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Kempen: Sportvereine haben Probleme beim Trainingsbetrieb in Corona-Zeiten

Fakten & Hintergrund : Einzeltraining nur auf Abstand

Auch in Kempen sind die Sportler verunsichert. Viele bezweifeln, dass unter den besonderen Corona-Vorgaben überhaupt ein sinnvoller Trainingsbetrieb möglich ist. Besonders betroffen sind die Mannschaftssportarten.

Auf den Kempener Tennisplätzen von Rot-Weiß und Casino kann nach den Lockerungen der Corona-Beschränkungen bereits seit der zweiten Mai-Woche wieder gespielt werden. Im gebotenen Rahmen kam und kommt auch in vielen anderen Vereinen wieder Leben in den Sportbetrieb so genannter kontaktloser Disziplinen – sehr zur Freude vieler Mitglieder und der Vereinsverantwortlichen. Auf Letztere kommt allerdings in diesen Tagen bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit auch eine Menge Mehrarbeit zu. Sie müssen vieles neu organisieren, um den vielfältigen Vorgaben zum Hygiene- und Infektionsschutz gerecht zu werden. Neben der sportlichen Betätigung spielt aber ein anderer Aspekt eine wesentliche Rolle: das Gemeinschaftserlebnis, auch wenn es sich „auf Abstand“ sicher vielerorts anders anfühlt als vor der Corona-Krise.

Erstmals trafen sich jetzt auch die Beachvolleyballer des SV Thomasstadt Kempen wieder. Abteilungsleiter Lars Mülders ist fürs Erste zufrieden. „Was wir tun können, ist derzeit noch weit weg vom normalen Beachvolleyball. Aber man sieht sich wieder, denn der persönliche Kontakt war völlig zusammengebrochen“, sagt er. Was die Einhaltung des erarbeiteten Konzepts angeht, zeigt sich Mülders rigoros: „Wer sich nicht an die Auflagen hält, fliegt runter von der Anlage.“ Als Vorsitzender des Kempener TV kümmert sich Mülders vor allem um die Volleyballer. Hier hat er aber nur wenig Hoffnung, dass der Ball so bald wieder fliegt: „Selbst bei einer Freigabe der Halle wäre das aufgrund der Vielzahl der Spieler auf dem Spielfeld nicht möglich. Die Verantwortung gegenüber den Mitgliedern ist einfach zu groß. Dafür haben auch alle Verständnis“, berichtet Mülders. Zurzeit arbeitet er an einem Konzept für die Leichtathleten, die vielleicht in Kürze wieder auf den Platz gehen können.

Bei der Vereinigten Turnerschaft (VT) Kempen dagegen hat am Montag unter Steward Eloundou das erste Training stattgefunden. „Wir bieten für die Jüngsten zum Beispiel drei Trainingseinheiten in der Woche an und lassen maximal zehn Personen daran teilnehmen“, berichtet Eloundou.

Auch beim VfL Tönisberg starteten die Leichtathleten wieder. Dabei gelte es aber, zunächst Erfahrungen zu sammeln, sagt Trainerin Ivona Nowak: „Es ist schwer zu sagen, wie das alles funktionieren wird. Ich bin nur froh, dass wir nicht mit Maske trainieren müssen“, meint sie. Während die Walking-Gruppe ebenfalls wieder unterwegs ist und die vorwiegend älteren Mitglieder der Mittwochs-Turngruppe ihre Übungen auf dem Sportplatz abhalten können, müssen andere noch warten. „Wir wollen versuchen, Wirbelsäulen-Gymnastik, Step-Aerobic und Zumba noch vor den Ferien in verkürzter Form anzubieten“, so die Breitensport-Beauftragte des Tönisberger Sportvereins, Karin Klinkenberg. Für einen Teil der Yoga-Gruppe kann es dagegen losgehen. Dazu mietete der Verein eigens Räume im Bergdorf an.

Dies zeigt allerdings angesichts geschlossener Hallen neben zusätzlichen Kosten eine weitere Problematik auf: Nicht überall stehen für die Vereine geeignete Räume zur Verfügung. Der TV St. Hubert ist beispielsweise stark auf die örtliche Sporthalle angewiesen, so dass es derzeit nur ein sehr begrenztes Angebot gibt.

Bei aller Freude über die neu gewonnenen Freiheiten schwingt derzeit aber vielerorts auch ein gewisses Maß an Unsicherheit mit, zu der auch eine Flut unterschiedlicher Informationen beiträgt. Mülders vermisst eine einheitliche Linie. „Jeder kocht irgendwie sein eigenes Süppchen. Die Vereine sind für die Umsetzung verantwortlich. Und das ist ein ganz schwieriges Thema“, meint er.

Der Vorsitzende des Stadtsportverbandes Kempen, Winand Lange, schlägt in die gleiche Kerbe: „Das Ehrenamt ist bis zum Anschlag gefordert. Die Umsetzung der Corona-Vorgaben auf die Vereine abzuwälzen, halte ich für sehr schwierig. Warum legt die Stadt Kempen nicht ein einheitliches Konzept vor?“, fragt Lange. Etliche Vereine seien auch an den Verband herangetreten. „Angesichts der vielen Informationen hat uns das überrascht. Aber wir haben reagiert und den Vereinen Material zukommen lassen“, berichtet Lange.

Nicht gut zu sprechen ist der Mediziner auf das Vorpreschen des Profi-Fußballs, was den Zugzwang für Lockerungen erhöht habe. „Der Fußball ist mit einer sehr schlechten Vorbildfunktion vorangegangen“, sagt Lange.