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Kempen: So kamen die Altenheime durch die Corona-Krise

Kempener Stifte : Altenheime in Sorge wegen Corona-Trend

In den Kempener Altenheimen werden die bundesweit steigenden Corona-Zahlen mit Sorge gesehen. Einrichtungsleiter Brockmeyer sagt: „Wir sind längst nicht über den Berg.“ Die Strategie gegen Infektionen war bislang erfolgreich.

„Die Sicherheitsvorkehrungen, die wir frühzeitig getroffen haben, haben Schlimmeres verhindert“, sagt Jürgen Brockmeyer, Leiter der beiden Kempener Seniorenzentren Von-Broichhausen-Stift und St.-Peter-Stift. Während es andernorts in Altenheimen zu Todesfällen unter den Bewohnern, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, kam, gab es zwar in den beiden Häusern, die von der Kempener Hospital-Stiftung betrieben werden, auch eine Reihe von Corona-Fällen. Aber es kam nicht zu Todesfällen. Angesichts der steigenden Neuinfektionen ist Brockmeyer nun besorgt, dass sich das ändern könnte.

Mittlerweile sind die Corona-Vorschriften, die das Kreisgesundheitsamt zu Beginn der Pandemie auf der Grundlage gesetzlicher Bestimmungen erlassen hatte, wieder gelockert. Zuletzt wurden in beiden Altenheimen die Pagodenzelte abgebaut, in denen sich nach den ersten Lockerungen Bewohner mit Angehörigen treffen konnten. Gleichwohl gelten sowohl im Von-Broichhausen-Stift am Heyerdrink am Rande der Innenstadt als auch im St.-Peter-Stift an der Auguste-Tibus-Straße im Kempener Süden weiterhin strenge Schutzbestimmungen. Besucher müssen sich am Eingang in Listen eintragen, müssen Fragen beantworten, um im Falle des Falles leichter die Infektionswege zurückverfolgen zu können. Besonderheit: Jeder Besucher – selbst wenn er eine eigene Schutzmaske mitbringt – bekommt kostenfrei eine neue Mund-Nasen-Abdeckung, die er aufziehen muss. Man will unter allen Umständen verhindern, dass das Coronavirus über verunreinigte Masken wieder in die Altenheime eingeschleppt wird.

Pagodenzelte wurden zeitweise für Besucher wegen der Corona-Vorschriften vor dem St.-Peter-Stift aufgebaut. Sie sind mittlerweile wieder abgebaut – auch am Von-Broichhausen-Stift. Foto: Hospital-Stiftung

In den Gartenanlagen des Von-Broichhausen-Stiftes können sich Bewohner und Besucher relativ frei – mit Maske versteht sich – bewegen. An den Sitzplätzen wurden die Abstandsflächen vergrößert, es gibt Bodenmarkierungen. Mittlerweile dürfen Bewohner von Angehörigen auch abgeholt werden, um beispielsweise in der Altstadt einen Kaffee zu trinken.

Jürgen Brockmeyer muss dies akzeptieren, denn eine Kasernierung der Senioren will schließlich auch er nicht. Gleichwohl treibt ihn die Sorge um, dass nach einem Ausflug ein Bewohner das Coronavirus mit ins Haus bringt. Dann müssten sofort wieder verschärfte Quarantäneregeln eingeführt werden. „Wir sind bei der Corona-Pandemie längst noch nicht über den Berg“, sagt Brockmeyer. Die steigende Zahl der Neuinfektionen durch Reiserückkehrer stimmen Brockmeyer bedenklich.

Zu Beginn der Pandemie musste das Von-Broichhausen-Stift bei schließlich mehr als zehn Corona-Fällen nach außen die Schotten dicht machen und intern viele umorganisieren. So wurden die mit den Coronavirus infizierten Senioren auf einer Station in der obersten Etage von „Haus Thomas“ isoliert. Die dort lebenden gesunden Bewohner mussten vorübergehend umquartiert werden. Es wurde eine Durchgangsschleuse fürs Personal eingerichtet, die vom Kreisgesundheitsamt als vorbildlich eingestuft wurde. Dazu gab es ein Corona-Screening bei allen Bewohnern und beim Personal, veranlasst vom Kreisgesundheitsamt und durchgeführt vom Team der Kempener Arztpraxis Berson. Insgesamt wurden bei drei Testungen 280 Abstriche von Bewohnern und Mitarbeitern genommen und in einem Kölner Labor untersucht. Bei allen positiv Getesteten stellte sich gottlob keine ernsthafte Symptomatik. „Dieser Riesenaufwand hat sich am Ende ausgezahlt“, meint Brockmeyer im Gespräch mit unserer Redaktion.

Er lobt ausdrücklich die Bewohner für ihr Verständnis und ihre Geduld während des Lockdowns. „Die Isolation war für viele sehr belastend“, berichtet Brockmeyer. Im St.-Peter-Stift gab es lediglich zwei leichte Corona-Fälle bei den Bewohnern. Auch sie wurden von den übrigen Senioren isoliert.

Brockmeyer lobt aber auch seine Mitarbeiter. „Das Personal um Pflegedienstleiter Julian Schrörs hat in der schwierigen Zeit super gearbeitet“, sagt Brockmeyer.

So langsam soll wieder Normalität in die beiden Häuser einkehren. Das Kulturprogramm mit Konzerten oder Ausstellungen war während des Lockdowns komplett eingestellt worden. Es gab dann erste Gartenkonzerte auf Abstand. Weitere Veranstaltungen sind geplant. Auch die Cafés in den Häusern nehmen langsam den Betrieb wieder auf. Therapie- und Kursangebote oder Gottedienste laufen an – alles selbstverständlich unter den Corona-Schutzvorgaben.

Auch die Ehrenamtlichen, die sich beispielsweise im Besuchsdienst um die Senioren kümmern, sollen jetzt wieder in die Betreuungsarbeit eingebunden werden. Sie werden entsprechend den Corona-Schutzvorgaben geschult.

Großveranstaltungen in den beiden Häusern, etwa zum St.-Martinsfest im November, wird es indes nicht geben. Brockmeyer. „Das Risiko der Neuinfektion erscheint mir zu groß.“

Fast 200.000 Euro kosteten die durch die Corona-Pandemie bedingten Schutz- und Hygienemaßnahmen zusätzlich. Sie wurden von den Pflegekassen erstattet. Die Einrichtungsleitung profitiert zudem davon, dass sich der Förderverein engagierte, dass Vereine und Unternehmen Schutzmasken und Hygieneartikel stifteten oder günstiger abgaben. „Die Welle der Hilfsbereitschaft war schon beeindruckend. Wir sind vielen zu Dank verpflichtet“, sagt Brockmeyer. Auch die gute Zusammenarbeit mit den Behörden beim Kreis lobt er.