Kalvierkonzert mit Till Hoffmann in der Kempener Paterskirche

Klavierkonzert : Pianist glänzt am überarbeiteten Klavier

Mit dem Gastspiel der 23 Jahre alten Till Hoffmann wurde die Konzertreihe „Klavier extra“ eröffnet. Sie findet in Zusammenarbeit mit dem Verein Kempen Klassik statt. Gespielt wurde am komplett überholten Steinway-Flügel.

Das erste der sechs Konzerte der Reihe „Klavier extra“ war mehr als nur ein Start in eine neue Spielzeit. Zunächst gab es von Doerte Schäfer, der Vorsitzenden des Vereins Kempen Klassik, eine Erfolgsmeldung zum Thema Steinway-Flügel. Christian Schoke hatte das Instrument gründlich überholt. Der Klavierbauer aus Köln war persönlich zum Konzert in die Paterskirche gekommen, um sich von der Qualität seiner Arbeit zu überzeugen. Er hatte allen Grund, zufrieden zu sein. Der Klang war gut und ausgewogen. Die technischen Belange, so war zu erfahren, gaben ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung.

Zum anderen war es das erste Konzert im Rahmen einer neuen, erfolgversprechenden Kooperation. „Wir sind“, berichtete Doerte Schäfer, „Partner des ,Steinway Prize Winner Concerts Network’ geworden. So war es gelungen, den noch sehr jungen, 1996 in Freiburg geborenen Till Hoffmann nach Kempen zu verpflichten. Er hat schon mehrere bedeutende Preise gewonnen, darunter auch den Preis von Steinway & Sons, den „Steinway Prize“.

Was es mit diesem Preis auf sich hat, erläuterte Gerrit Glaner, der Chef der künstlerischen Abteilung des internationalen Unternehmens, korrekt: der „Head of concert & artist department“. Mit mehreren Steinway-Kollegen war er in die Paterskirche gekommen. „Bei uns in Hamburg“, skizzierte Glaner scherzhaft die Intention des Wettbewerbs, sagt man: „Watt der Bur nit kennt, dat fritt he nitt“. Mit unserem Dialekt kennen wir den Spruch am Niederrhein auch, genau so wie das Phänomen selbst. Ist der Künstler erst mal bekannt, sind seine Auftritte ein Event, dann geht man dahin. Aber die jüngeren Künstler, die genau so gut spielen, brauchen Auftrittsmöglichkeiten und Werbung. Und deshalb gibt es nicht nur Wettbewerb und Preis, deshalb werden – wie jetzt in Kempen – Konzerte gefördert. Und das im internationalen Rahmen. Glaner: „Seit 2007 haben bis heute mehr als 60 junge Pianistinnen und Pianisten in über 280 Konzerten und Rundfunkmitschnitten in zwölf Ländern überzeugend ihr Können unter Beweis gestellt“. Für die Konzertsaison 2018/19 sind weltweit über 40 Konzerte sowie 22 Klavierwettbewerbe mit 28 Veranstaltern zu verzeichnen.

Till Hoffmann bewies, dass nicht zu viel versprochen wurde. Er begann mit Johann Sebastian Bach, mit einer ausgezeichneten Wiedergabe der Partita Nr. 4 BWV 828. Mit einem klaren und präzisen Anschlag sowie mit tadelloser Gewichtung der Stimmen spielte er sehr transparent. Flüssig klangen die schnellen, gesanglich die langsamen Partien. Dabei vermied er eine romantisierende Wiedergabe genau so wie eine oberflächliche.

Dem Werk von Anton Webern, der 1945 in den letzten Kriegswirren irrtümlich von einem amerikanischen Soldaten erschossen wurde, lässt sich sicher auf unterschiedliche Weise näherkommen. Hoffmann arbeitete konsequent den Aspekt heraus, der bei Komponisten in Weberns Generation nicht selten eine große Rolle spielte: das frühe Unbehagen an einer Zeit, die zwei Weltkriege und unvorstellbare Massenverbrechen ausbrütete.

Eindrucksvoll war auch die Wiedergabe des erst vor zwei Jahren komponierten „Glasschach II“. Der junge, 1995 geborene Jakob Raab baut hier lauter kleine Motive nach einem Gustav-Mahler-Zitat zu einer sehr ernsten, herben Komposition zusammen. Zwei kompetente Beethoven-Interpretationen rundeten den Abend ab, 32 Variationen über ein eigenes Thema und die Sonate As-dur op. 110. Herzlicher Beifall und als Zugabe noch einmal Bach: „Jesus bleibet meine Freude.“

Mehr von RP ONLINE