Neue Kaufbar in Oedt : Schrauben zum Kilogrammpreis

Dirk Brüggemann arbeitet im Oedter Baumarkt. Er hat sich die Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt hart erkämpft. Maßgeblich beteiligt war daran die „Kaufbar“, ein gemeinnütziges Gebrauchtwarenkaufhaus.

Fragt man Dirk Brüggemann, ob er der „Herr der Schrauben“ im Sonderpreis-Baumarkt der Kette Fishbull Franz Fischer ist, antwortet er mit einem stolzen „Yes!“. Neben viele anderen Produkten rund um Haus und Garten sind dort 800  Schraubensorten zum Kilogramm-Preis erhältlich. Brüggemann kennt sie alle. „Ich weiß, was der Kunde braucht“, sagt er mit Überzeugung. Sichtlich zufrieden trägt er die rote Arbeitskleidung der fränkischen Baumarktkette mit dem Aufnäher „Team Grefrath“. Seit Herbst letzten Jahres ist der 43-Jährige bei dem Unternehmen an der Kleinbahn angestellt, das sich dort in den früheren Räumen wechselnder Supermarktketten angesiedelt hat. Doch der Weg in diese Anstellung war keine Selbstverständlichkeit. Denn Brüggemann war lange Zeit arbeitslos. Er ist gelernter Tischler und arbeitete als Geselle in mehreren Betrieben. Nach einem schweren Arbeitsunfall war er mehrere Jahre lang ohne Beschäftigung. Zwar machte er eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann: „Mangels Berufserfahrung fand ich dort aber keinen Job“, erzählt er. Zur Brücke zurück in den ersten Arbeitsmarkt wurde für ihn eine Anstellung in der Viersener „Kaufbar“. Das sozial orientierte Gebrauchtwarenkaufhaus mit Standorten in Viersen und Kempen bietet „Erstklassiges aus zweiter Hand“, wie Geschäftsführer Reiner Lennertz erklärt.

Möbel, Kleidung, Haushaltgegenstände, Bücher oder Spiele werden dort sortiert, aufbereitet, repariert und zum Verkauf angeboten. Ziel der gemeinnützigen Gmbh ist es, arbeitssuchende Menschen soweit zu qualifizieren, dass sie den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt schaffen. Vom Jobcenter wurde Brüggemann im November 2015 an die Viersener „Kaufbar“ vermittelt. Er arbeitete zunächst in der Kleidersortierung, wechselte dann aber in den Möbellagerverkauf. „Das war für mich ein gutes Gefühl, wieder gebraucht zu werden“, sagt er, „ich bin immer gerne dahin gegangen.“ Zwei Jahre lang war Dirk Brüggemann bei der „Kaufbar“ beschäftigt. Seine Stelle war öffentlich gefördert. „Jeweils 20 ehemalige Langzeitarbeitslose sind bei uns sozialversicherungspflichtig beschäftigt“, erläutert Monika Mai, Projekt- und Betriebsleiterin. Gefördert werden diese Stellen durch Mittel der EU, des Landes NRW, des Kreises und des Jobcenters. Rund ein Viertel der Kosten erwirtschaftet die „Kaufbar“ in Eigenleistung. Als die zwei Jahre vorbei waren, konnte Brüggemann, nicht zuletzt aufgrund des breiten Kontaktnetzwerks der „Kaufbar“, im Herbst letzten Jahres unmittelbar weitervermittelt werden. „Wir suchten gerade zwei Mitarbeiter“, erzählt Filialleiter Jörg Schreiber. Nach nur wenigen Probestunden hatte Brüggemann den Job im Oedter Baumarkt. „Er lässt sich nicht stressen, ist ruhig und freundlich von der ersten bis zur letzten Minute seiner Arbeitszeit“, sagt Schreiber. Das freut Reiner Lennertz von der „Kaufbar“ besonders: „Da schließt sich der Kreis. Denn Kompetenzen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit werden bei uns besonders geschult.“ Und Monika Mai ergänzt: „Hier kann er genau seine Talente einbringen. Die Stelle ist auf ihn zugeschnitten.“ Rund ein Viertel der Teilnehmer schaffen nach der Zeit in der „kaufbar“ den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt. „Zeichnen sich schwere gesundheitliche Probleme ab, sorgen wir aber auch dafür, dass Menschen in die Erwerbsminderungsrenten oder den Sozialleistungen zugeführt werden“, sagt Geschäftsführer Reiner Lennertz.