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Weltmusik mit Rodjenice Alte Lieder in neuem Gewand in der Kempener Paterskirche

Kempen · In der Reihe „Weltmusik“ stellte das Gesangstrio Rodjenice in Kempen traditionelle Lieder aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien vor.

Das Trio Rodjenice war in der Reihe „Weltmusik“ zu Gast in der Kempener Paterskirche.

Das Trio Rodjenice war in der Reihe „Weltmusik“ zu Gast in der Kempener Paterskirche.

Foto: Veranstalter

Im Rahmen der Konzertreihe „Klangkosmos Weltmusik in NRW“ gaben Mirjana Raić Tepić, Katarina Petrić und Katarina Nikolić traditio­nelles Liedgut aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien zum Bes­ten. Die Zuhörer, die am Mittwoch­abend den Weg in die Paterskirche gefunden hatten, wurden dabei in eine magische Welt des slawischen Gesangs entführt. Der innovative Ansatz des 2009 ge­gründeten und nach Göttinnen aus der slawischen Mythologie benann­ten Trios, das bereits zwei Alben veröffentlicht hat, besteht in einer modernen, dezidiert weiblichen Neu­interpretation volkstümlicher Musik. So hinterfragte „Rodjenice“ mit dem Titel „Male Voices“ („Männliche Stimmen“), unter dem es 2021 drei audiovisuelle Aufnah­men als Beitrag für das serbische Novi Sad als Europäische Kultur­hauptstadt des Jahres einspielte, tra­ditionelle Geschlechtervorstellun­gen.

Die Sängerinnen moderierten selbst und zeigten sich von Akustik und Raumwirkung der Paterskirche sehr angetan. Die a cappella in mittlerer Stimmlage vor­getragenen, vielstrophigen und poly­phonen Gesänge bestachen durch die Bandbreite der durch sie abgebilde­ten Emotionen von Trauer bis Hei­terkeit, durch die ihnen eigene, ei­nem deutschen Ohr fast schon mo­dern anmutende Harmonik und eine ausgefeilte Technik, die in einem Schwingen der Stimmen und im He­ben und Senken der Töne besteht. Die Künstlerinnen wechselten einan­der in der Rolle der Vorsängerin ab, wobei auch rein solistische Passagen vor­kamen.

Die Lieder stammten aus so unterschiedlichen Ländern wie Nordmazedonien, Serbien, dem Kosovo, Bosnien oder Kroatien. Thematisch handelte es sich bei eini­gen davon um Hochzeits- und Lie­beslieder; in anderen klagt der Sän­ger über das Alter, preist seine Hei­mat oder verleiht seiner Fröhlichkeit durch Nonsens-Texte Ausdruck. Wie sie in ihrer sehr hilfreichen Modera­tion erläuterten, hatten die Künstle­rinnen ganz bewusst mehrere Stücke gewählt, die ursprünglich männli­chen Sängern vorbehalten waren. Auf diese Weise spiel­ten sie mit dem Reiz des Tabubruchs und rüttelten an traditionellen Zuschreibungen von Identität, denen sie ihre ei­gene Jugo­slawien-Utopie entgegen­setzten: der Traum von einem Land, das es so nie­mals gab. Dem entspra­chen auch ihre maßge­schneiderten, mit floralen Motiven bestickten Ge­wänder: keine Tracht, sondern indi­viduelle Wahl.

Fern aller Folklore vermochte es Rodjenice, dem Gehalt der Volks­musik des Balkans gerecht zu wer­den und etwas davon dem Kempener Publikum zu vermitteln, das man sich sicherlich noch zahlreicher ge­wünscht hätte.

(tg)
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