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Kempen: Aufregung um Gebetsruf in der Moschee

Bürgermonitor : Aufregung um Gebetsruf in Kempener Moschee

Anwohner fürchten eine Lärmbelästigung, wenn der Imam spricht. Die Türkisch Islamische Gemeinde Kempen ist zum Kompromiss bereit. Der kurze Gebetsruf soll freitags um 13.45 Uhr zu hören sein.

Als vor einer Woche ein Flyer in den Briefkästen der Häuser an der Verbindungsstraße auftauchte, staunte so mancher Anwohner. Absender des Schreibens war die Türkisch Islamische Gemeinde zu Kempen. Der Verein teilte mit, dass in den nächsten Tagen der Gebetsruf, der sogenannte Ezan, mittels einer Freisprechanlage ertönen würde. Weiter dankte die muslimische Gemeinde dem Kempener Bürgermeister für die Zusammenarbeit. „Kempen setzt ein Zeichen, indem Nächstenliebe verbreitet und hierdurch Hoffnung und Zuversicht gespendet werden“, heißt es in dem Schreiben. Der Flyer und sein Inhalt lösten bei den Bürgern Unruhe aus. Sie kritisieren die Informationspolitik der Stadt Kempen.

„Wir haben nichts gegen die Türkisch Islamische Gemeinde. Was uns aber stört, ist die Vorgehensweise der Stadt. Es wäre schön gewesen, wenn wir von der Verwaltung genauer informiert worden wären. Der Flyer teilt nichts über die Dauer, den Tag und die Uhrzeit des Gebetsrufes mit. Und das sind Fragen, die man sich als Nachbar der Moschee stellt“, sagt einer der Anwohner, der ungenannt bleiben möchte. Zudem erweckte der Wortlaut des Flyers den Anschein, als wäre einzig und allein Bürgermeister Volker Rübo für die Genehmigung zuständig gewesen, was die Anwohner noch mehr irritierte.

„Wir freuen uns immer, wenn die Gemeinde uns über ihr Sommerfest informiert und uns auch einlädt. Eine Einladung, die gerne angenommen wird. Aber in diesem Fall hätten wir uns eine zusätzliche Information von der Stadt Kempen gewünscht“, sagt der Anwohner. Anwohner der benachbarten St. Huberter Straße, der Hülser Straße sowie der Arnoldstraße fühlen sich übergangen. Sie erhielten nämlich keinen Flyer und befinden sich doch in unmittelbarer Nähe des Gebetshauses.

Der für Verwirrung sorgende Flyer war dabei nur gut gemeint und hatte nichts mit einer Genehmigung durch die Stadt Kempen zu tun. Eine solche wäre für den Gebetsruf ohne größere Lautsprecherverstärkung nämlich auch gar nicht nötig, da es das Grundrecht auf Religionsfreiheit gibt. Nur bei Lärmemissionen durch eine regelrechte Lautsprecheranlage wäre eine Prüfung zur Genehmigung erforderlich. Der Flyer, entworfen, hergestellt und verteilt von der Türkisch Islamischen Gemeinde, sollte nur informieren und den Dank darüber zum Ausdruck bringen, dass es in der Stadt Kempen ein gutes Miteinander der verschiedenen Glaubensrichtungen gibt. „Wir wollten die direkten Nachbarn mit dem Flyer in erster Linie vorbereiten, dass unser Gebetsruf über die ganz normale Sprechanlage der Moschee ertönt. Es handelt sich dabei um keine Lautsprecher“, sagt Halit Gediktas, Vorsitzender der Türkisch Islamischen Gemeinde. Man habe die Anwohner keinesfalls irritieren wollen, wie es jetzt doch der Fall war. Es würde eine gute Beziehung zur Nachbarschaft gepflegt, und das solle auch in Zukunft so bleiben.

Daher möchte die Gemeinde auf jeden Fall am Freitag, nachdem der Gebetsruf um 13.45 Uhr zum ersten Mal ertönen wird, die Reaktion der Nachbarn abwarten, um danach zu entscheiden, ob der Gebetsruf in dieser Form fortgesetzt werden kann. Man möchte den Gebetsruf in Zeiten von Corona gerne jeden Freitag um 13.45 Uhr im Innenhof der Moschee erklingen lassen. Wobei der Ruf selber knapp zwei Minuten dauert. Um 13.50 Uhr schließt sich das Freitagsgebet an. „Wir haben extra das Mittagsgebet genommen und nicht das Abendgebet. Wir fanden, dass ein Gebetsruf um 21.30 Uhr eher als Störung aufgefasst werden könnte“, sagt Gediktas. Der Vorsitzende der Türkisch Islamischen Gemeinde hofft nun, dass die Anwohner ihr Einverständnis zu dem freitäglichen Gebetsruf während der Corona-Pandemie geben.