché-Figur: Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Palmwedel zu beiden Seiten erinnern an den Jubel, der Jesus entgegenschallte. Denn auf ihn setzten viele Menschen ihre Hoffnung. Doch der Ostergarten will nicht nur die Geschichte erzählen, die sich vor 2000 Jahren zugetragen hat. „Die ist bekannt, die kann jeder nachlesen“, sagt Andreas Bodenbenner: „Unser Anspruch ist es, die Geschichte in einen Bezug zu unserem Leben heute zu setzen.“

Der Gemeindereferent der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Kempen-Tönisvorst, hat das Projekt Ostergarten erneut umgesetzt, gemeinsam mit Harald Hüller, Pastoralreferent in der Pfarrei St. Cornelius und Peter in Viersen-Dülken, wie auch vielen Engagierten. Die ersten drei Ostergärten wurden in der Kirche St. Notburga in Viersen-Rahser aufgebaut. Der Zuspruch war groß, viele Besucherinnen und Besucher kamen auch aus anderen Städten. Und so beschlossen Bodenbenner und Hüller, den Ostergarten in diesem Jahr in einer anderen Stadt anzulegen – weil Bodenbenner aus Kempen kommt, eben in Kempen.

Wie schon in St. Notburga packten auch in der Propsteikirche viele Helfer mit an. Über Monate, seit dem Start des Projekts im vergangenen Jahr, machten sie sich Gedanken zu den einzelnen Stationen. Kindergartenkinder malten Bilder, um zu zeigen, was ihnen weh tut, was sie traurig macht – die Erzieherinnen notierten dazu eine Beschreibung, die ihnen die Kinder diktierten. „Ich bin traurig, wenn mich meine Freunde nicht mitspielen lassen“, heißt es etwa auf einem Bild. Aber auch: „Ich bin traurig, wenn sich meine Eltern streiten. Ich bin traurig, wenn mich mein kleiner Bruder haut.“ Die Bilder der Kinder sind an der Station zur Kreuzigung zu sehen.

 Auch das letzte Abendmahl, das Jesus gemeinsam mit seinen Jüngern feiert, ist Teil der Szenerie.

Auch das letzte Abendmahl, das Jesus gemeinsam mit seinen Jüngern feiert, ist Teil der Szenerie.

Foto: Norbert Prümen

Schüler der Liebfrauenschule Mülhausen überlegten für den Einzug in Jerusalem, was sie von Jesus erwarten, welche Hoffnungen sie mit ihm verknüpfen. Ein zentrales Thema auf den handschriftlichen Karten, die dort zu lesen sind: „Wir wollen keinen Krieg mehr.“ Firmlinge gestalteten eine Ruheoase, der die Stimmung im Garten Gethsemane aufgreift, in den Jesus sich zurückzieht, um zu beten: Wofür würde ich beten? Was macht mir Angst?

Wer mag, kann an einigen Stationen seine Gedanken formulieren, auf eine Karte schreiben, ein Gebet im Geiste sprechen und einen Stern aufkleben. Überall sind Besucherinnen und Besucher aufgefordert, innezuhalten, sich anzuschauen, welche Impulse die Gruppen ihnen geben wollen, die den Ostergarten aufgebaut haben. Und zu überlegen: Was bedeutet diese Geschichte für mich, für mein Leben, auch in Bezug auf den Umgang mit anderen Menschen? Schüler der städtischen Gesamtschule Kempen beschäftigten sich mit der Verurteilung Jesu: „Wie fühlt es sich an?“ Wer sich auf das Podest stellt und in den Spiegel schaut, liest all die kleinen Worte, mit denen Menschen einander beschimpfen, beleidigen, verurteilen: „Lügner. Dumm. Hässlich.“

Das letzte Abendmahl, der Verrat, die Verurteilung, die Kreuzigung sind Stationen des Ostergartens. Aber auch: Tod und Auferstehung, eindringlich gestaltet durch den Weg vom Dunkel ins Licht. Dort, wo Tücher in allen Farben des Regenbogens hängen, ein kleiner Brunnen leise sprudelt, wo es warm ist und Zitate bekannter Persönlichkeiten von der Hoffnung auf Auferstehung erzählen. Wer hier angekommen ist, hat den Ostergarten durchlaufen. Und kann im Anschluss ein Kerzchen entzünden und in die Cafeteria gehen, um für sich erst mal alles sacken zu lassen oder sich mit anderen auszutauschen. Das gelingt am besten beim Kaffee, wie Hüller schmunzelnd anfügt: „Ein Kaffee ist ein wichtiges Element nach der Auferstehung.“

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