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Kempen: Der Schacht Niederberg IV in Tönisberg wurde 1963 in Betrieb genommen und 2001 eingestellt.

Niederberg IV : Der westliche Eingang des Ruhrbergbaus

Die Bergbautradition in Tönisberg reichte von 1963 bis 2001. Mit dem Verkauf der Zeche an einen Krefelder beginnt eine neue Epoche.

Die Bergbaugeschichte der Stadt Kempen ist vergleichsweise kurz. Und in der Thomasstadt hat man über viele Jahre kaum Notiz davon genommen, dass Kumpel vom Wartsberg aus in die Grube einfuhren, um dort Steinkohle abzubauen. Steinkohle gefördert wurde auf der Schachtanlage Niederberg IV in Tönisberg nie. Der erst im Frühjahr 1963 in Betrieb genommene Schacht diente nur zur Belüftung der Grube und zur Beförderung von Bergleuten und Gerätschaften.

Bereits Anfang der 1950er-Jahre hatte es in Tönisberg Probebohrungen gegeben. Die Zeche Niederberg in Moers, die sich bereits bis nach Neukirchen-Vluyn erstreckte, sollte weiter in Richtung Westen ausgebaut werden.Im Februar 1959 begannen dann die Ausschachtungen auf dem Mühlenberg in Tönisberg und die Errichtung eines 28 Meter hohen, hölzernen Turms. Von ihm aus wurde ein ausgemauerter Schacht 534 Meter tief in den Berg getrieben.

Für Tönisberg zeichnete sich mit dem Bau der Schachtanlage ein tiefgreifender Strukturwandel dar. Denn in dem beschaulichen Bergdorf mussten Wohnungen für die Bergleute gebaut werden. Im Frühjahr 1963 zogen die ersten Bergarbeiterfamilien in dreigeschossige Mietshäuser am Wartsberg ein. Insgesamt 300 Familien der Kumpel wurden am Ende dort angesiedelt.

Die Wartsbergsiedlung ist bis heute kaum an den Ortskern angebunden. Die Stadtwerke und die Stadt haben gemeinsam mit der Hochschule Düsseldorf in den vergangenen Jahren die Quartiersentwicklung in der Siedlung vorangetrieben. Ziel ist es auch, die Bewohner in dem Wohnviertel stärker in die Ortsgemeinschaft zu integrieren.

Die Geschichte des Bergbaus, die in Tönisberg mit der endgültigen Schließung der Schachtanlage 2001 – bereits in den 1970er-Jahren wurden hier keine Bergleute mehr befördert – geendet hatte, will seit einigen Jahren ein rühriger Verein hochhalten. Motor ist der ehemalige Bergmann Peter Kunz. Er und seine Mitstreiter hoffen auf ein kleines Museum in den Gebäuden auf der Zeche. Kunz war es auch, der die Diskussion um den Erhalt der Anlage in den vergangenen Jahren vorantrieb.

Politisch kam das Thema erst 2013 so richtig in Bewegung. Da erteilte die Stadt Kempen der Ruhrkohle AG (RAG) die Genehmigung, das Fördergerüst und einige leer stehende Gebäude auf dem früheren Zechengelände abzureißen und zu rekultivieren. In einigen anderen Gebäuden, die auch damals erhalten bleiben sollten, produzierte die Firma Naue Spezialfolien beispielsweise zur Abdichtung von Deponien. Diese Abrissgenehmigung brachte einige Politiker auf den Plan. Sie erinnerten an eine Expertise des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege. Das hatte 2002 mit dem Verfahren zur Unterschutzstellung der stillgelegten Anlage begonnen. Das Gutachten lag unbeachtet in einer Schublade in der Kempener Bauverwaltung.

2013 entwickelte sich eine kontroverse Diskussion zwischen Befürwortern einer Unterschutzstellung und Gegnern. Letztere hielten die Zechenreste für überflüssig. Diese Meinung vertrat auch die Stadt Kempen mit ihrem damaligen Baudezenenten Stephan Kahl. Das Denkmalamt des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) erreichte dann 2015 beim zuständigen NRW-Bauministerium einen so genannten Ministerentscheid. Die Stadt musste das Fördergerüst und einige Nebengebäude unter Denkmalschutz stellen. Die RAG stoppte ihre Abrisspläne. Seither wurde nach neuen Nutzungsmöglichkeiten gesucht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein Rundgang über das Zechengelände