Kammermusikreihe der Kempener Klosterkonzerte endete

Kammermusik in Kempen : In der Paterskirche: Erschütternde Musik vom Ende der Zeit

Mit einem sehr ernsten Konzert auf hohem Niveau endete in der Paterskirche die laufende Kammermusikreihe der Kempener Klosterkonzerte.

Als Beethoven sein B-Dur-Klaviertrio op. 97, das „Erzherzog-Trio“, schrieb, war seine Ertaubung schon sehr weit fortgeschritten. Die tiefe Beunruhigung darüber ist seinem Werk durchaus anzumerken, wenn auch nicht durchgehend. Das Trio hat auch recht heiter wirkende Seiten. Aber es steckt voller Brüche. Begonnene Entwicklungen geraten ins Stocken, oft geht es anders weiter als vorauszuahnen. Die Interpretation des Trios Jean Paul arbeitete das alles sehr genau heraus. Eckart Heiligers (Klavier), Ulf Schneider (Violine) und Martin Löhr (Violoncello) stellten sich nicht nur als sichere Instrumentalisten vor. Technisch war alles perfekt. Mit äußerster Präzision erklang das Zusammenspiel zwischen Klavier und dem Pizzikato der Streicher. Darüber hinaus wurde aber nicht nur auf die Genauigkeit geachtet, sondern auch auf Feinheiten, auf die Aussagen, die zwischen und hinter den Noten zu finden sind. Partiell kam auch der Wohlklang zu seinem Recht. Aber dann wurden immer wieder die Brüche und Verfremdungen der Komposition dagegengestellt. Vorweg wies der Pianist noch darauf hin, dass das Scherzo viel Heiterkeit ausstrahlt. Aber auch da gab es ganz andere, düstere Töne, die vom Trio sehr differenziert zum Klingen gebracht wurden.

Im zweiten Teil kam noch ein weiterer herausragender Musiker hinzu, der Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker Andreas Ottensamer. Ein erschütterndes Werk stand auf dem Programm, das „Quartett auf das Ende der Zeit“ von Olivier Messiaen. Der Komponist war 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Seine Verzweiflung und seine tiefe Religiosität ließen ihn an die Apokalypse denken, die er zum Ausgangspunkt seiner Komposition machte. Da sich beim Hören der Bezug zu den Assoziationen nur schwer unmittelbar erschließt, war es gut, dass im Programmheft Messiaens Gedanken zu den acht Sätzen abgedruckt waren.

Andreas Ottensamer und das Trio Jean Paul beeindruckten durch eine sensible Wiedergabe, die allen Mitspielern solistisch und im Zusammenspiel viel abverlangte. Präzise und markant erklang das Zusammenspiel im sechsten Satz, dem „Tanz des Zorns“, ebenso die Unisoni und die langen Bögen in den Streichern.

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