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Kempen: Straßennamen nur auf Verdacht prüfen

Diskussion in Kempen : Straßennamen nur auf Verdacht prüfen

Die SPD wollte alle Straßen in Kempen, die nach nach 1870 verstorbenen Menschen benannt sind, überprüfen lassen. Das sei zu aufwendig, sagen die politischen Mitstreiter und die Stadtverwaltung.

In Kempen sollen Straßennamen künftig nur dann überprüft werden, wenn es einen begründeten Verdacht gibt, dass die Person, nach der die Straße benannt ist, eine unrühmliche Vergangenheit hat. Darauf einigte sich der Kulturausschus der Stadt in seiner jüngsten Sitzung bei vier Gegenstimmen der SPD.

Die Sozialdemokraten hatten beantragt, alle Straßennamen in Kempen zu überprüfen, wenn sie nach Personen benannt sind, die nach 1870 verstorben sind. In seiner Begründung hatte Fraktionsvorsitzender Andreas Gareißen für die SPD auf den Vorbildcharakter verwiesen, der von den Personen ausgehe, nach denen Straßen benannt werden. „Es kommt wiederholt zu Zweifelsfällen, ob die Menschen, nach denen Straßen benannt wurden, diese hohe Ehrung verdienen“, so Gareißen. „Kritisch sind insbesondere nationalsozialistische, rassistische oder koloniale Vergangenheiten, die in Frage stellen, ob sie auch heute als gesellschaftliche Vorbilder taugen.“ Unter der Einbeziehung der Expertisen von Historikern solle der Kulturausschuss Empfehlungen aussprechen, ob tatsächlich Straßen umbenannt werden sollten, eine Entscheidung müsse dann der Stadtrat treffen.

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Dem Wunsch der SPD, alle nach Personen benannten Straßennamen zu überprüfen, konnte die Mehrheit im Ausschuss nicht folgen. Eine Überprüfung aller Straßennamen sei zu aufwendig und würde zu viel Personal binden. Deshalb sollen Straßennamen nun nur auf einen begründeten Verdacht hin und nur auf konkreten Antrag überprüft werden, wie die Verwaltung es vorgeschlagen hatte.

Auch die Straßennamen im Kempener Westen waren ein Thema im Kulturausschuss. Noch ist zwar nicht klar, wie viele Straßen es dort überhaupt geben wird, für die dann ein Name gefunden werden muss, doch die Fraktionen von CDU, Grünen, FDP sowie ÖDP/Linke hatten schon gemeinsam beantragt, die Straßen nach Persönlichkeiten zu benennen, die sich um die Entwicklung der Stadt Kempen verdient gemacht haben. In einem Kriterien-Katalog dazu führten die Fraktionen auf, wie sie sich die Benennung der Straßennamen vorstellen. So sollten die Straßen nur nach bereits verstorbenen Persönlichkeiten benannt werden, sollte es noch Angehörige geben, seien die vorab zu hören. Bei der Auswahl von Persönlichkeiten sei auf ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern zu achten.

Dass die SPD sich dem gemeinsamen Antrag der Fraktionen entzogen habe, erklärte Fraktionsvorsitzender Andreas Gareißen mit dem Zeitpunkt: Noch wisse man nicht, wie viele Straßen es im Kempener Westen geben werde. Er regte deshalb an, erst einmal abzuwarten. Das Ganze sei ein Vorratsbeschluss, „wir sehen da keine Notwendigkeit, jetzt was zu machen.“ Natürlich sei das Ganze ein Vorratsbeschluss, pflichtete ihm Kulturdezernent Jörg Geulmann bei. Denn noch wisse man nicht, über wie viele Straßen man spreche. Die Verwaltung regte in ihrem Beschlussvorschlag an, Namensvorschläge für zu ehrende Persönlichkeiten im Kulturamt zu sammeln und dann, nach konkreter Ausgestaltung der Bebauungspläne, in einem noch zu bestimmenden Gremium zu vergeben.

Weil auch noch weitere Ideen im Umlauf sind – unter anderem EU-Gründerväter und -mütter oder Planeten – wollte sich der Ausschuss nicht auf Kempener Persönlichkeiten allein festlegen. Bei einer Gegenstimme von Udo Kadagies (FWK) votierte der Ausschuss dafür, Straßen unter anderem nach Kempener Persönlichkeiten benennen zu wollen. Ein Gremium solle darüber beraten.