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Kempen: Kunstunterricht am Thomaeum in Zeiten von Corona

Thomaeum Kempen : Kunstunterricht in Zeiten von Corona

Im Kempener Gymnasium Thomaeum ist unter der Leitung von Jürgen Hemkemeyer ein Kunstprojekt voller Gedanken und Gefühle in Zeiten der Pandemie entstanden. Über die Schul-Homepage erfolgt eine Ausstellung.

Eine Erdkugel mit strahlend blauen Meeren und grünen Kontinenten prangt in der Mitte der Star-Wars-Figur mit dem langen dunklen Mantel und den böse funkelnden roten Augen. Vor der gemalten Figur steht ein Buchständer. Das Buch darauf macht Angst. Der Titel lautet nämlich „How to destroy earth“. Es ist eine Anleitung, um die Erde zu zerstören.

Es ist aber nicht das einzige Bild in dem großen Kubus, das bewegt. An den Wäscheleinen, die über drei Außenwände vom Kubus gespannt sind, hängt ein Bild neben dem anderen. Sie sind mit Bleistiften und Buntstiften gemalt. Es sind Collagen an den Leinen vertreten, und es gibt sogar drei Acrylwerke auf Leinwand. Da ist das in der Mitte zerrissene Bild zu sehen, auf dessen linker Seite ein trauriges Kind in einem Käfig hockt, indes das gleiche Kind auf der rechten Seite inmitten seiner Familie und Freunde mit fröhlichem Gesicht an einer langen Tafel im Grünen sitzt.

Zwiespältige Gedankenwelt eines Schülers: Durch den Lockdown hatte man zwar mehr Zeit, aber dennoch wünschte man sich das Virus schnell wieder weg. Foto: Wolfgang Kaiser

Es sind mit Begeisterung Fußball spielende Kinder, über denen eine ganze Schar von aufgeklebten Viren schwebt, genauso vertreten wie das Szenario einer entflammten Weltkugel, die von Viren angegriffen wird. So verschieden die Bilder sind, so unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen, eins haben alle gemeinsam: Sie spiegeln die Gefühle und Gedanken wider, die die Corona-Pandemie bei Achtklässlern vom Thomaeum ausgelöst hat. In dem Kempener Gymnasium fand jetzt ein besonderes Kunstprojekt statt. Jürgen Hemkemeyer hat sich mit „Corona-Kunst“, wie er es bezeichnet, beschäftigt. „Als die Pandemie unser normales Leben lahmlegte, stellte ich fest, dass das Fernsehen voll mit Corona war, aber alte und junge Menschen mit ihrer Gedankenwelt so gut wie gar nicht vorkamen. Da ich im Thomaeum mit jungen Menschen arbeite, kam mir die Idee, dass die Schüler ihre Gedanken und Gefühle durch Bilder und andere Kunstwerke ausdrücken könnten“, sagt der bekannte Kempener Künstler.

Entstanden ist die Kombination mit dem Kubus dabei aus dem Landesprojekt „Kultur und Schule“, das nach den Sommerferien 2019 startete. Über alle Jahrgangsstufen hinweg hatte Hemkemeyer eine Gruppe von zwölf Schülern gebildet, die unter dem Titel „Kunsthaus im Thomaeum“ einen begehbaren Würfel mit ihren Werken künstlerisch gestalten sollten. Hemkemeyer baute den riesigen Würfel mit den Schülern. Danach wurde überlegt, wie der Kubus gestaltet werden könnte. „Der Prozess startete nach dem Kubusbau etwas zähflüssig. Und gerade, als es anlief, kam Corona dazwischen und legte alles lahm“, sagt Hemkemeyer.

„Alles wird gut“ lautet die positive Botschaft dieses Kunstobjektes. Foto: Wolfgang Kaiser

Als der Präsenzunterricht im Thomaeum wieder begann, Arbeitsgemeinschaften wie die zuvor bestehende Kunst-AG aber nicht möglich waren, schaltete der Kunstlehrer um. Hemkemeyer unterrichte wieder Kunst in den achten Klassen. Hier siedelte er seine künstlerische Idee zu Gedanken und Gefühlen in Zeiten von Corona an, wobei er den Kubus als Ausstellungsfläche ins Auge fasste.

Der Prozess der Bildfindung spielte dabei die bedeutende Rolle. „Es ist ein Prozess wie beim kreativen Schreiben. Man muss für die Gefühle und Gedanken in diesem Fall die entsprechenden Gegenstände und Farben finden. Etwas, das den Schülern hervorragend gelungen ist“, lobt Hemkemeyer. Auf diesem Weg entstanden mehr als 50 Bilder, die allesamt im begehbaren Kubus ausgestellt sind.

Nicht nur Hemkemeyer ist von den Werken der Schüler beeindruckt. „Was die Schüler zum Ausdruck gebracht haben, bewegt“, sagt auch Schulleiterin Agnes Regh.