Kempen hat Probleme beim Ausbau der Kinderbetreuung

Kinderbetreuung: Pavillon für Großtagespflege vom Tisch

Die Stadt Kempen hat die Übergangslösung für die Kindertagespflege erneut geändert. Da ein Provisorium in Containern wohl zu teuer ist, soll die Einrichtung nun doch in die leer stehende Johannes-Hubertus-Schule.

Das Jugendamt scheint von dem Plan abgerückt zu sein, die geplante Großtagespflege in St. Hubert auf dem Parkplatz neben der städtischen Kindertagesstätte „Bärenstark“ an der Bendenstraße in St. Hubert zu errichten. Mitte Mai hatte der zuständige Jugenddezernent Michael Klee im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, die Stadt prüfe, auf dem Schotterparkplatz eine provisorische Großtagespflege mit Fertigbaumodulen zu errichten. Damals sollte das Hochbauamt untersuchen, ob die Umsetzung dieses Plan am Standort möglich ist und gleichzeitig die Kosten dafür ermitteln.

Dieser Plan scheint inzwischen vom Tisch zu sein. In der Vorlage der Stadtverwaltung zur Kinderbetreuung in Kindertagesstätten und in der Kindertagespflege für die nächste Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Dienstag, 19. Juni, taucht er jedenfalls nicht mehr auf. Nun will die Stadtverwaltung dem Vernehmen nach wieder Platz für eine provisorische Großtagespflege in der leer stehenden Johannes-Hubert-Schule am Hohenzollernplatz in St. Hubert schaffen.

Dieser Plan war vor einigen Wochen erst verworfen worden, weil der Umbau der Schule – auch mit Blick auf den notwendigen Brandschutz – zu aufwendig und zu teuer ausfallen würde. Zudem konnte damals nicht sichergestellt werden, dass der Umbau bis zum Beginn des neuen Kindergartenjahres realisiert werden könne. Bei dieser Einschätzung bleibt die Verwaltung wohl auch, intern scheint man sich im Kempener Rathaus verständigt zu haben, dass die Räume in der leer stehende Schule erst Anfang 2019 zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren zur Verfügung steht.

Wie die Kinderbetreuung bis dahin sichergestellt werden soll, ist derzeit unklar. Das Jugendamt hat derzeit ohnehin ein Problem: Trotz mehrfacher Aufrufe auch in unserer Zeitung haben sich keine Interessenten gemeldet, die möglichst schnell als Tagespflegepersonen zur Verfügung stehen könnten. „Die Akquise von Tagespflegepersonen ist ein Ringen um Einzelpersonen zum Teil mit benachbarten Städten, die ebenfalls diesen Bedarf aufweisen“, erklärt Dezernent Klee in seiner Vorlage für den Jugendhilfeausschuss. Angestellten-ähnliche Beschäftigungsverhältnisse könnten hier eine Lösung sein, um das Angebot der Kinderbetreuung in der Tagespflege „verlässlich und planungssicher“ zu gestalten, so Klee weiter.

Außerdem habe das Jugendamt die Erfahrung gemacht, dass die Bereitschaft sinkt, Tagespflege in den eigenen Räumen anzubieten. Da die Beratungsvorlage für den Jungendhilfeausschuss in Sachen kurzfristiger Ausbau der Kindertagespflege ziemlich unkonkret bleibt, wird es wohl so sein, dass nicht alle Eltern von Kindern unter drei Jahren, die zum 1. August einen Betreuungsplatz wünschen, diesen auch bekommen.

Die Deckung des Bedarfs an Betreuungsplätzen für unter Dreijährige in Kindertagesstätten bereitet zum neuen Kindergartenjahr ebenfalls noch Probleme. Bei dem aktuellen Angebot werde der Bedarf an Plätzen, selbst bei einer gleichbleibenden Versorgung von nur 50 Prozent für den U 3-Bereich ab 1. August nicht gedeckt sein, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Mit Blick auf die kommenden Jahre dürften die Schwierigkeiten weiter zunehmen, weil die Betreuungsquote im U 3-Bereich rechnerisch von 50 Prozent auf 80 Prozent steigen soll.

  • Stadt Kempen : Kempen baut die Tagespflege aus

Fest steht: Langfristig müssen mehrere neuen Kindertagesstätten gebaut werden. Die Stadt schlägt vor, zwei neue Einrichtungen im Zuge der Planungen für das neue Wohngebiet im Kempener Westen zu berücksichtigen. Zudem sollten die beiden bestehenden Kitas „Bärenstark“ und „Tabaluga“ in St. Hubert in zwei Neubauten zusammengelegt werden. Für Tönisberg schlägt das Jugendamt ebenfalls auf Sicht einen Neubau vor. Zudem sollte ein Konzept zum Ausbau von Großtagespflegestellen erarbeitet werden.

Dabei sollten auch realistische Finanzierungsmodelle für die eingesetzten Tagespflegepersonen geprüft werden. Wie Dezernent Klee weiter in seiner Beratungsvorlage für den Jugendhilfeausschuss mitteilt, sollen die Arbeiten an einem Gesamtkonzept – in Abstimmung mit dem Technischen Dezernat – unmittelbar nach den Sommerferien beginnen.

Die CDU-Fraktion hat in einem eigenen Antrag an den Bürgermeister gefordert, mindestens zwei neue mehrzügige Kindertagesstätten zu bauen, die zum Kindergartenjahr 2019/2020 in Betrieb gehen können. Als Standorte werden Kempen und St. Hubert vorgeschlagen. Außerdem soll sich die Stadt darum bemühen, dass im Stadtgebiet ein Betriebskindergarten errichtet wird.

„Wir regen an, Erfahrungen aus den Nachbarstädten in der Region einzubeziehen und auch zu prüfen, ob sich über Investorenmodelle oder baugleiche Neubauten der Verwaltungsaufwand reduzieren und die Realisierung beschleunigen lässt“, so CDU-Fraktionsvorsitzender Wilfried Bogedain in seinem Antrag. Für den Betrieb der neuen Kitas solle frühzeitig mit verschiedenen Trägern verhandelt werden, auch mit solchen, die bisher in der Stadt Kempen noch nicht aktiv sind.

Die CDU-Fraktion schlägt als mögliche Standorte für zwei neue Kindertagesstätten in St. Hubert die Bendenstraße neben der bestehenden Einrichtung „Bärenstark“ und für Kempen den Bereich Schmeddersweg/Ziegelheider Straße im Planungsgebiet „Kempener Westen“ vor. Hier soll die Kita – unabhängig von der Generalplanung für das neue Stadtquartier – beschleunigt geplant werden.