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Kempen möchte vom positiven Trend in der regionalen Tourismusbranche profitieren

Positiver Trend : Kempen hofft auf Schub beim Tourismus

Der Niederrhein ist ein attraktives Reiseziel vor allem für Kurzurlauber. Die Übernachtungszahlen sind 2019 wieder gestiegen. Noch profitiert Kempen kaum vom positiven Trend. Eine Landesgartenschau in Grefrath könnte das ändern.

Wie in jedem Jahr wollte Martina Baumgärtner, Geschäftsführerin von Niederrhein Tourismus, mit ihrem Team in diesen Tagen an einem Messestand auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) im Berliner Messezentrum für die Region zwischen Rhein und Maas werben. Der weltgrößte Branchentreff, der bis kommenden Sonntag Tausende Besucher miteinander ins Gespräch bringen sollte, wurde indes wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Nun müssen die Mitarbeiter der Tourismus Niederrhein GmbH mit Sitz in Viersen die geplanten Treffen mit Reiseveranstaltern oder Fachverlagen im Laufe des Jahres nachholen. Immerhin will die Gesellschaft, die sich um die touristische Vermarktung der Kreise Heinsberg, Kleve, Viersen und Wesel kümmert, die Region als Urlaubsziel weiter voranbringen. Die Zahlen für 2019 lassen darauf hoffen, dass der Niederrhein von dem positiven Trend in der Reisebranche weiter profitieren kann. Rund 2,4 Millionen Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr im Verbandsgebiet verbucht.

Die Zahlen belegen nach Ansicht von Martina Baumgärtner auch, welch hohe Bedeutung der Tourismus als Wirtschaftsfaktor in der Region hat. Dazu will Niederrhein Tourismus eine Studie in Auftrag geben, die die Verteilung der Umsätze auf die Landkreise und Städte und Gemeinden genauer unter die Lupe nehmen soll. Bislang ist das touristische Geschehen über den Niederrhein recht unterschiedlich verteilt.

Im Kreis Viersen profitieren die Kommunen in erster Linie von Tagestouristen, die beispielsweise die Stadt Kempen besuchen. Viele Gäste würden gerne auch etwas länger bleiben, von Kempen aus Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten ins Umland machen. Doch solange die Thomasstadt nicht über ausreichende Bettenkapazitäten verfügt, ist es beispielsweise schwierig, die Stadt als Ziel für mehrtägige Busreisen anzupreisen. Kleinere Hotels und Pensionen können diese spezielle Nachfrage nicht befriedigen. Am Kempener Badezentrum „Aqua Sol“ an der Berliner Allee ist bekanntlich ein neues Hotel geplant, das ausgelegt auf eine Kapazität von 80 bis 90 Zimmer gerade diese Lücke schließen soll. Die Stadtwerke Kempen, die derzeit ein neues Hallenbad auf dem Gelände des „Aqua Sol“ bauen, stehen in engem Kontakt zu einem privaten Investor aus Norddeutschland, der auf der Fläche des alten Hallenbades ein neues Hotel errichten will. Die Vorplanungen laufen bereits. Die Verträge sollen in diesem Jahr unterschriftsreif sein. Den Kontakt zum Investor haben den Stadtwerken die Niederrhein Tourismus GmbH und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen (WFG) vermittelt. WFG-Chef Thomas Jablonski, der in Kempen lebt, ist überzeugt davon, dass das neue Hotel der Thomasstadt den erhofften touristischen Schub bringen wird.

„Die Stadt mit ihrem historischen Charakter ist sowohl für Tagungsgäste als auch für Kurzurlauber geradezu prädestiniert“, sagt Jablonski. Er trifft damit den Nerv vieler in der Stadt, vor allem der Einzelhändler und Gastronomen, die ein größeres Stück vom Tourismus-Kuchen abbekommen möchten.

Dass Kempen als Ziel oder Ausgangspunkt für eine mehrtägige Reise beliebt ist, zeigen die Belegungszahlen des Reisemobilstellplatzes am Sportpark Berliner Allee. Der ist ganzjährig gut frequentiert, und besonders zu den Stadtfesten oder zum Weihnachtsmarkt kann der Betreiber häufig nicht alle Anfragen positiv bescheiden. Daher ist ein Ausbau des Stellplatzes geplant.

Der Ausbau der Übernachtungskapazitäten in Kempen ist vor allem mit Blick auf eine mögliche Landesgartenschau 2026 in Grefrath wichtig. Die Gemeinde hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die läuft derzeit und bringt am kommenden Montag Tourismusexperten aus der Region in Grefrath zusammen. Der Kreis, allen voran Landrat Andreas Coenen, und die Kreis-WFG unterstützen Grefrath bei dem Plan, 2026 zum zweiten Mal nach 1970 eine Landesgartenschau auszurichten. Die soll regional ausstrahlen. Auch Kempen könnte davon profitieren.

Kempen müsste bis dahin eigene Projekte in ein Regionalkonzept einbringen. Das könnte neben einer sanierten Burg auch ein neuer Stadtbezirk – etwa im Kempener Westen – mit besonders nachhaltig gebauten Häusern oder die seit vielen Jahren immer mal wieder diskutierte Freizeitanlage am Königshütte-See sein. Konkrete Pläne dazu gibt es im Kempener Rathaus indes noch nicht.

Kommentar: Die Chancen nutzen