Stadt Kempen: Kartoffelbauern sind in Sorge

Stadt Kempen: Kartoffelbauern sind in Sorge

Die Rheinische Erzeugergemeinschaft spricht von einer "durchwachsenen Stimmung". Sorgen bereitet der Absatzmarkt Belgien. Die Geschäftsstelle zieht Mitte 2019 von Viersen in das neue "Haus der Landwirtschaft" in Kempen.

Das winterliche Wetter kam gelegen, denn auf den gefrorenen Äckern ist gegenwärtig kein Arbeiten. So hatten die Kartoffeln anbauenden Landwirte gestern Zeit, sich über die Aussichten der neuen Kampagne zu informieren und dabei auch einen Blick nach Belgien zu werden. Dort gibt es einen wichtigen Markt, denn "ohne Kartoffeln keine Pommes - ohne Pommes kein Belgien", berichtete Romain Cools. Der Generalsekretär der Verarbeiter- und Vermarkterorganisation Belgapom entwarf ein optimistisches Bild, denn weltweit steige die Nachfrage nach Kartoffeln. Allerdings: Im vergangenen Jahr stockten die Lieferungen von Deutschland in die Benelux-Länder, weil die Franzosen sehr aggressiv dort vermarkteten, sagte der Vorsitzende der Rheinischen Erzeugergemeinschaft Kartoffeln (Reka), Martin Dahmen aus Vorst, bei der Hauptversammlung im Restaurant Schänzchen in Lobberich.

"Übermengen aus dem Jahre 2017 haben sich in den Lagern bis heute nicht abgebaut", so dass der Erzeugerpreis auf elf Euro für 100 Kilogramm zurückging. Zwar hat die Reka nun eine Anhebung um vier Euro durchsetzen können, doch werden die Landwirte darüber nicht richtig froh, weil sie noch auf hohen Beständen sitzen. Zurzeit werden die Verträge für 2018 ausgehandelt, für Industrieware müsse ein Abschlag von zwei Euro hingenommen werden, teilte Dahmen mit. Ein kleiner Trost: Insgesamt liegen die Konditionen derzeit "aber noch über dem Schnitt der letzten Jahre". Bemerkenswert sei die hohe Nachfrage nach Pflanzgut, das je nach Sorte zwischen zehn und 20 Prozent niedriger angeboten wird. Daraus folgert Dahmen, dass "mangels Alternativen bei anderen Feldfrüchten die Anbaubereitschaft eher steigt als sinkt". Obwohl "die Kartoffel am Ende nicht planbar ist", hofft er, dass "der Kartoffelanbau im Rheinland weiterhin die tragende Säule im Ackerbau bleibt".

An der Deula am Krefelder Weg in Kempen soll das neue "Haus der Landwirtschaft" gebaut werden. Auch die Reka will dort einziehen. Foto: Deckers
  • Stadt Kempen : "Haus der Landwirtschaft" für Kempen

Die Reka beteiligt sich nun auch an einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die am Krefelder Weg in Kempen ein "Haus der Landwirtschaft" errichtet. Das Vorbild steht in Euskirchen, Baubeginn wird im zweiten Quartal sein, die Vorarbeiten laufen bereits. Die Fertigstellung ist Mitte 2019, Kosten: 3,6 Millionen Euro. Die Daten nannte Reinhard Pauw, Geschäftsführer des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes (RLV), als er die Standort- und Strukturreform des RLV erläuterte und eine Vorteile einer Bündelung der landwirtschaftlichen Interessenvertretung hervorhob. Neben der Reka (Anteil: fünf Prozent) sind die Kreisbauernschaft Viersen-Kempen (neun Prozent), die Obst- und Gemüsebauern (2,8 Prozent), der RLV (50 Prozent) und die RLV-Tochter Parta (Landwirtschaftliche Buchstelle) beteiligt. Als Mieter kommen noch die Landhilfe, eine Kulturstiftung und eine weitere Parta-Gesellschaft hinzu.

Die Reka wird Mitte 2019 die Kreisstadt Viersen verlassen, wo sie derzeit Räume der Landwirtschaftskammer gemietet hat. Der Rheinische Landwirtschaftsverband kehrt damit - wie bereits berichtet - wieder an den Ort seiner Gründung zurück, der 1882 von Friedrich Freiherr von der Loe als Rheinischer Bauernverband in Kempen ins Leben gerufen worden war.

(RP)