Kempen Paraguay Hilfe berichtet über Arbeit.

Kempen : Kempener helfen den Ärmsten der Armen

Seit 26 Jahren leistet die Pro-Paraguay-Initiative Hilfe in dem südamerikanischen Land. Treibende Kräfte dabei sind Ute und Hermann Schmitz. Beide berichteten jetzt über ihren jüngsten Besuch in Paraguay.

Mit einen ausgesprochen informativen Abend gaben Ute und Hermann Schmitz von der Pro-Paraguay-Initiative (PPI) Kempen am Donnerstagabend einen Rückblick auf ihre jüngste Reise nach Paraguay und die vielen bereits erreichten Ziele ihrer Entwicklungsarbeit in diesem ärmsten Land Südamerikas. Wobei die beiden Kempener deutlich machten, dass trotz des Wirtschaftswachstums des Landes zwischen Argentinien, Brasilien und Bolivien nur eine kleine Elite der dortigen Einwohner davon profitiert. Das Wirtschaftswachstum ist vor allem dem überdimensionierten Soja-Anbau zu verdanken, so Ute Schmitz. Dieser allerdings schädigt die tropische Landschaft des kleinen Landes. Der größte Teil der rund sieben Millionen Einwohner lebt in großer Armut oder kann gerade das Nötigste zum Leben erwirtschaften. Immer noch herrsche eine undemokratische Regierung.

Der PPI ist es in ihrer mittlerweile 26-jährigen Entwicklungshilfearbeit gelungen, in verschiedenen Projekten die Situation der Ärmsten zu bessern. Die Kempener Initiative unterstützt generell Selbsthilfeprojekte mit einheimischen Organisatoren. So wurde Kleinbauern geholfen, eine landwirtschaftliche Kooperation zu gründen. Diese arbeitet nach ökologischen Anbaurichtlinien. Seit kurzem haben die Bauern mit Joana das erste Mal eine Frau zur Vorsitzenden gewählt. Das ist ein absolutes Novum im Land. Die Vorsitzende habe neuen Schwung in die Gemeinschaft gebracht, berichtete Ute Schmitz. Nun verkaufen die Frauen den Überschuss der auf ihren kleinen Siedlungsflächen erwirtschafteten landwirtschaftlichen Produkte auf dem Wochenmarkt. Außerdem haben sie aus einer alten Zuckerfabrik ein gut laufendes Unternehmen gemacht. Hier wird nicht nur mit Zuckerrohr der Rohstoff für die Süßwarenindustrie angebaut, sondern neuerdings auch Backwaren produziert. Auf diese Art sind die Mitglieder der Kooperative in der Lage, dringend benötigte Arbeitsmittel selbst anzuschaffen.

Auch die Landwirtschaftsschule der PPI vergrößert sich. Inzwischen lernen dort 60 Schüler, wie man ökologischen Landbau betreibt. Hinzu kam die Zusammenarbeit mit einer Grundschule. So bringen die größeren Schüler den Kleinen Wissenswertes bei. Das war stets ein wichtiger Aspekte der Arbeit der Initiative. Denn die Kempener wollen mit einer besseren Ausbildung den Grundstein für einen bescheidenen Wohlstand legen. Lesen und Schreiben lernen ist für Kinder in dem südamerikanischen Land keineswegs selbstverständlich. Kein Wunder bei langen Wegen zu den wenigen Schulen. Oder es geht ihnen wie den Kindern in einem Kinderhort in der Hauptstadt Asuncion: Sie haben teilweise keine Eltern oder diese interessieren sich nicht für sie. Im Hort werden sie nicht nur gefördert, sondern dürfen auch das erste Mal Kinder sein, die spielen, malen oder basteln.

Lernen wollten aber auch Erwachsene. Es fand sich ein pensionierter Techniklehrer, der den Unterricht für Erwachsene übernommen hat. Mit einfachen Mitteln lernen die Teilnehmer grundlegende Reparaturtechniken. Einen großen Wunsch gaben die Schüler des Kurses Ute und Hermann Schmitz mit auf den Heimweg. Sie möchten gerne eine Feuerwehr gründen und benötigen die erforderliche Ausstattung für die Feuerwehrleute.

Die Mitglieder der Initiative waren immer ideenreich, was die Suche nach Geld- oder Sachspenden betrifft. So bekam die PPI für ihre medizinische Stationen einen Zahnarztstuhl oder auch Krankenbetten mit den dazu gehörigen Nachttischen geschenkt. Ein großes Unternehmen, das Bio-Limonaden und Tee vertreibt, unterstützt die PPI seit Jahren mit einem Anteil am Verkaufserlös ihrer Produkte. Es gibt die Zusage für eine weitere Zusammenarbeit. Durch solche Spenden, die Kooperation mit Organisationen der Entwicklungshilfe, aber auch viele kleine Geldspenden konnten allein im vergangenen Jahr die verschiedenen Projekte mit rund 85.000 Euro bezuschusst wurden.

Bei der Mitgliederversammlung der Pro-Paraguay-Initiative am Donnerstagabend hat Ute Schmitz den Vorsitz übernommen. Sie löst damit ihren Mann Hermann ab. Der übrige Vorstand bleibt unverändert. Nähere Informationen zur Initiative erhält man auf der Homepage www.proparaguay.de

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