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Kempen: Sozialpädagogin vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen

Urteil in Krefeld : Kempener Sozialpädagogin vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen

Bereits am zweiten Verhandlungstag fiel am Dienstag das Urteil im Prozess gegen eine 27 Jahre alte Sozialpädagogin. Es gibt keinen Beweis für sexuellen Missbrauch.

Am Krefelder Amtsgericht fiel am Dienstagnachmittag das Urteil gegen eine 27-jährige Frau aus Kevelaer. Sie wurde von den Tatvorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen sowie der sexuellen Nötigung freigesprochen.

Die Kevelaererin hatte in der Zeit von Frühjahr 2016 bis Anfang 2018 als Sozialpädagogin in einem Kinderheim in Kempen gearbeitet. Ab Januar 2017 leitete sie dort eine Wohngruppe für unbegleitete männliche Flüchtlinge. Mit einem der Jugendlichen, einem 16-jährigen, begann sie schließlich eine Beziehung. Laut ihrer Aussage sei diese „freiwillig und einvernehmlich“ gewesen.

Der junge Mann hatte aber im März 2019 bei der Polizei angegeben, dass seine Betreuerin ihn zu einer sexuellen Beziehung genötigt habe. Sie soll ihn unter Druck gesetzt haben, indem sie zum Beispiel erwähnte, dass sie „beste Kontakte zur Polizei“ und auch zur Ausländerbehörde habe. Ein Anruf würde demnach reichen, um den Jugendlichen wieder nach Afrika abzuschieben, sofern er nicht mit ihr schlafe.

Nur wegen dieser Drohungen sei der unbegleitete Flüchtling schließlich auf die Annäherungsversuche der jungen Frau eingegangen, sagte dieser bei der Polizei seinerzeit aus. Laut Anklageschrift hätten im Zeitraum zwischen Januar und Dezember 2017 mindestens 28 sexuelle Handlungen zwischen den beiden stattgefunden.

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Diese Vorwürfe stritt die 27-Jährige vehement ab. Es sei eine Beziehung ohne Druck oder Drohungen gewesen, die nach ihrer Kündigung bei ihrem Arbeitgeber weiter bestanden habe. Nachdem der junge Mann 18 geworden sei, hätte sie ihre Eltern eingeweiht, und er sei daraufhin mit ihr zum Beispiel bei Familientreffen gewesen.

Im März 2019 habe sie sich schließlich von dem jungen Mann getrennt. Kurz danach sei ihr Ex-Freund bei der Polizei gewesen und habe sie angezeigt. Da der jetzige Wohnort des jungen Mannes nicht bekannt ist, er also unauffindbar ist, konnte er während der Verhandlung nicht als Zeuge aussagen.

Der Bereichsleiter des Kempener Kinderheims erklärte als ehemaliger Vorgesetzter der Sozialpädagogin am Dienstag als Zeuge aus. Er betonte, von der Beziehung zwischen ihr und ihrem Schützling nichts gewusst zu haben. Er habe wohl eine gewisse „Unruhe“ in der Gruppe bemerkt. Nach dem Ausscheiden der jungen Frau aus ihrem Arbeitsverhältnis habe er schließlich von einem Jugendlichen aus der Wohngruppe von dem sexuellen Verhältnis erfahren.

Zudem sei der angeblich Geschädigte im Frühjahr 2019 auf ihn zugekommen. Er habe unter anderem betont, dass die Beziehung „auf Druck“ seiner damaligen Betreuerin entstanden sei. Diese und andere Aussagen habe der Zeuge dem jungen Mann aber „nicht hundertprozentig“ abgenommen. Auch die Aussage eines 18-Jährigen, der damals in der Wohngruppe lebte, ließ nicht darauf schließen, dass bei dem Verhältnis Nötigung oder Missbrauch „im Spiel“ gewesen waren.