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Kempen: Kitas starten den Normalbetrieb

Mensch & Stadt : Endlich wieder Kita für alle

In Kempen sind 977 Kinder wieder in die Betreuungseinrichtungen zurückgekehrt. Die Kitas mussten eigene Hygienekonzepte für den großen Start erarbeiten. Eindrücke vom ersten Morgen.

Bunte Luftballons und Wimpelketten sind schon von weitem zu sehen. Lisa Hinrichsen begrüßt Eltern und Kinder mit einem strahlenden Lächeln. „Jedes Kind wird persönlich willkommen geheißen“, sagt die Leiterin der Kita St.-Peter-Allee in Kempen. Nach zwölf Wochen dürfen endlich alle Kinder wieder in ihre Kitas. Pfeile auf dem Boden führen die Kinder in die entsprechende Gruppe. Vorab verschickte die Einrichtung Videos mit einem Gruß der Vorschulkinder und erklärte die neuen Regeln.

Janosch Platzen kann es kaum erwarten und schaut schon hinter seiner Mutter Lea auf dem Fahrradsitz neugierig vorbei. Sein großer Bruder Oscar ist Vorschulkind und läuft direkt zu den „Bären“. „Letzte Woche haben wir Oscar zum Kindergarten gebracht, da wäre Janosch sofort schon mit reingelaufen“, erzählt Lea Platzen. Für alle ist es ein aufregender Tag. Weil die Einrichtung kein Frühstück ausgeben darf, müssen die Kinder nun ihre Getränke und Butterbrote selbst mitbringen. Auch dürfen die Eltern das Gelände nur mit Maske betreten und ihre Kinder an der jeweiligen Außentür, die zu der entsprechenden Gruppe führt, abgeben.

Heidrun Schagen begrüßt ihre kleinen „Nilpferde“. Ihre Augen strahlen. Nase und Mund sind mit einer Maske verdeckt. Eine ungewohnte Situation sowohl für Kinder, als auch Erzieher, weiß Lisa Hinrichsen. „Es ist wirklich schwer, Abstand zu wahren, Kinder brauchen Nähe“, sagt die Kita-Leiterin. Doch die Hygienevorschriften müssen umgesetzt werden, um den Infektionsschutz zu gewährleisten. Das bedeutet: Feste Gruppen, keine offenen Konzepte, keine Ausflüge. Sobald die Kinder die Einrichtung betreten, müssen sie sich sofort die Hände waschen. Das Außengelände ist mit Absperrband gekennzeichnet. „So dürfen dann immer nur zwei Gruppen gleichzeitig raus und müssen auf ihrer Seite bleiben“, erklärt Hinrichsen.

Sabine Menning hat die Corona-Zeit mit ihren dreijährigen Zwillingen Paulina und Felix genossen. „Mal keinen Alltagsstress zu haben, das war schön“, sagt sie. Ihre Kinder sind nun trocken und haben in der Zeit Fahrradfahren gelernt. Ann-Kathrin Frey freut sich über die flexiblen Betreuungszeiten, die der Kindergarten anbietet. „Ich würde das nicht schaffen von der Arbeitszeit her, das ist wirklich toll, dass das hier möglich ist“, sagt die Ärztin.

Das sei aber auch nur möglich, weil in der St.-Peter-Allee keine Erzieherin zur Risikogruppe gehört, berichtet Lisa Hinrichsen. Die Dienste ihres Teams musste sie anders einteilen. Nun gibt es fünf Personen im Früh- und fünf im Spätdienst. Denn es müssen mit den Eltern der 29 Vorschulkinder Abschlussgespräche geführt werden, außerdem stehen die Neuaufnahmen für August an. Die Räume müssen nach jedem Gespräch gründlich desinfiziert und gelüftet werden.

Nach einem Stück „Normalität“ und „Alltag“ haben sich viele gesehnt. Nach einer wochenlangen Zwangspause müssen sich die Kinder jedoch erst wieder „einfinden“. Bei den meisten hat der erste Morgen reibungslos geklappt. „An der Türe fiel einigen die Trennung etwas schwer, andere kamen direkt durch und waren glücklich, wieder da zu sein“, sagt die Erzieherin der kleinsten Kinder in der Einrichtung, der „Bienchen“-Gruppe, Anne Burgtorff.

In der Küche darf nur noch von einer Küchenhilfe das Essen unter strengen Hygienevorschriften vorbereitet werden. Normalerweise arbeiten zwei Mitarbeiterinnen in der Küche. „Von 80 Mittagskindern haben wir derzeit 50“, sagt Lisa Hinrichsen. Die Fahrradständer sind fast alle belegt. „Es ist wieder Leben drin, die Kinder haben sich so viel zu erzählen und genießen wieder das gemeinsame Spielen miteinander“, sagt die Leiterin.