Kempen: Größter Kampfmittelfund seit Jahrzehnten - Bombe kontrolliert gesprengt

Blindgänger kontrolliert gesprengt: Größter Kampfmittelfund seit Jahrzehnten in Kempen

Mittwochmittag wurden Polizei und Feuerwehr alarmiert: In einem Feld an der Hülser Straße in Kempen war ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Für Stunden waren Teile des benachbarten Gewerbegebietes lahm gelegt.

Frank Höpp hatte wieder einmal die Ruhe weg. Die braucht der Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes der Bezirksregierung auch. Höpp ist ein sehr erfahrener Sprengmeister und hat schon etliche Weltkriegsbomben entschärft. Am Mittwoch war Höpp in Kempen im Einsatz. Auf einer Ackerfläche an der Hülser Straße hatte ein Suchtrupp des Kampfmittelräumdienstes bei Sondierungen gegen 11 Uhr rund einen Meter unter der Erdoberfläche einen Blindgänger gefunden. Das fünf Zentner schwere Relikt des letzten Krieges lag mitten im Feld - etwa einhundert Meter von der Straße entfernt genau gegenüber der Kempener Feuer- und Rettungswache und Außenstelle des Straßenverkehrsamtes an der Heinrich-Horten-Straße. Es dauerte etwa vier Stunden, bis der Blindgänger an Ort und Stelle unschädlich gemacht war. Gegen 15.45 Uhr gab der Kampfmittelräumdienst Entwarnung, die Bombe war entschärft.

Es war der größte Fund dieser Art in den vergangenen Jahrzehnten in Kempen, der für Stunden Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst in Alarmbereitschaft versetze. Die Stadt hatte routinemäßig den Kampfräumdienst beauftragt, auf der Ackerfläche nach möglichen Bomben zu suchen. Das geschieht in Kempen seit Jahren immer dann, wenn eine möglicherweise belastete Fläche bebaut werden soll. Das Feld liegt im Dreieck zwischen Hülser Straße, Bahnstrecke und Kempener Außenring. Es soll zu einem kleinen Gewerbegebiet weiter entwickelt werden. Der Baumarkt Mobau Wirtz & Classen, früher Pegels, will sich dort ansiedeln. Bislang ist der Baumarkt an anderer Stelle an der Hülser Straße - in Höhe der Einmündung der Verbindungsstraße - ansässig. Die Stadt will in den kommenden Monaten das Areal erschließen und Baurecht schaffen. An dieser Stelle wurden mögliche Kriegsbomben vermutet, hatten doch die alliierten Luftverbände gegen Ende des Zweiten Weltkrieges die Bahnlinie und den Bereich des Bahnhofs in Kempen mit einem Bombenteppich überzogen.

Foto: Wolfgang Kaiser

Und tatsächlich wurde der Suchtrupp fündig. Mit einem kleinen Bagger wurde die Bombe vorsichtig freigelegt. Danach wurden sämtlich Gebäude im Umkreis von 250 Meter - auch die Feuer- und Rettungswache, das Wasserwerk und etliche Gewerbebetriebe im Bereich Heinrich-Horten-Straße - evakuiert. Die Polizei alarmierte darüber hinaus mit Lautsprecherdurchsagen die Anwohner in einem Umkreis von 500 Metern, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Kempener Außenring wurde vorübergehend gesperrt, auch die Hülser Straße im Bereich der Fundstelle. Zudem musste der Bahnverkehr zeitweise eingestellt werden. Fahrgäste wurden am Kempener Bahnhof informiert und konnten nur mit Bussen die Weiterreise antreten. In Teilen der Kempener Innenstadt und im Ortskern von St. Hubert kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, weil der Außenring als Hauptverkehrsader teilweise dicht war.

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Es dauerte eine ganze Weile, bis die Evakuierung abgeschlossen war. Da auch die Feuer- und Rettungswache betroffen war, richtete die Stadt in sicherer Entfernung im städtischen Baubetriebshof an der Heinrich-Horten-Straße die Einsatzleitstelle ein. Von hier aus wurde die Arbeit der Feuerwehr koordiniert. Mitarbeiter der Kreisleitstelle aus Viersen unterstützten die Kempener Kollegen. Eingebunden war auch das städtische Ordnungsamt, Amtsleiter Ulrich Eckerleben gehörte dem Team der Einsatzleitung um Wehrchef Franz-Heiner Jansen an. Etwa 40 Wehrleute vom Löschzug Kempen waren in Alarmbereitschaft, die Kreispolizei hatte ebenfalls 40 Beamte in Kempen zusammengezogen. Sie sperrten die Straßen ab und kontrollierten die Evakuierungszone. Bürgermeister Volker Rübo informierte sich an der Einsatzleistelle über den Stand der Dinge.

Foto: Kaiser Wolfgang

Die Entschärfung der Bombe war insofern etwas problematisch, als der Zünder nicht frei zugänglich war. So kam nur eine kontrollierte Sprengung des Blindgängers in Betracht. Aber auch diese war für Sprengmeister Höpp und seinen Kollegen Routine. Mit einem so genannten Raketenzünder wurde zunächst der Zünder abgesprengt und mit einer zweiten Sprengung die Bombe unschädlich gemacht. Unklar war vorübergehend, in welchem zeitlichen Ablauf die beiden Sprengungen erfolgen würden. Gegen 15.17 Uhr war auf dem Baubetriebshofs ein dumpfer Knall zu hören. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis klar war, mit dieser Detonation hatte der Sprengmeister die Bombe entschärft. Die vorherige erste Sprengung war in einer Entfernung von mehr als 500 Meter gar nicht zu hören gewesen. In der Kempener Altstadt bekam man von der Sprengung nichts mit, allerdings machte die Nachricht vom Bombenfund dort schnell die Runde.

Gegen 16 Uhr präsentierte Sprengmeister Höpp den entschärften Blindgänger. Er war bereits in einem Kleinlaster verladen.

(RP)