Ex-Bürgermeister von Kempen: Karl Hensel: Stadt soll Burg übernehmen

Ex-Bürgermeister von Kempen: Karl Hensel: Stadt soll Burg übernehmen

Es ist schon ein ungewöhnlicher Vorgang, wenn ein ehemaliger Bürgermeister und Verwaltungschef sich in einer aktuellen politischen Diskussion zu Wort meldet. Karl Hensel hat es gestern in Sachen Kempener Burg getan.

Karl Hensel verfolgt das Geschehen in Kempen in der Regel mit Zurückhaltung. Der frühere langjährige Stadtdirektor und erste hauptamtliche Bürgermeister der Stadt Kempen ist längst im Ruhestand. Nach seinem Jura-Studium trat er seine erste Stelle 1973 bei der Kempener Stadtverwaltung an. 1990 wurde er Stadtdirektor, 1999 hauptamtlicher Bürgermeister. Das blieb der heute 73-Jährige bis 2009. Der gebürtige Dülkener, der in Viersen zur Schule ging und dort sein Abitur am Humanistischen Gymnasium machte, ist längst in der Thomasstadt heimisch geworden, lebt hier mit seiner Familie.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau nimmt Hensel auch im Ruhestand regen Anteil am Leben in der Stadt. So sind CDU-Mitglied Hensel und seine Frau häufig Gäste bei Parteiveranstaltungen der Christdemokraten, Hensel ist zudem Ehrenleutnant der Kempener Prinzengarde und war in dieser Funktion zuletzt Mitte Januar beim Appell der Garde im Kolpinghaus mit auf der Bühne.

Seit Wochen verfolgt Pensionär Hensel die öffentliche Diskussion um die Zukunft der Kempener Burg. In internen Zirkeln hat er zuletzt sein Unverständnis und seine Sorge kundgetan, dass der Stadtrat am morgigen Dienstag, 6. Februar, die aus seiner Sicht falsche Entscheidung in Sachen Burg treffen könnte. Am Sonntag brach der Mann, der in seiner aktiven Dienstzeit für Gradlinigkeit und selbstbewusste Entscheidungsfreude bekannt war, sein Schweigen. Eigentlich wollte er sich nicht mehr zu kommunalen Themen äußern. Jetzt tut es dennoch - denn in der aktuellen Diskussion um die Burg läuft aus Hensels Sicht "vieles so verquer", dass er sich zu einem offenen Brief an die Ratsfraktionen veranlasst sieht.

Hensel spricht sich ganz klar für die Übernahme der Burg durch die Stadt aus. Das sei die "vernünftigste, sauberste und dauerhaft sicherste" Lösung. Der ehemalige Bürgermeister erinnert daran, dass Kempen seit 1989 der renommierten Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne NRW angehört. Auf diese Mitgliedschaft könne Kempen stolz sein, sie verpflichte die Stadt aber auch, "sich der Verantwortung für eines ihrer herausragendsten Baudenkmäler zu stellen und sich ihr nicht zu entziehen". Hensel fragt: "Wie will die Stadt künftig glaubwürdig einem Privatmann denkmalpflegerische Maßnahmen abverlangen, wenn sie selbst ihre mit dem Eintritt in diese Arbeitsgemeinschaft eingegangene besondere denkmalrechtliche Verpflichtung nicht erfüllt?"

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Eine rein wirtschaftliche Betrachtung greife bei der Burg zu kurz. Wie Propsteikirche, Kuhtor, Stadtmauer mit Wehrmühle und viele denkmalwerte Häuser "verkörpert die Burg unsere Stadt Kempen und trägt zum Stolz und zur Identifizierung der Bürger mit ihrem Gemeinwesen maßgeblich bei". Über baurechtliche und denkmalrechtliche Vorschriften ein künftiges Verfahren um eine neue Nutzung der Burg steuern zu können, "wie es der Bürgermeister und die Verwaltung glauben", sei nur bedingt möglich und zudem riskant, wenn etwa ein Privatinvestor aus wirtschaftlichen Gründen Kompromisse einfordern oder mit seiner Investition scheitern würde oder wenn er das Bauwerk "einfach spekulativ" liegen ließe, so Hensel.

Bei einer Übernahme hätte die Stadt dagegen "das Heft des Handelns in der Hand". Die Stadt habe genügend Zeit, ein tragfähiges Nutzungskonzept zu erarbeiten und mit Hilfe öffentlicher Fördergelder umzusetzen. "Das muss nicht von heute auf morgen gehen. Hektik ist nicht angebracht. Aber Mut ist gefordert, wie wir ihn bei ungleich schwierigeren Problemen in Kempen immer bewiesen haben", betont der Alt-Bürgermeister.

Aus seiner Sicht ist auch der Kreis Viersen als derzeitiger Eigentümer der Burgimmobilie "in die Pflicht zu nehmen". Er könne sich als öffentlich-rechtliche Körperschaft nicht wie ein Privatmann seiner denkmalrechtlichen Verpflichtung einfach entziehen "und die Stadt im Regen stehen lassen", meint Hensel. Im Zuge der kommunalen Neugliederung habe der Kreis seinerzeit "seine Einstandspflicht für die Burg und deren Nutzung ausdrücklich bekräftigt". Das scheine ganz vergessen zu sein.

Von daher appelliert Hensel an Stadt und Kreis, gemeinsam ein tragfähiges Konzept für die Burg zu entwickeln und umzusetzen. Grundlage dafür müsse aber die Zusage der Stadt sein, die Burg zu übernehmen, und zwar zum jetzigen Zeitpunkt, ohne jede Vorfestlegung einer künftigen Nutzung. Außerdem müsse der Kreis seinen Verzicht erklären, die Burg an einen Privatinvestor zu verkaufen.

(RP)
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