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Kempen: Kreis stimmt Planung für Lindenallee an Hülser Straße zu

Lindenallee an der Hülser Straße in Kempen : Naturschutzbehörde stimmt Baumfällungen zu

Der Kreis Viersen hat am Freitag der geänderten Planung zur Erschließung des Gewerbegebietes an der Hülser Straße in Kempen zugestimmt. Es gibt eine Befreiung vom Alleenschutz für sieben Bäume.

Die Kreisverwaltung Viersen stimmt der von der Stadt Kempen geänderten Planung zur Erschließung eines neuen Gewerbegebietes südlich der Hülser Straße in Kempen zu. Dazu soll nach der Planung der Stadt an der Einmündung der Heinrich-Horten-Straße in Kempen ein Kreisverkehr gebaut werden.

Gegen diesen Plan gab es zunächst massive Widerstände von Naturschützern. Immerhin 17 Bäume, darunter etliche Linden entlang der Hülser Straße, die unter besonderem Schutz stehen, hätten gefällt werden müssen. Dagegen hatte bei der ersten Offenlage der Pläne auch der Kreis Viersen sein Veto eingelegt. Die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis muss nämlich für die Baumfällungen in diesem Bereich eine Befreiung vom so genannten Alleenschutz erteilen. Die Lindenallee gilt als besonders geschützter Landschaftsbestandteil.

Die Stadt hatte daraufhin die Planung überarbeitet und erneut offengelegt. Nun wird der Kreisverkehr in die Heinrich-Horten-Straße hinein verschwenkt, so dass nur noch vier Linden an der Hülser Straße und drei Platanen an der Heinrich-Horten-Straße gefällt werden müssen. Die geänderte Planung stellte Kempens Planungsamtsleiterin Bettina von der Linde am Donnerstagabend in der Sitzung des Beirats der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis in Viersen vor. Dem Gremium gehören unter anderem Vertreter von Naturschutzverbänden, Landwirtschaft, Waldbauern oder Jägerschaft an.

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Von der Linde erläuterte, dass die Stadt Kempen durch ein Ingenieurbüro insgesamt 22 Varianten für die Erschließung des neuen Gewerbegebietes habe prüfen lassen. Die Stadt werde als Ersatz für die Bäume, die nun weichen müssen, insgesamt 22 Linden in diesem Bereich nachpflanzen. So soll beispielsweise die Allee vervollständigt werden. Zudem seien Ausgleichspflanzungen in St. Hubert vorgesehen.

Der zuständige Technische Dezernent der Kreisverwaltung, Andreas Budde, empfahl dem Beirat, der geänderten Planung der Stadt Kempen zuzustimmen. Das tat das Gremium am Ende dann auch mit Mehrheit. Allerdings gab es Gegenstimmen aus den Reihen der Naturschutzverbände. Sowohl Peter Kolshorn vom Naturschutzbund (Nabu) stimmte dagegen wie auch Horst Meister vom Bund für Umwelt und Naturschutzbund Deutschland (BUND), Kreis Viersen.

Der BUND hatte sich bereits bei der ersten Offenlage der Pläne vehement für den Erhalt aller Straßenbäume an Hülser- und Heinrich-Horten-Straße ausgesprochen. Auch die geänderte Planung stellt den BUND nicht zufrieden. Man will sämtliche Bäume erhalten. „Es gab bei dieser Planung zu keiner Zeit eine sachlich fundierte Argumentation der Verwaltung (Anm. d. Red.: gemeint ist die Stadt Kempen) zu den naturschützerischen Belangen und gesetzlichen Vorgaben“, kritisierte Meister. Diesen Vorwurf wies Bettina von der Linde zurück. Meister hinterließ den Eindruck, über das Planverfahren nicht recht im Bilde zu sein. Sämtliche Planunterlagen sind auf der Internetseite der Stadt Kempen (www.kempen.de) einsehbar. Die Mitglieder des Naturschutzbeirates hatten sie für ihre Sitzung allerdings nicht vorab zur Verfügung gestellt bekommen.

Mit der naturschutzrechtlichen Befreiung vom Alleenschutz durch die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Viersen hat die Stadt Kempen nun ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zum neuen Gewerbegebiet südlich der Hülser Straße erreicht. Das Thema kommt nun wieder in den zuständigen Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz des Stadtrates.

Naturschützer in Kempen – darunter die „Fridays-for-Future“- Bewegung – lehnen die Fällung der Bäume weiterhin ab. Einige verfolgten die Sitzung des Beirats in Viersen von der Zuschauertribüne aus.